Nicht allein seine Sologesänge rissen auf aufgrund ihrer sprachlichen Brillanz und musikalischen Virtuosität mit, die Zuhörer stimmten ganz von selbst in etliche „Ohrwürmer“ wie „Gott lädt uns ein zu seinem Fest“ oder „Gut, dass wir einander haben“ begeistert mit ein oder ließen sich vom „Reinhard Mey der christlichen Szene“ animieren, auch neuere Titel mitzusingen. Mühelos gelang es dem Künstler mit seiner persönlichen Ausstrahlung, die räumliche Distanz zu den Besuchern zu überwinden. Auch ein beim Spielen gerissener Fingernagel, ein verstimmtes Instrument (worüber bloß?) und die etwas „angekratzte“ Stimme taten dem Genuss des Konzertes keinen Abbruch.
Und als Siebald dann zu seiner „Township“-Gitarre (aus Benzinkanistern und ähnlichen Materialien gebautes Instrument aus Südafrika) den Song „Deine Träume müssen warten, Jeremy“ zu Gehör brachte, der vom Elend eines Jugendlichen handelt, blieb kaum ein Auge mehr trocken.
Eine Kurzgeschichte aus seinen literarischen Werken ließ dazwischen seinen köstlichen Humor aufblitzen, indem er launig empfahl, doch „Nasenfahrräder“ aller Art tunlichst nicht auf der Sitzfläche eines Sessels zu „parken“.
Zu seinem Lied „Gelobt sei Gott für halbe Sachen“ nahm der Dichter passenderweise seine Mini-Gitarre zur Hand und suchte in allen Beiträgen ganz alltägliche Begebenheiten und (allzu)menschliche Eigenheiten auf, um sie im Licht des Evangeliums von Jesus Christus zu betrachten und liebevoll zurecht zu rücken. Sehr berührend war gegen Ende des Konzertes ein Song, den er für seine inzwischen verstorbene Mutter geschrieben hatte („Deine letzten Schritte“), mit der er auf dem Weg zur Nachtruhe noch einen Tanz aufführte („Du tanzt mit mir“). Mit der unumgänglichen Zugabe „Geh unter der Gnade“ wurden die zahlreichen Kirchenbesucher in einen hoffnungsfrohen Herbstabend entlassen und werden diesen heilsamen Abend lange nachklingen hören.
