Tischtennis 20.10.2025

Gold in Zadar – DTTB-Damen schaffen EM-Hattrick

Zadar (pm/sim) – Die deutschen Damen sind zum insgesamt zehnten Mal Europameisterinnen und zum dritten Mal in Folge seit 2021. Bei der Team-EM im kroatischen Zadar bezwangen Sabine Winter, Annett Kaufmann und Nina Mittelham ihren Dauerrivalen Rumänien mit 3:0 und konnten damit den Titel von vor zwei Jahren verteidigen - erneut ohne auch nur ein Einzel im gesamten Turnier zu verlieren.

Symbolfoto: Christine Görlich

Im Auftaktmatch legte die 19-jährige Annett Kaufmann los wie die Feuerwehr und verbuchte direkt den ersten Satzgewinn mit 11:4 gegen Rumäniens Nummer eins Bernadette Szöcs. Das war schon etwas überraschend, denn Kaufmann hatte in den bis dato einzigen zwei internationalen Begegnungen noch keinen Satz gegen Szöcs gewinnen können - zuletzt unterlag sie 0:4 bei der EM in Linz im letzten Jahr. "Ich bin nicht selbstbewusst in die Box gegangen, was das Spielverhältnis zwischen ihr und mir betrifft. Aber ich habe mir gedacht: Ich habe nichts zu verlieren. Und auf einmal stand es im ersten Satz 9:3. Da habe ich die Confidence gespürt und mir gedacht, ich nehme mir das Spiel mit", so Kaufmann im Anschluss. Doch die Nummer 16 der Welt aus Rumänien fand im zweiten Satz besser ins Spiel, spielte sich einen 10:6-Vorsprung heraus, den Kaufmann zwar noch egalisieren konnte, um dann aber doch noch 12:10 zu gewinnen. In Durchgang drei startete wiederum die Deutsche stark, erspielte sich ein 3:0 und 8:1 und schließlich mit einem 11:8 die Satzführung. Doch auch diese glich Szöcs aus, verschlief dann aber im Entscheidungssatz den Start komplett und wechselte mit 0:5-Punkten die Seiten. Den Vorsprung brachte Kaufmann spiel- und nervenstark ins Ziel zur vielumjubelten Führung für das deutsche Team.

Winter mit spektakulärer Aufholjagd zum Sieg / Mittelham vergoldet wie in Malmö gegen Dragoman

Im Anschluss zeigte Sabine Winter ein mal mehr ihre neue Stärke und ihr Selbstbewusstsein. Gegen die Europameisterin aus dem Jahr 2015 Elizabeta Samara gewann sie die ersten beiden Sätze, dann aber schien das Spiel zu kippen. Samara holte den dritten Durchgang und führte im vierten bereits mit 7:4-Punkten. Doch dann zündete die Bayerin den Turbo und gewann sieben Ballwechsel in Folge zum 3:1-Sieg.  Im dritten Match dürften einige Fans ein Deja Vu aus dem Jahr 2023 erlebt haben. Denn wie schon in Malmö standen sich Nina Mittelham und Andreea Dragoman gegenüber. In Schweden konnte sich Mittelham nach Abwehr von Matchbällen hauchdünn in der Verlängerung des Entscheidungssatz durchsetzen, und auch dieses Mal entwickelte sich sofort ein enges Match. Den ersten Satz entschied Mittelham, die erst in der K.O.-Runde nach einer Erkältung für Yuan Wan ins Team rutschte, mit 14:12 für sich - genauso wie den zweiten mit 11:8. Die Nummer 86 der Welt Dragomaan schaffte zwar noch den Anschluss zum 1:2 - aber Mittelham vergoldete im vierten Satz eine herausragende Teamleistung der Deutschen zum erneuten Europameistertitel. Nach dem Matchball fiel Mittelham ein Stein vom Herzen: "Am Ende hat sich gezeigt: Wenn es wirklich wichtig ist und die Gegner besser sind, fange auch ich an, besser zu spielen. Darüber bin ich sehr froh. Ich bin auch froh darüber, dass mir die beiden einen 2:0-Vorsprung mitgegeben haben. Das hat die Sache ein bisschen einfacher gemacht." Viel Lob der Vize-Europameisterin aus dem Jahr 2022 für ihre Mannschaftskolleginnen: "Annett hat unfassbar gut gespielt, hatte vorher noch nie gegen Szöcs gewonnen. Gegen Bernie in einem großen Finale zu spielen, ist nie einfach. Sie fuchst sich da immer irgendwie rein. Sabine hat so solide gegen Samara gespielt, wie ich mir das vorgestellt hatte."

Historischer Titel für DTTB-Damen

Es war das zehnte Gold und damit haben Sabine Winter, Annett Kaufmann, Nina Mittelham, Yuan Wan, Mia Griesel und das Trainer-Duo Tamara Boros und Zoltan Bartofi etwas Historisches geschafft: Sie stehen nun allein an der Spitze auf der ewigen Bestenliste, gefolgt von Ungarn, das zwischen 1960 und 2007 neun Mal ganz oben auf dem Treppchen stand. Für Deutschland war es der zehnte Sieg im 16. Endspiel. Die Rumäninnen waren mit Ausnahme von 2014 seit 2010 in jedem EM-Endspiel vertreten, gewannen insgesamt fünf Mal und müssen sich nun wie 2023 und 2021 hinter den Deutschen mit Silber begnügen.  Zum Erfolg mit Gold bei den Damen und Bronze bei den Herren in Zadar trug auch das medizinische Team entscheidend bei: Mannschaftsarzt Dr. Antonius Kass sowie das Physiotherapeutinnen-Duo Annette Zischka und Birgit Schmidt vom Olympiastützpunkt Hessen sorgten mit unermüdlichem Einsatz, Fachwissen und Teamgeist dafür, dass die Spielerinnen und Spieler in Topform an den Tisch gehen konnten. Sabine Winter hingegen spielte ihre Rolle als Führungsspielerin etwas herunter:  "Insgesamt musste ich die Mannschaft nicht viel führen, wir haben ja kein Match verloren. Ab und man mal etwas gut zugeredet, aber es gab hier auch keine klare Führungsspielerin. Wir waren einfach ein Team.“ Ein Team das viel Spaß hatte und sicher heute auch eine gute Zeit haben wird: "Wir werden heute auch noch ordentlich Spaß haben, etwas feiern, das Turnier Revue passieren lassen und uns in den Armen liegen“, so Winter.

Deutschland - Rumänien 3:0

Annett Kaufmann - Bernadette Szöcs 3:2 (4,-10,8,-6,5)

Sabine Winter - Elizabeta Samara 3:1 (5,8,-8,7)

Nina Mittelham - Andreea Dragoman 3:1 (12,8,-8,5)