Die Unternehmensleitung hatte eingeladen – zu einem Umtrunk mit Essen, Getränken und Erinnerungen. Bei spätsommerlichem Wetter kam die Belegschaft ein letztes Mal zusammen. Was entstand, war ein bewegender Moment des Rückblicks, der Dankbarkeit und der Trauer.
Die Stimmung schwankte zwischen Wehmut und Stolz. Viele erinnerten sich an ihre ersten Jahre im Betrieb, an Zusammenhalt, Kollegialität und die Bedeutung des Werks für die Stadt. Manche blickten auf zehn, zwanzig, dreißig oder sogar 42 Jahre im Unternehmen zurück. Der Abschied bedeutete für sie nicht nur das Ende eines Arbeitsplatzes, sondern auch den Verlust eines Stücks Leben. „Das war unser Leben“, sagte ein langjähriger Mitarbeiter. Ein anderer sprach von einem „Brecher“ – nicht nur für ihn selbst, sondern für die ganze Region. „Über 1000 Arbeitsplätze gehen verloren, das merkt die Stadt noch. Das ist leider einfach großer Mist.“
Besonders emotional wurde es, als Werkleiter Klaus Dorst seine Abschiedsworte sprach. Sichtlich bewegt, mit Tränen in den Augen, dankte er den Mitarbeitenden für ihre Loyalität und das große Engagement bis zum Schluss. „Dass ein Team funktioniert, obwohl alle gekündigt sind, zeigt, welche Einstellung die Leute zur Arbeit haben“, sagte er. Die versammelten Gäste quittierten seine Worte mit langem Applaus. Auch viele von ihnen kämpften mit den Tränen. Der Stolz auf das Geleistete war spürbar – ebenso wie die Erschütterung über das Ende.
Die Sorge um die Zukunft war in vielen Gesprächen deutlich zu hören, gerade bei älteren Beschäftigten. „Mit über 50 noch was zu finden, fällt nicht jedem leicht“, meinte ein Kollege. Manche denken über den Übergang in die Rente nach, andere suchen bereits nach neuen Wegen – der Ausgang ist offen, der Weg ungewiss. Auch die Entwicklung der letzten Jahre wurde kritisch gesehen: der Rückgang erfahrener Fachkräfte, die Zunahme von Zeitarbeit, stagnierende Löhne. „2019 ging das los, da hast du schon gemerkt, wohin es geht“, sagte ein Mitarbeiter.
Trotz aller Sorgen blieb ein gemeinsames Gefühl: Stolz auf das, was gemeinsam geschafft wurde. Zusammenhalt bis zum Schluss. Ein gelebtes Miteinander, das vielen weit über das Werk hinaus in Erinnerung bleiben wird. „Ein ganz herzliches Danke an euch alle – für eure Treue, euer Engagement. Die Erinnerung an euch und diese Zeit kann mir keiner nehmen“, sagte Dorst zum Schluss. Und viele nickten – leise, bewegt, verbunden. Die Veranstaltung wurde von vielen als „freudige Trauerfeier“ beschrieben – ein Moment des Innehaltens, an dem sich Traurigkeit und tiefe Dankbarkeit die Hand reichten.
