Hochschulpräsident Prof. Dr. Karim Khakzar sprach von einer herausragenden Förderung, die die Hochschule Fulda erneut durch die „kompetitive Ausschreibung“ der Forschungsimpulse der DFG erhält. Schon vor zwei Jahren hatte Fulda im Wettbewerb der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAWs) eine Förderung erhalten (damals für Shaping Future Society – „SaFe“). Nun erhielt der Forschungsverbund „eParT“ den Zuschlag – nur fünf Bewerbungen von 77 waren berücksichtigt worden. Khakzar untermauerte damit seine Aussage, die Hochschule Fulda gehöre zu den forschungsstärkten bundesweit: Denn in Hessen wird wieder nur Fulda gefördert, deutschlandweit schaffte es neben der hiesigen Hochschule nur die TH Nürnberg, sich in beiden Ausschreibungsrunden der HAWs durchzusetzen.
Der Prozess bis zum Zuschlag war allerdings aufwendig, zwei Jahre wurden Projekte von einem achtköpfigen Team entwickelt, dazu wurden die Rahmenbedingungen in Fulda von Experten „auf Herz und Nieren“ geprüft. Hessens Wissenschaftsminister Timon Gremmels hatte den geförderten Hochschulen bereits in der Vorwoche gratuliert und sprach ebenfalls von großer Forschungsstärke am Standort Fulda.
„eParT“ ist das Akronym für „E-Partizipation für Transformationen nutzbar machen: Erkundung von Anwendungsfeldern, Einflussfaktoren und Wirkungen“. Was erstmal abstrakt klingt, versuchten die Köpfe hinter dem Namen greifbar zu machen: Prof. Dr. habil. Benjamin Ewert als Sprecher des Forschungsverbundes freute sich zunächst über den „Big Prize“, den die Gruppe erhalten habe: „Wir waren überglücklich“. Die Vorbereitungsarbeit über zwei Jahre sei so „intensiv“ gewesen wie kein Projekt zuvor, so der Frankfurter: „Danke auch an die Hochschulleitung, dass wir die Infrastruktur dafür bekommen haben“. Die Gesellschaft stehe vor „tiefgreifenden Veränderungen“ in vielen Bereichen wie Mobilität, Gesundheit, Klimawandel, Energie oder Bildung, die nicht alleine von Politik und Verwaltung geschultert werden können. Ein Ziel des Verbunds ist es, mehr Menschen als zuvor mit einzubeziehen, Verfahren zu entwickeln, die zu praktischen Lösungen führen – nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ, betonte Khakzar. Transformation ist dabei ein großes Stichwort, wie Ewert erklärte. Der Forschungsansatz beruhe auf mehreren Prinzipien, die auch über die Hochschule hinausgehen. Es gehe um praxisnahe Lösungen für Alltagsprobleme.
Praktikable Ideen: Smarter Blindenstock oder Datenrucksack
Bisher ist noch wenig greifbar, doch ab 1. Januar geht es los: Im ersten Quartal soll dann zunächst das „Participation Hub“ online gehen, das als digitale und dauerhafte Plattform wichtige Daten für alle Akteure übersichtlich und verständlich aufbereitet. Das Forschungsteam arbeitet dabei mit Praxispartnern zusammen, zu denen die Hessische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung, die Region Fulda GmbH, die RhönEnergie und die Stadt Fulda gehören.
Sichtbar wird die Forschung dann in ganz vielen verschiedenen Bereichen, wie einige Beispiele der Forscher zeigten: Ewert berichtete von einer App, mit der Bürger Alltagsprobleme melden können, beispielsweise im Verkehr. Prof. Dr. Martin Kumm informierte über einen „smarten Blindenstock“, bei dem es aber noch einige technische Hürden zu überwinden gilt. Hierbei sollen Betroffene selbst und deren Erfahrungen mit einbezogen werden. Prof. Dr. Thomas Wiemann sprach von einem leicht bedienbaren, energetischen Messsystem für Gebäude, beziehungsweise einem „Datenrucksack“, der das Sammeln jener Daten vereinfache. Und Prof. Dr. Markus Eckl nahm sich dem Thema Städtebauförderung an: Auch mithilfe von sogenannten „Pop Up Labs“, die in der Region entstehen sollen, sollen Probleme und Herausforderungen in Sozialräumen erkannt und präsentiert werden. „Die Bürger sollen ein besseres Verständnis für Sachverhalte bekommen“, so Eckl. Wohn- und Lebensqualität solle mithilfe gesammelter Daten verbessert werden.
Prof. Dr. Martina Ritter, Hochschul-Vizepräsidentin für Forschung und Transfer, bezeichnete das Forschungsvolumen und die fünf Jahre, an die sich eine Option auf drei Jahre Verlängerung anschließt, als „große Chance, etwas zu installieren, das bleibt“. Schwierigkeiten gebe es jedoch dabei, fasste Prof. Dr. Christine Domke zusammen: „Es geht darum: Wie adressiere ich wen? Wie muss Wissen aussehen, damit es jeden erreicht? Wir wollen dauerhafte Strukturen entwickeln“. Das interdisziplinäre Forschungsteam, das sich mit verschiedenen Perspektiven viel vorgenommen hat, wir unterstützt von etwa zehn weiteren Personen, für die die Stellen noch ausgeschrieben werden. Die Anwendungsbereiche sind dabei ganz vielfältig, der Gedanke dahinter derselbe: „Frühestmöglich die Bürger, Vereine, Organisationen, Verbände – die Zivilgesellschaft – in digitale Beteiligungsprozesse einzubinden“, so Ewert. Die Förderung der DFG sei dabei ein „wahrer Impuls“.
Leitende Wissenschaftler von „eParT“: Prof. Dr. habil. Birgit Bomsdorf, Prof. Dr. Kevin Dadaczynski, Prof. Dr. habil. Christine Domke, Prof. Dr. Markus Eckl, Prof. Dr. habil. Benjamin Ewert, Prof. Dr. Martin Kumm, Prof. Dr. Ulf Schwalbe, Prof. Dr. habil. Thomas Wiemann.
Millionen-Förderung für Forschung an der Hochschule Fulda
