Mit den festlichen Klängen der Musikvereine aus Hosenfeld und Blankenau begann die 30. Sitzung der Gemeindevertretung, die diesmal alles andere als Routine war. Die Vorsitzende Michaela Alt eröffnete: „Ich habe wirklich noch nie eine Sitzung erlebt, bei der so viele Leute anwesend waren.“ Zahlreiche Ehrengäste waren gekommen, darunter Bundestagsabgeordneter Michael Brand, Landtagsabgeordneter Sebastian Müller, Landrat Bernd Woide, Neuhofs Bürgermeister Heiko Stolz als Vertreter der Kreisversammlung, Erster Kreisbeigeordneter Frederik Schmitt sowie Vertreter von Feuerwehr, Kirchen und Vereinen. Für ein heiteres Zwischenspiel sorgte Sebastian Müller selbst, als er gebeten wurde, sein Auto wegzufahren – das Ausrufen seines Kennzeichens sorgte für herzhaftes Gelächter im Saal.
Nach der Eröffnung folgte der wichtigste Moment des Abends: die Amtseinführung und Vereidigung von Frederik Hohnstein. Der 41-Jährige, der ursprünglich aus Heidelbach stammt und seit sechs Jahren in Hosenfeld lebt, wurde am 25. Mai 2025 mit 59,6 Prozent der Stimmen zum neuen Bürgermeister gewählt. „Dass Sie die Mehrheit der Stimmen gewinnen konnten, darauf dürfen Sie stolz sein“, sagte Michaela Alt in ihrer Rede. Sie wünschte dem neuen Rathauschef „Standfestigkeit, Leidenschaft und Orientierung am Gemeinwohl“.
Im Anschluss erhielt Hohnstein seine Ernennungsurkunde, legte den Amtseid ab und schwor, „die Verfassung des Landes Hessen sowie alle in Hessen geltenden Gesetze zu wahren und die Pflichten gewissenhaft und unparteiisch zu erfüllen“. Als kleine symbolische Begleitung überreichte Malolepszy ihm neben einem Transponder-Schlüssel und Alt nachfolgend auch ein Exemplar der Hessischen Gemeindeordnung sowie das Buch „Startschuss Bürgermeisteramt – Praxisleitfaden für die ersten 99 Tage“. Mit einem Augenzwinkern richtete sie Worte an Hohnsteins Ehefrau Franziska: „Du wirst gebraucht – manchmal mehr als der Bürgermeister selbst.“
In seiner ersten Rede dankte Frederik Hohnstein (FWG) den Bürgern für das Vertrauen. Er versprach, seine Arbeit „mit großer Demut, Respekt und Verantwortungsbewusstsein“ anzugehen. Die wirtschaftliche Lage sei schwierig, so Hohnstein, und verlange „einen sorgsamen Umgang mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen“. „Kommunalpolitik bietet jedem die Möglichkeit, aktiv am Gemeindeleben mitzuwirken“, betonte er. „Ich lade alle Bürger ein, ihre Ideen und Kritik einzubringen.“ Zum Abschluss seiner Rede griff er zu einem Vergleich aus seiner Leidenschaft, der Jagd: „Nicht jeder Ansitz bringt den erhofften Erfolg. Aber wer mit Geduld, Ruhe und Ausdauer vorgeht, wird langfristig belohnt.“
Nach dem Blick in die Zukunft wurde es emotional: Peter Malolepszy, der zwölf Jahre lang an der Spitze der Gemeinde stand, verabschiedete sich aus dem Amt. Erster Beigeordneter Hubert Kasseckert würdigte in seiner Laudatio die Verdienste des langjährigen Bürgermeisters: „Die Gemeinde Hosenfeld und ihre Bürger sind Dir zu großem Dank verpflichtet.“ Malolepszy habe die Gemeinde in den vergangenen Jahren entscheidend geprägt – mit Weitsicht, Pragmatismus und einem offenen Ohr für die Menschen. Zu den großen Projekten seiner Amtszeit zählten der Neubau des Rathauses, Investitionen in Feuerwehr und Infrastruktur, der Erhalt des Schwimmbads sowie die Entwicklung neuer Baugebiete.
In seiner letzten Rede blickte Malolepszy auf die Zeit zurück: „Ich kenne keinen Beruf, der so interessant, vielschichtig, fordernd und beglückend ist wie das des Bürgermeisters“, sagte er sichtlich bewegt. Zum Schluss fügte er hinzu: „Ich war gerne euer Bürgermeister. Vielen Dank!“ Der ganze Saal erhob sich – minutenlanger Applaus, stehende Ovationen.
In den anschließenden Grußworten kamen Weggefährten und Kolleginnen zu Wort. Landrat Bernd Woide erinnerte an die Bedeutung der kommunalen Selbstverwaltung: „In Gemeinden muss das Recht gewährleistet sein, die eigenen Angelegenheiten in eigener Verantwortung zu regeln.“ Thomas Koch würdigte im Namen der Gemeindevertretung Malolepszys Fähigkeit, Fraktionen zusammenzuführen. Heiko Stolz gab Hohnstein mit auf den Weg: „Du brauchst Beharrlichkeit, Durchhaltevermögen – und Nächstenliebe.“ Großenlüders Bürgermeister Fritzsch lobte Malolepszys Einsatz für Feuerwehr und Ortsentwicklung, während Hermann Dentel für alle Ortsvorsteher mit einem Augenzwinkern feststellte: „Der Bürgermeister sagt nun Tschüss, weil er ab Samstag nicht mehr regieren muss.“ Zum Abschied überreichten die Fraktionen und Kollegen symbolische Geschenke – vom Fluggutschein und einem Kartoffelschäler über einen Hightech-Grill bis hin zur Ruhebank mit Wein – als Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung.
Zum Ausklang spielten noch einmal die Musikvereine aus Hosenfeld und Blankenau, begleitet vom Gesangverein. Danach lud die Gemeinde zum gemütlichen Beisammensein ein – bei Imbiss, Getränken und vielen Gesprächen. Zwischen Wehmut, Dankbarkeit und Vorfreude klang der Abend aus – mit dem Gefühl, dass Hosenfeld an diesem Abend nicht nur einen neuen Bürgermeister gewonnen, sondern auch seinem scheidenden eine herzliche Verneigung geschenkt hatte.
