Fußball 15.10.2025

A-Liga West – Krisenduell: Lüder-Schwarzatal fordert Oberrode

Oberrode/Kleinlüder (sim) – Ein Blick auf die Tabelle der Fußball-A-Liga West lässt das Spiel am Freitagabend (19 Uhr in Kleinlüder) wie ein typisches Kellerduell erscheinen. Platz 15 gegen 18, vier Siege bei der SG Lüder-Schwarzatal, erst zwei bei der SG Oberrode. Wer noch genauer hinschaut, erkennt: Dieses Aufeinandertreffen ist mehr als Statistik. Es ist ein Spiel zweier Mannschaften, die Woche für Woche improvisieren müssen, personell an der Belastungsgrenze arbeiten – und die sich doch nicht aufgeben.

Kann die SG Oberrode ein Zeichen im Tabellenkeller setzen? Archivfoto: Ralph Görlich

„Wenn das nicht passiert, brennt der Baum“, sagt Sebastian Hüter, Trainer der SG Lüder-Schwarztal, mit Blick auf die kommenden Wochen. Gemeint ist: Wenn seine Mannschaft in den nächsten drei Spielen nicht punktet, könnte aus einer schwierigen eine sehr ernste Saison werden. Der Druck steigt. Nach vier Siegen und einer Tordifferenz von 13:50 steht der KOL-Absteiger im unteren Drittel, die direkte Konkurrenz sitzt im Nacken – oder steht gegenüber.

Die 0:9-Niederlage gegen Landenhausen war ein Einschnitt. „Das hat wehgetan“, sagt Hüter, auch wenn er Gründe kennt. Mit dem Zusammenschluss von erster und zweiter Mannschaft im Sommer sei klar gewesen, dass die Saison kein Selbstläufer werde. „Die Zweite wäre sonst in die C-Liga gegangen. Das merkt man natürlich.“ Eine der größten Baustellen ist die Defensive – besonders seit Kapitän Joshua Blumenthal verletzt fehlt. „Auch offensiv sind wir nicht da, wo wir sein wollten“, sagt Hüter, der trotzdem nicht klagt. Im Gegenteil: Die Trainingsarbeit stimme, der Einsatz auch. Doch die Ergebnisse fehlen. „Die letzten drei Spiele mit einer Tordifferenz von 1:18 – das liest sich brutal.“ Nun folgen Oberrode, Grebenhain/Bermuthshain und Bronnzell II – und damit Wochen der Wahrheit. Vier Punkte seien das Minimalziel. Zwei Siege wären ideal. „Denn bei der Tabellenkonstellation kann ein einziger Doppelspieltag alles drehen“, weiß der Trainer.

 

SGO-Kader am Limit, Einsatz am Anschlag

Auf der anderen Seite steht mit der SG Oberrode eine Mannschaft, bei der ebenfalls kaum etwas nach Plan läuft. Zwei Siege, zwei Unentschieden, neun Niederlagen – Tabellenletzter mit acht Punkten. Doch das Bild ist trügerisch. „Wir haben Qualität“, betont Trainer Dogan Kilic, „aber uns fehlen einfach die Leute.“ Sechs Stammspieler im Vergleich zum Vorjahr seien dauerhaft weg. Ein Kader von 16 Spielern reiche da nicht. Und dann kamen noch Verletzungen. „Zwischendurch hatten wir Training mit vier Spielern aus der ersten Mannschaft“, klagt Kilic. Spieltage mit Ersatzspielern, Training mit halben Kadern, Einsatz bis zur Erschöpfung. „Ich kann keinem einen Vorwurf machen. Die, die da sind, hauen alles raus.“ Und: „Auch die Zweite hilft, wo sie kann.“ Wie sehr, zeigt ein kurioses Detail: Das bisher letzte Tor für Oberrode erzielte der Ersatztorwart Jermain Kamberi. Nicht etwa aus Verzweiflung, sondern aus Notwendigkeit – und aus Kampfgeist. „Jeder, der kann, stellt sich in den Dienst der Mannschaft“, betont Kilic. „Aber wir müssen jetzt aufpassen, dass nicht noch mehr ausfallen. Irgendwann ist das nicht mehr zu kompensieren.“ Ziel ist es, bis zur Winterpause „irgendwie durchzukommen“ und dabei zu punkten. Der Trainer bleibt trotz der Lage zuversichtlich: „Wenn uns das gelingt, holen wir in der Rückrunde genug Punkte, um die Klasse zu halten.“

So steht ein Spiel an, das auf dem Papier nach Abstiegskampf aussieht – aber in Wahrheit viel mehr ist: Ein Kampf um Stabilität, um Anschluss, um Haltung. Beide Trainer betonen, dass es in dieser Situation keine Schuldzuweisungen gibt – weder an die Vereine noch an die Mannschaften. „Niemand kann was für unsere Lage“, sagt Kilic. „Aber je länger das anhält, desto schwerer wird es, die Köpfe oben zu halten.“ Auch Hüter blickt mit Respekt auf den Gegner, sieht aber die Chance, Punkte mitzunehmen: „Wir werden eine schlagfertige Truppe aufstellen und ich bin überzeugt, dass wir das gewinnen können.“ Dass beide Teams angeschlagen antreten, ist klar. Doch wer sich durchbeißt, setzt ein Zeichen – für sich selbst und für den weiteren Verlauf der Saison. Am Freitagabend entscheidet sich, wer zumindest für einen Moment den Kopf über Wasser bekommt. Und wer weiter auf der Suche bleibt – nach Stabilität, Struktur und Spielern, die fit genug sind, überhaupt auf dem Platz zu stehen.