Bereits im Jahr 1326 wurde der Krammarkt erstmals urkundlich erwähnt. Auch in diesem Jahr zog er wieder zahlreiche Händler und Besuchende auf den Linggplatz. Zwischen Gewürzen, Haushaltswaren und Trubel sollte für einige Stunden Volksfeststimmung in der Innenstadt herrschen. Doch nicht alle Beteiligten erlebten den Tag als Anlass zur Freude. Im Ristorante Michelangelo am Linggplatz dagegen war die Stimmung eher getrübt gewesen, wie die Verantwortlichen berichten. Direkt vor der Tür sei ein Marktstand aufgebaut worden, sodass der Zugang versperrt gewesen sei. Auch das Aufsteller-Schild mit der Tageskarte sei nicht mehr sichtbar gewesen.
Auf dem Instagram-Kanal des Restaurants äußerten sich die Betreiber enttäuscht: „Kein Durchkommen, kein Sichtfeld, nichts“, hieß es in dem Beitrag. Das Team arbeite das ganze Jahr, zahle Miete, Löhne und Steuern – und werde an einem umsatzstarken Wochentag einfach vom eigenen Geschäft abgeschnitten. In dem öffentlichen Statement betonte das Lokal, dass es nichts gegen Märkte und Veranstaltungen habe. Im Gegenteil: Man freue sich über Leben in der Innenstadt. Die Kritik richte sich vielmehr gegen mangelnde Rücksichtnahme und fehlende Kommunikation. „Ein Markt darf nicht auf Kosten derer stattfinden, die die Innenstadt das ganze Jahr über tragen“, so der Wortlaut im Beitrag.
Auf Anfrage der Osthessen-Zeitung äußerte sich Bürgermeisterin Anke Hofmann zur Situation. Sie verwies auf die lange Tradition des Lullusfestes und insbesondere des Krammarkts, der jedes Jahr am Mittwoch der Festwoche stattfindet. Dabei handle es sich um eine eintägige Veranstaltung, die seit vielen Jahren nach demselben Prinzip organisiert werde. Zuständig für die Platzierung der Stände seien die Fachbereiche Kultur, Tourismus, Stadtmarketing sowie Technische Verwaltung und Ordnungsdienste. Nach Angaben der Stadt wurden die Marktstände in den frühen Morgenstunden aufgebaut und sollten nach Veranstaltungsende wieder entfernt werden. Laut Bürgermeisterin befand sich die betreffende Fläche im städtischen Eigentum. Die Stadt achte grundsätzlich darauf, dass alle Zugänge zu Betrieben offenbleiben. Auch in diesem Fall sei dies nach Einschätzung der Verwaltung so gewesen.
Eine vorherige Einbeziehung oder individuelle Abstimmung mit Gewerbetreibenden habe es in diesem Fall nicht gegeben. „Weder in diesem noch in vergangenen Jahren ist ein Einzelhändler oder Gastronom an uns herangetreten mit der Bitte, einen Marktstand etwas anders zu platzieren“, heißt es von Seiten der Stadt. Konflikte dieser Art seien bislang nicht bekannt gewesen. Man sei jedoch offen für Gespräche mit den Betroffenen. Zu möglichen Entschädigungen oder Unterstützungen äußerte sich die Stadt zurückhaltend. Die Veranstaltung bringe jedes Jahr mehrere zehntausend Menschen in die Innenstadt – davon profitierten auch Gastronomiebetriebe. Allein am Montag seien rund 120.000 Besuchende gezählt worden, für das Wochenende rechne man erneut mit großem Andrang. Die Stadt gehe daher nicht davon aus, dass der Umsatz des betroffenen Lokals langfristig negativ beeinflusst werde. Gespräche mit dem betroffenen Betrieb seien möglich. Bislang habe es keine weiteren Beschwerden gegeben.
