Lokales FD 03.10.2025

Festakt auf Point Alpha – Rhein: Freiheit braucht Mut und Haltung

Rasdorf (pn/pm) – Freiheit und Einheit sind keine Selbstverständlichkeit: Dabei waren sich alle Rednerinnen und Redner im ehemaligen US-Camp von Point Alpha einig. Mit einer Kranzniederlegung und dem Festakt waren am Donnerstag die Feierlichkeiten zum 35. Tag der Deutschen Einheit und dem 30-jährigen Jubiläum der Gedenkstätte gestartet, die am Freitag mit einem Familientag und bunten Programm fortgesetzt werden (update 21.30 Uhr).

Landrat Bernd Woide (zweiter von links) und Boris Rhein (zweiter von rechts) bei der Kranzniederlegung mit weiteren politischen Vertretern. Fotos: Justin Klenner

Zahlreiche politische Gäste aus Hessen und Thüringen sind dazu im ehemaligen US-Camp zusammengekommen, darunter Minister a.D. Rainer Eppelmann und Hessens Ministerpräsident Boris Rhein. Eppelmann, eines der bekanntesten Gesichter der Oppositionsbewegung in der DDR und des turbulenten Revolutionsherbstes übernahm die Festrede. Als Minister für Verteidigung und Abrüstung in der letzten DDR-Regierung löste er die Nationale Volksarmee auf und ist bis heute als Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur tätig. „Nur die 17 Millionen Menschen die tatsächlich in der DDR gelebt haben, wissen, wie es sich in einer Diktatur tatsächlich täglich lebt, während Demokratie heutzutage oft selbstverständlich erscheint“: So nahm Eppelmann die Anwesenden mit auf eine Reise durch die Geschichte von der Trennung nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur Wiedervereinigung 1990. Bei Erzählungen der unterschiedlichen Lebensverhältnisse in den zwei deutschen Staaten ging er vor allem auf die omnipräsente Angst ein, die das Leben in der DDR stets prägte. „Diktatur oder Demokratie: kein Unterschied?“, wiederholte Eppelmann dabei stets.

Der hessische Ministerpräsident Rhein hat zum Jahrestag der Deutschen Einheit den „mutigen und entschlossenen Menschen“ gedankt, die 1989 für Freiheit und Demokratie auf die Straße gegangen sind. Mit der Revolution in der DDR sei ein Unrechtsstaat überwunden und der Weg für ein geeintes Deutschland geebnet worden, sagte der Regierungschef beim Festakt der Point Alpha Stiftung: „Die Wiedervereinigung ist das gemeinsame Erbe von Ost und West. Doch wir dürfen den hohen Preis dieser Einheit nicht vergessen“, sagte der Ministerpräsident und ergänzte: „Der Tag der Deutschen Einheit führt uns vor Augen, welche Folgen es hat, wenn ein Land geteilt und Menschen unterdrückt werden. Freiheit ist nicht selbstverständlich. Sie muss errungen und immer wieder verteidigt werden.“ In Zeiten, in denen Europa und die NATO mit Russlands Aggression konfrontiert seien, werde deutlich, wie zerbrechlich Freiheit sei, sagte Rhein. „Freiheit braucht Mut und Haltung. Am Point Alpha, am heißesten Punkt im Kalten Krieg, verlief jahrzehntelang die Grenze. Eine Grenze zwischen Demokratie und Diktatur“, sagte der Regierungschef und verwies auf die Bedeutung eines starken und geeinten Europas.

Die stellvertretende Ministerpräsidentin und Finanzministerin des Freistaats Thüringen Katja Wolf berichtete von ihren persönlichen Erlebnissen bei Besuchen von Point Alpha, die sie stets als „Gänsehautmomente“ empfunden habe. Durch ihr Aufwachsen in einer Familie, die durch die deutsche Teilung getrennt wurde, schätze sie das Privileg des unbeschwerten Fahrens über die Grenze weiterhin. „Hier oben bekommt man einen Eindruck, wie real und absurd der Kalte Krieg war. Ich hoffe, dass kommende Generationen diesen Ort für eindrückliche und emotionale Lernerfahrungen nutzen.“ Zudem weitete sie ihren Dank an die ausländischen Akteure, die für die Wiedervereinigung essenziell gewesen seien, aus. „Das wir heute ohne russische Vertreter feiern müssen ist ein Scheitern von Politik und von Diplomatie“, betonte sie.

Dr. Stefan Heck, Stiftungsratsvositzender der Point Alpha Stiftung entschuldigte die amerikanischen Vertreter, die wegen des Government Shutdowns in den USA ihre Reise absagen mussten. Zudem dankte er allen engagierten Menschen und Organisatoren, die sich eingebracht und den Projekten ihrer Zeit und Energie und Ideen geschenkt haben. Denn es sei wichtig, die Geschichte der deutschen Teilung zu erzählen, zur Diskussion zu stellen und die Erinnerung an die Überwindung lebendig zu halten. Heck stellte die Bedeutung der Deutschen Einheit heraus: „Die Deutsche Einheit war ein epochales Ereignis. Sie brachte nicht nur politische Einheit, sondern auch die Aussicht auf wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen mit sich.“ So stehe der Nationalfeiertag für einen großen Sieg von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und sozialer Marktwirtschaft.

Das Schlusswort wurde von Benedikt Stock, Geschäftsführender Vorstand der Point Alpha Stiftung, gehalten. Dabei stellte er den Mut der damaligen Bevölkerung hervor, mit der sie sich für ein Leben in Freistand und Wohlstand eingesetzt hätte sowie den Mut der Verantwortungsträger der Wiedervereinigung in der Politik. Von diesem Mut, der Verantwortung und der Zuversicht könnte die Gesellschaft heute viel lernen. „So bin ich mir sicher, werden wir nicht nur einer guten Zukunft entgegengehen, sondern auch als Gesellschaft wieder mehr zusammenrücken und die politischen Kräfte von den Rändern werden auf lange Sicht an Zulauf verlieren.“ So fasste er zum Abschluss die ständige Aufgabe der Point Alpha Stiftung zusammen: „Die damalige Zeit mit all ihren Seiten aufzuarbeiten und den nachkommenden Generationen zu vermitteln.“

Mit der Kranzniederlegung am Denkmal der Deutschen Teilung und Wiedervereinigung wurde die Veranstaltung begonnen. Diese fand unter Mitwirkung der Kyffhäuser- und Reservistenkameradschaft Grüsselbach sowie der Soldatenkameradschaft 1888 Fulda statt. Mit Gestecken gedachten die Landtage und Staatskanzleien von Thüringen und Hessen sowie der Wartburgkreis und der Landkreis Fulda den Grenzopfern sowie den Opfern der Friedlichen Revolution. Zuvor trugen sich die Ehrengäste in die Goldenen Bücher der Point Alpha Stiftung, der Stadt Geisa sowie der Point-Alpha-Gemeinde Rasdorf ein.

Musikalisch begleitet wurde das Programm von dem Jugendblasorchester WAK unter der Leitung von Christoph Pimpl, welches sowohl mit abwechslungsreichen Stücken als auch mit dem Spielen der amerikanischen und deutschen Nationalhymnen einen eindrucksvollen Rahmen um das Programm kreierte.

Festakt zum Tag der Deutschen Einheit auf Point Alpha. Fotos: Justin Klenner