Lokales FD 09.10.2025

Kundschaft bestürzt – „Die Murmel“ in Fulda schließt zum Jahresende

Fulda (as) – Es war der Anlaufpunkt für nachhaltiges und pädagogisches Spielzeug – „Die Murmel“ in Fulda. Das „Fachgeschäft für gutes Holzspielzeug“ schließt nun nach 44 Jahren im Dezember. Die Entscheidung sei nicht leichtgefallen, berichtet Renate Grewing (75), die zusammen mit Doris Heil (74) den Laden führt. Als Gründe für den Entschluss nennt sie neben dem Alter auch wirtschaftliche Herausforderungen, etwa durch den Online-Handel.

Das Geschäft „Die Murmel“ schließt zum Jahresende. Foto: Christine Görlich

Das Geschäft „Die Murmel“ schließt zum Jahresende. Fotos: Christine Görlich

Das Geschäft „Die Murmel“ schließt zum Jahresende. Fotos: Christine Görlich

„Altersbedingt ist irgendwann die Luft raus“, erläutert die 75-Jährige im Gespräch. Hinzu käme die allgemein angespannte wirtschaftliche Lage. In den vergangenen Jahren seit Beginn der Corona-Pandemie sei der Online-Handel immer größer geworden. Das steht aber im Gegensatz zur Philosophie der beiden Geschäftsführerinnen, die auf fachgerechte und direkte Beratung vor Ort setzen. Da nun der Mietvertrag zum Jahresende abläuft, hätten sich die zwei Frauen nun die Entscheidung getroffen, aufzuhören: „Irgendwann ist halt Schluss.“

Die „Murmelfrauen“, wie sich Grewing und Heil selbst bezeichnen, hatten in den vergangenen Wochen bereits nach einer Nachfolge für den Laden in der Kanalstraße 37 gesucht. „Nach vier Jahrzehnten mit rollenden Murmeln, flauschigen Teddies, entgleisten Holzeisenbahnen und leuchtenden Kinderaugen, soll die Murmel in neue Hände übergeben werden – und zwar nicht an den Weihnachtsmann, sondern vielleicht an Dich“, hieß es auf der Internetseite der Murmel sowie auf einem Plakat im Geschäft. Es habe dazu auch einige Rückfragen gegeben, teilt Grewing mit. Ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin konnte bisher aber nicht gefunden werden. Generell sei das Geschäft mit einem Ausbau vom Online-Handel rentabel, schätzt sie: „Das trägt sich mit Sicherheit.“

Die Kundinnen und Kunden hatten in den vergangenen Wochen bereits sehr emotional auf den Abschied nach 44 Jahren reagiert, gibt die Geschäftsführerin an: „Eine große Bestürzung und Bedauern.“ Viele von ihnen seien langjährige Stammkunden, welche teilweise schon ihre Enkelkinder mit ins Geschäft bringen würden auf der Suche nach Holzspielzeug und Kuscheltieren. In den vergangenen Jahrzehnten war das Geschäft drei Mal umgezogen, dennoch hielten die Menschen den „Murmelfrauen“ die Treue. Grewing kann sich an unzählige schöne Momente und Gespräche erinnern mit Müttern, Vätern und Großeltern: „Man hat sich auch Sorgen und Nöte angehört.“

Kennengelernt haben sich die zwei Geschäftsführerinnen, weil sie früher Nachbarinnen gewesen sind. Als junge Mütter hätten sie in Fulda festgestellt, dass es keinen Laden für gutes und hochwertiges Holzspielzeug gebe – und ergriffen selbst die Initiative. Im Laden werden nur CE-geprüfte und kindgerecht verarbeitete Spielsachen verkauft. Nun endet nach vier Jahrzehnten eine Ära in der Domstadt.