Die Beauftragte für Jüdisches Leben in Fulda bezeichnete den Anschlag als den „Tag des Schmerzes“ und berichtete sehr emotional über die Geschehnisse des 7. Oktobers. Sie war im Anschluss ebenso schockiert gewesen über die Ereignisse wie über das „ohrenbetäubende Schweigen“ dazu in der deutschen Zivilgesellschaft: „Wo war der Aufschrei?“ Listmann erläuterte die Hintergründe zu dem Angriff der Hamas, der über Jahre geplant und koordiniert worden war: „Über 2200 Raketen und Geschosse wurden aus Gaza auf Israel abgefeuert.“ Parallel dazu hätten die Angreifer an zwölf Stellen den Zaun zwischen dem Gaza-Gebiet und Israel überwunden und seien in verschiedene Richtungen ausgeschwärmt, um Menschen zu töten.
Listmann nannte bei ihrem Vortrag verschiedene Personen und zeigte private Bilder von ihnen vor dem Anschlag. Sie schilderte beispielsweise, wie Ruth und Eric Perez als Besucher des Nova Festivals am frühen Morgen den Tod fanden. Hamas-Kämpfer seien, wie Videoaufnahmen belegen würden, mit Gleitschirmfliegern auf das Gelände gelangt, ohne dass die Menschen etwas geahnt hätten. Dann sei es zu Erschießungen gekommen: „Der Blutrausch griff um sich.“ Die Beauftragte erzählte von Familien, die getötet wurden, ebenso wie anderen Zivilisten, darunter auch muslimische Israelis. Für sie seien die Taten immer noch unbegreiflich. Unter den vielen einzelnen Schicksalen hob Listmann vor allem die von Hersch Goldberg-Polin und Vivien Silver hervor, die sich als Friedensaktivisten für eine Verständigung zwischen Palästina und Israel eingesetzt hatten. Beide starben im Zuge des Anschlags. Wie die Rednerin deutlich machte, gehe es ihr um Verständigung statt dem weiteren Schüren von Hass.
Nach dem emotionalen Vortrag sprach Listmann mit der Autorin Barbara Bisicky-Ehrlich über die Ängste, Sorgen und Hoffnungen in jüdischen Gemeinden. Bisicky-Ehrlich berichtete dabei von ihren Erfahrungen mit dem zunehmenden Antisemitismus in Deutschland. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Katholischen Akademie des Bistums Fulda sowie der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Fulda und der Jüdischen Gemeinde Fulda.
