Lokales FD 05.10.2025

Akademieabend zu Dokumentarfilm über Petra Kelly

Fulda (pm/gü) – Sie war eine der prägenden Gründungsgestalten der Grünen: Petra Kelly. Am 1. Oktober 1992 wurde die Aktivistin und Politikerin ermordet – und geriet in weiten Teilen Vergessenheit. Der Dokumentarfilm „Petra Kelly – Act now" von Doris Metz bringt ihren Werdegang in Erinnerung. Einen Tag vor ihrem Todestag wurde der Film im Kulturkeller gezeigt – gefolgt von einer Diskussionsrunde, unter anderem mit der Regisseurin des Films.

Organisatoren und Beteiligte des Abends: (von links): Ralf Zwengel, Hanning Voigts, Senem Bozdag, Julia Frank, Doris Metz und Gunter Geiger. Fotos: Katholische Akademie.

Diskutierten auf dem Podium (von links): Senem Bozdag, Julia Frank und Doris Metz.

„Petra Kelly ist eine Ikone", betont Akademiedirektor Gunter Geiger bei der Veranstaltung. Die Katholische Akademie war bei dem Abend im Kulturkeller Veranstalter – erstmals zusammen mit der Heinrich-Böll-Stiftung, vertreten durch deren Landesgeschäftsführer Ralf Zwengel. „Uns verbindet der Einsatz für politische Bildung, für Demokratie", freut sich Geiger über die Kooperation.

Petra Kelly ging es um das solidarische Miteinander in einer globalen Welt. Das wird im Film von Regisseurin Doris Metz immer wieder deutlich. In jungen Jahren wurde sie in den USA – ihr Stiefvater war Amerikaner – durch die Bürgerrechtsbewegung geprägt. Der gewaltlose Kampf von Martin Luther King etwa, aber auch der wie King ermordete Robert Kennedy. Ihre guten Englisch-Kenntnisse führten Kelly als Rednerin und Aktivistin in zahlreiche Länder. Daheim in Bonn gab sie Interviews für ausländische Medien. „Sie war ein Medienprofi", so Metz. Gleichzeitig blieb sie nahbar. Hunderte Briefe, in denen sie sich für Aktivisten weltweit einsetzte, gingen raus. Die Türen ihres Büros standen offen. Anliegen, die jemand hatte, hörte sie sich an und versuchte, zu helfen, wie sich ihre Mitarbeiterin im Bonner Büro erinnert. Und: „Sie hatte Charisma."

Metz hat für ihren Film, für den sie dieses Jahr mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet wurde, sehr umfangreiches Quellenmaterial gesichtet. Auslöser für die Dokumentation in bewegten Bildern war ein Erlebnis am Rand einer Demonstration der Fridays for future-Bewegung. Da sprachen junge Teilnehmerinnen über Petra Kelly. „Ich wunderte mich, weil Kelly heute kaum noch bekannt ist", sagt sie. Im Film wird deutlich, dass Petra Kelly mit dem Politik-Betrieb damals im Bonn der 1980er Jahre „gefremdelt" hat. Auch wenn sie darum wusste, dass es wichtig ist, im Parlament die Politik mitzubestimmen Sie hatte ihren Standpunkt, ihre Grundsätze, die sie auch gegen Widerstände verteidigte. Gespräche in Hinterzimmern waren nicht ihres – anders bei anderen Mitgliedern der damaligen Grünen-Fraktion im Bundestag.

Kelly setzte sich aktiv in der Friedensbewegung ein – gegen das Wettrüsten in Ost und West, sie sprach mit südbadischen Winzern, die sich gegen ein geplantes Atomkraftwerk in Wyhl am Kaiserstuhl wehrten. Aber auch für Frauen- und Menschenrechte kämpfte sie. Im Film äußert sich mehrfach Milo Yellow Hair vom indigenen Volk der Lakota in den USA. Kelly unterstützte sie in ihrem Kampf gegen den Abbau von Uran in deren Gebiet. Ein dunkles Kapitel in der Geschichte der Grünen-Partei ist die gemeinsame Trauerfeier für Petra Kelly und Gert Bastian. Entgegen der ersten Meldung, beide hätten Suizid begangen, war bald klar, dass es sich um Mord – einen Femizid – handelte, es also eine Feier für Täter und Opfer war.

Für Julia Frank, Landesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen Hessen, ist Petra Kelly „aktueller denn je". Wichtig sei es, sich auf die Grundwerte der Grünen zu besinnen. „Und Kelly bedeutet für mich Haltung. Ich will noch in den Spiegel sehen können", betont Frank zu ihrem politischen Handeln. „Petra Kelly hätte sich dagegen gewehrt, dass Menschen an unseren Grenzen unter haftähnlichen Bedingungen festgehalten werden" – damit verweist Senem Bozdag, Sprecherin der Grünen Jugend Hessen, auf eine Entscheidung, die von der Ampelregierung mitgetragen wurde. Die Grüne Jugend sieht sie – ganz im Sinn Kellys – als „linkes Korrektiv der Mutterpartei" Moderiert wurde die Diskussionsrunde von Hanning Voigts, Landtagskorrespondent der Frankfurter Rundschau.