„So ein Lucky Punch gegen dich tut immer weh und nagt erstmal ein, zwei Tage“, ist SGB-Trainer Daniyel Cimen auch in der neuen Woche noch mit der Derbyniederlage in Kassel beschäftigt. Seine Spieler hingegen sollen die Köpfe freibekommen: Ins Training starten die Fuldaer erst am Dienstag, da das nächste Heimspiel gegen Homburg diese Woche erst am Sonntag steigt. Dabei war auch in Nordhessen wieder ein Punkt drin – mindestens. Aber nicht für denjenigen, der eine Minute vor Ende der regulären Spielzeit ein solches Gegentor zulässt: Schon der Freistoß war unnötig, die SGB zog das Foul, während der Gegner mit dem Rücken zum Tor stand. Dann durfte Liesche Prieto ungestört flanken, der zweite Ball landete dann vor den Füßen von Frederic Brill, der wohl im gegnerischen Strafraum noch nie so viel Platz hatte und vor der Heim-Kurve jubeln durfte.
„Wir müssen uns da an die eigene Nase fassen und sind bitter bestraft worden, nachdem wir ein ordentliches Auswärtsspiel gemacht haben“, hadert Cimen. Besonders die erste Hälfte war eine starke der Barockstadt, die die große Chance durch Reinhard auf das 2:0 vergab. In den zehn Minuten nach dem Seitenwechsel war der Gast dann kurz von der Rolle, Kassel rannte an, Fulda gewann kaum noch Zweikämpfe. „Aber wir haben uns gefangen und davon befreit“, war der Trainer angetan von der Reaktion. Die größte Chance in Durchgang zwei vergab Korzuschek per Kopf, wobei Kassels Keeper hier sensationell hielt und Cimen keinen Vorwurf machte. Korzuschek war mit fünf Saisontoren zuvor schon der beste Schütze der SGB und hatte mit seinem 1:0 in Kassel das sechste nachgelegt. Der Ausgleich danach – ebenfalls kurz vor dem Ende der Hälfte – war für Cimen genauso „bitter“, wenngleich die Fuldaer nach dem eigenen Treffer zu sehr in „Passivität“ verfallen waren. Doch es hilft nichts, weiß auch der Coach: „Wir müssen das abschütteln und uns auf das nächste Spiel konzentrieren“.
Nach dem Abgang von Brian Campman, der noch keinen neuen Verein gefunden hat, war bekannt, dass Cian Banh von nun an herangeführt werden soll. Er schnupperte bereits im Frühjahr 2025 einmal pro Woche im Training des Regionalliga-Teams, verletzte sich dann am Saisonende in der U23 aber am Knie und verpasste die Vorbereitung auf die laufende Runde. „Er ist wieder im Vollbesitz seiner Kräfte und erstmal bis Winter bei uns. Wir wollen ihm helfen und sehen das Potenzial bei ihm“, sagt Cimen. Ohnehin hat der Coach personell aktuell die Qual der Wahl – Härtefälle wie Marvin Pourié, der in Kassel gar nicht spielte und am Sonntag zweimal für die U23 in Johannesberg traf, zeigen das: „Keiner lässt sich im Training hängen, die Jungs machen uns das extrem schwer“. Die Startelf, die Cimen nicht verändert hatte, habe es aber wie schon gegen Sandhausen „ordentlich“ gemacht.
Löwen freuen sich aufs Wiedersehen
Freude herrschte dagegen natürlich beim KSV: Trainer Rene Klingbeil, der von 2008 an zwei Jahre gemeinsam mit Cimen bei Erzgebirge Aue in der Dritten Liga spielte, lobte aber auch die Barockstadt auf der Pressekonferenz für „hervorragende“ Arbeit unter Cimen und sagte: „Es war ein brutal enges Spiel, und der Gegner hat uns in der ersten Halbzeit läuferisch alles abverlangt. Sie haben mutig gepresst“. Die zweite Halbzeit war aus seiner Sicht besser, doch gab Klingbeil auch zu, kurz vor Ende den Punkt schon mitnehmen zu wollen: „Es war ein Abnutzungskampf von beiden. Am Ende des Tages kann es auch anders laufen, aber den Lucky Punch nehmen wir natürlich gerne mit und freuen uns schon auf das Rückspiel“. Siegtorschütze Brill, der aus einer Verletzungszeit zurückkam und prompt zum Helden wurde, erzielte das erst achte Regionalliga-Tor in über 290 Spielen für Kassel. Und er lachte anschließend im Interview der sozialen Löwen-Kanäle: „Ich habe einfach spekuliert, da war natürlich ein bisschen Glück dabei. So ehrlich muss man sei, aber dann war er nicht mehr so schwer zu machen“. Er sprach von einem „dreckigen Sieg“, erneut nach einem Rückstand – mit Mentalität, die auch der Trainer den Löwen vorlebe.
