Die Einführung des Detektionssystems bei der Bioabfallsammlung bezeichnet Claus Dieter Blachnik, Fachdienstleiter der Abfallwirtschaft beim Landkreis Fulda, als einen vollen Erfolg. „Die Qualität unseres Bioabfalls hat sich seitdem sehr deutlich verbessert. Mit der richtigen Mülltrennung leisten wir alle gemeinsam einen wichtigen Beitrag für unsere Umwelt“, erklärt er. Blachnik hebt hervor: „Die allermeisten Bürgerinnen und Bürger im Landkreis Fulda sortieren ihren Bioabfall vorbildlich und haben noch nie eine Rote Karten erhalten.“ In der Einführungsphase seien noch bis zu fünf Prozent der Tonnen falsch und mit Fremdstoffen befüllt gewesen. „Heute werden von den 39.500 Bio-Tonnen im Landkreis Fulda vom Detektionssystem pro Woche durchschnittlich nur noch 60 falsch befüllte Gefäße erkannt. Das entspricht einer Quote von weniger als 0,2 Prozent“, stellt er fest.
Bei den Verstößen, wenn die Bio-Tonnen eine Rote Karte erhalten, handele es sich in vielen Fällen um eine unbeabsichtigte Fehlbefüllung, gibt der Fachdienstleiter an: „Daran sind häufig Messer oder Löffel schuld, die versehentlich mit den Küchenabfällen in der Bio-Tonne landen – oder Draht und künstliche Bestandteile in Blumensträußen.“ Hinzu kämen ebenfalls ungewollt mit dem Laub oder Heckenschnitt entsorgte Gartengeräte oder darin verborgene Kronkorken, weshalb eine Leerung verhindert werde. Blachnik verweist außerdem auf einen häufigen Fehler hin, der vielen nicht bewusst sei: „Auch die als kompostierbar deklarierten Bio-Tüten, die wie Plastikbeutel aussehen, dürfen im Landkreis Fulda nicht in die Bio-Tonne, da sie sich während des Kompostierungsprozesses nicht vollständig zersetzen.“ Dies führe dazu, dass der Kompost durch sichtbare Verunreinigungen bei der Qualitätsprüfung durchfalle. Als empfohlene Alternative nennt er Papiertüten oder Zeitungspapier.
Zu Beginn der verschärften Kontrolle hatte es teilweise Beleidigungen und sogar Angriffe auf Müllwerker gegeben, wenn diese eine Bio-Tonne nicht geleert hatten. Wie der Fachdienstleiter mitteilt, gebe es mittlerweile nur wenige Beanstandungen und im Großen und Ganzen funktioniere das Miteinander gut. „Betroffene, deren Tonnen aufgrund von Fehlbefüllungen nicht geleert werden, sind nicht erfreut darüber, kümmern sich meist aber direkt darum und tragen es mit Fassung“, gibt er an. Lediglich in Einzelfällen komme es zu emotionalen Überreaktionen.
In den Biomüll gehören laut den Vorgaben das Landkreises Fulda kompostierbare Abfälle aus dem Garten, beispielsweise Rasenschnitt und Laub, Baum-, Strauch- und Heckenschnitt, Blumen und Zierpflanzen sowie Schnitt- und Topfblumen. Hinzu kommen kompostierbare Abfälle aus der Küche, wie etwa Obst-, Gemüse- und Salatreste, Kaffeesatz und Filtertüten, Teesatz und -beutel, Speise und Lebensmittelreste, altes Brot, Kartoffel-, Eier und Nussschalen sowie benutztes Küchenpapier. Anders sieht es bei Blumenerde aus. Wie Blachnik erläutert, sei für die reine Kompostierung von Bioabfällen die Erde kein Problem und sogar willkommen. Grund für die Regelung sei die weitere Verarbeitung: „Da die Bioabfälle aus dem Landkreis Fulda aber vor der Kompostierung zunächst vergoren werden, um so zusätzlich noch Bio-Erdgas erzeugen zu können, bereiten Blumenerde sowie andere mineralische Abfälle wie Kies und Steine in den Vergärungsmodulen extreme Probleme und verursachen hohe Schäden.“ Er rät daher dazu, Blumenerde deshalb direkt im Garten wiederzuverwenden.
Die Bioabfälle im Landkreis werden seit 2013 mit einem innovativen Verfahren „besonders hochwertig und effizient verwertet“, so der Fachdienstleister: „Am Finkenberg in Kleinlüder hat die Biothan GmbH, ein Tochterunternehmen der RhönEnergie Fulda GmbH, dazu eine mehrstufige Bioerdgas-Anlage gebaut.“ Beim Prozess werden pro Jahr in einer ersten Anlagenstufe 11.000 Tonnen Gülle und 21.000 Tonnen Lebensmittelabfälle vergoren, bei der der zweiten Stufe sind es rund 30.000 Tonnen aus der Bio-Tonne sowie organische Gewerbeabfälle. „Bei der Vergärung entsteht unter Luftabschluss mit Hilfe von Mikroorganismen Biogas. In der Biothan-Anlage wird das Biogas in einem besonderen Verfahren zu Bio-Erdgas veredelt“, beschreibt Blachnik. Das Ergebnis seien rund 47 Millionen Kilowattstunden durch Bio-Erdgas, welche in das Netz der RhönEnergie Osthessen eingespeist werden. Das entspreche rechnerisch etwa dem Verbrauch von 2400 Vier-Personen-Haushalten. „Die verbleibenden Gärreste fließen als geruchsarmer Flüssigdünger in die Landwirtschaft, so dass auch die Nährstoffe dem Naturkreislauf erhalten bleiben“, schildert der Fachdienstleiter. Feste Gärreste aus der Trockenvergärung kämen dagegen nach einer Kompostierung als Kompost in der Landwirtschaft oder im Garten-/Landschaftsbau zum Einsatz.
Zu den Gründen, wieso Blumenerde in diesem Prozess ein Störfaktor sein kann, merkt Blachnik an: „In den Vergärungsmodulen verwandeln sich die Bioabfälle in einen flüssigen Brei, der in den Anlagenteile bewegt werden muss (gerührt, gepresst, gepumpt).“ Erde und Steine würden sich dabei absetzen, Leitungen verstopfen und zu einer aufwendigen Reinigung von Pumpen und Ventilen führen: „Zudem verursachen sie hohen Abrieb an den Anlagegenteilen und beschädigten so die gesamte Anlagentechnik.“
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