Fußball 07.10.2025

Kreisoberliga Nord - 0:11, 8:3 und 7:5: Nicht nur Wetter spielt verrückt

Osthessen (pf) – Am langen Wochenende in der Fußball-Kreisoberliga Nord rund um den Einheitstag war den Zuschauern richtig was geboten – viel Kampf bei Wind und Wetter, aber in erster Linie Tore, Tore und nochmal Tore. In Spielen des VfL Philippsthal fiel alle acht Minuten ein Treffer, der SV Wölf lieferte eine Bewerbung für das Comeback des Jahres.

Der VfL Philippsthal allein hätte wohl die Zuschauer aller Spiele am vergangenen Wochenende unterhalten können. Fotos: Pascal Fischer

Der SV Wölf um Coach Marko Madzar (Zweiter von links) erlebte ein völlig verrücktes Spiel gegen Steinbach II.

Der VfL Philippsthal war nach seinem erfolgreichen Oktoberfest vor wenigen Wochen und dem 2:0 gegen Friedewald/Ausbach eigentlich in ruhigen Fahrwassern, doch dann kam die Sturmflut: 3:7 verlor der Aufsteiger beim SV Steinbach II, kassierte wenige Tage später dann eine 0:11-Klatsche bei der SG Praforst, und schaffte nun wieder wie Wende – nicht weniger spektakulär mit einem 8:3-Sieg gegen Gudegrund nach frühem Rückstand.

Trainer Markus Ruppel ist selbst etwas überfordert, diese Leistungen einzuordnen, und gibt an, „dass ich sowas – ganz ehrlich – noch nie erlebt habe. Besonders meint er das 0:11 in Rückers, wo es der Gegner natürlich gut gemacht habe, aber Philippsthal sich auch mindestens fünf Dinger selbst hinten reingelegt hat: „Natürlich haben wichtige Leute gefehlt, auch in Steinbach schon. Aber bei solchen Ergebnissen wäre das eine billige Ausrede. Das war ein kompletter Verfall, und das hat mir das ganze Wochenende Kopfschmerzen bereitet“. Doch Ruppel fordert von seinen Jungs immer wieder, nach Spielen, in denen Lehrgeld bezahlt wird, eine Reaktion: „Du darfst solche Spiele haben wie gegen Großentaft oder Dittlofrod – wichtig ist aber, dass du regelmäßig punktest und dich nicht irgendwann fragen musst, warum du unten drin stehst“. Das beherzigte der VfL und zeigte beim 8:3 gegen Gudegrund eine starke Reaktion: „Man verlernt ja nicht das Fußballspielen in zwei Wochen, sondern da waren wir auf der mentalen Ebene unterwegs. Wir haben uns daran erinnert, was wir können und auch anderthalb Jahre gut gemacht haben. Die Jungs haben diesen Plan fokussiert durchgezogen“, lobt Ruppel. Ob Lehrgeld oder nicht, wäre dem Trainer natürlich dennoch ein 1:0 oder 2:1 mal wieder lieber – doch der VfL scheint aktuell eine Wundertüte. Ob damit eine Überraschung am Sonntag in Bebra möglich ist? „Wir wollen sie auf jeden Fall ärgern“, so Ruppel.

Vier Wechsel in der Halbzeitpause, sieben Tore danach

Der SV Wölf schien die Zuschauer ebenfalls unterhalten zu wollen, das spektakuläre 7:5 gegen Steinbach II am Sonntag sei aber für das Team selbst noch nervenaufreibender gewesen, als für die Fans, schätzt Coach Marko Madzar: 0:4 lagen die Wölfe hinten, das Tor von Bastian Wiegand kurz vor dem Pausenpfiff war erstmal nur Kosmetik. Madzar griff durch und wechselte zur Pause gleich viermal: „Die Defensive hatte leider nicht ihren besten Tag. Wir mussten etwas tun“. Und das fruchtete: Mit Bock, Hahner, Kraus und Herber im Spiel bekam auch die Offensive einen Schub, ein Rädchen griff ins andere und der SVW schoss vier Tore in 13 Minuten. Zwischenzeitlich hatte Steinbach sogar noch zum 3:5 zurückgeschlagen, doch auch das warf die Hausherren nicht aus der Bahn: „Nach zwei, drei Toren waren wir voll da und wussten, dass was geht“, so der Coach, der selbst das 5:5 nach einem langen Ball erzielte. „Da war eigentlich jedem am Sportplatz klar, dass wir in den letzten 20 Minuten noch gewinnen“. Steinbach hatte ein Freitagsspiel in den Knochen, der SVW war ausgeruht: Madzar selbst traf dann zu ersten Führung am Nachmittag, und Marko Curic setzte in der Nachspielzeit den Schlusspunkt ins leere Tor. Für das anstehende Oktoberfest gegen Gudegrund wünscht sich der Trainer nun lieber einen Zu-Null-Sieg, doch das wilde Spiel – zu dem auch starker Wind und Nieselregen beigetragen hatten – hinterließ seine Spuren: „Mir tut es auch leid für die anderen Jungs, aber da müssen wir selbstkritisch sein. Jeder gibt Gas und wir müssen wissen, dass es ohne Ehrgeiz und Laufbereitschaft nicht geht. Nicht in der A-Liga, und erst recht nicht in der KOL“.

Wie verrückt die Liga spielt, zeigten aber nicht nur die torreichen Ergebnisse: Praforst verlor nach dem Kantersieg wenige Tage zuvor am Sonntag mit 0:1 gegen Friedewald/Ausbach – den Gewinner des Spieltags im Tabellenkeller. Dort kommt Bewegung rein, denn auch Kiebitzgrund/Rothenkirchen ließ mit dem 2:2 gegen Spitzenreiter Dittlofrod/Körnbach (nach 0:2-Rückstand) aufhorchen.