Lokales FD 08.10.2025

92. Deutscher Archivtag eröffnet: Bewahren in Zeiten von Umbrüchen

Fulda – Von Paula Nöllenheidt – Der 92. Deutsche Archivtag wurde als Europas größter nationale Archivkongress mit einer Veranstaltung in der Waideshalle des Esperantos am Dienstagabend feierlich eröffnet. Das diesjährige Rahmenthema „Digitalisate im Archiv. Positionen – Prozesse – Perspektiven“ wurde von zahlreichen Gästen aus der Politik und der Archivarbeit beleuchtet.

Bürgermeister Dag Wehner sprach bei der Eröffnung. Foto: Paula Nöllenheidt

Die Veranstaltung bietet rund 700 Besucherinnen und Besucher aus dem In- und Ausland einen spannenden Einblick in die Chancen und Risiken der Digitalisierung. Archivarinnen und Archivare bekommen in den folgenden drei Tagen Fachvorträge sowie Workshops zur Bewältigung aktueller und kommender Herausforderungen geboten. Den Eröffnungsvortrag hielt Staatssekretär Christoph Degen vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur. Er ging besonders auf die Rolle der Digitalisierung in der Archivarbeit ein, deren „Chancen man gut nutzen und Risiken man gut verstehen“ müsse. So beleuchtete er in seinem Vortrag die Aufgabe der Digitalisierung bei Bedrohungen wie militärischen Konflikten, Cyberangriffen, der Klimakrise, Künstlicher Intelligenz und dem Generationenwechsel. „Die Aufgabe der Politik ist es dabei, innovative Wege zur Bewältigung dieser Krisen zu unterstützen.“ Unter anderem erklärte er, dass sich „in Archiven die ganze Breite der Gesellschaft widerspiegeln muss“, sodass Archive durch das Inkludieren von Migrantinnen und Migranten ihren Beitrag zur Integration leisten würden.

Auch Parlamentarischer Staatssekretär und Mitglied des Bundestages Michael Brand unterstrich in seiner Videobotschaft die „zukunftsweisende“ Arbeit der Archive als „lebendigen Ort des Erinnerns“ sowie als „Ankerpunkte der Wahrheit“. Besonders in Zeiten von nationalen und internationalen Umbrüchen führe die Stärkung von Archiven auch zur Stärkung der Demokratie, resümierte er.

Der Vorsitzende des Verbandes deutscher Archivarinnen und Archivare, Ralf Jacob, begrüßte alle Anwesenden in der Waideshalle des Esperantos: „Es ist mit einer Ehre, zum ersten Mal in der 126- jährigen Tradition des Deutschen Archivtages diesen in Fulda, am Sitz des Verbandes und der Geschäftsstelle, eröffnen zu dürfen.“ Die Veranstaltung solle vor allem Aufmerksamkeit auf die Bedeutung der Arbeit der Archive lenken, die essenziell für eine demokratische Gesellschaft seien. „Wir ermöglichen einen faktenbasierten Diskurs, helfen, die Herausforderungen des gesellschaftlichen Wandels zu verstehen und stehen als Fels in der Brandung gegen Fake News und Desinformationen.“ Gleichzeitig würden rasante gesellschaftliche Veränderungen wie die Haushaltslage, Fachkräftemangel oder auch die zunehmenden Angriffe auf den Rechtsstaat die Archivarbeit stark bedrohen. Zudem äußerte er den Wunsch, den deutschen Archivtag zukünftig ständig in Fulda auszurichten, besonders wegen der attraktiven Lage in Deutschland. 

Dag Wehner, Bürgermeister von Fulda, zeigte sich erfreut über die Möglichkeit, den Deutschen Archivtag in Fulda ausrichten zu dürfen: „Die Veranstaltung zeigt, wie wichtig es ist, Archive in den Transformationsprozess der Verwaltung unmittelbar einzubinden.“ Prof. Dr. Andrea Hänger, Vizepräsidentin des Bundesarchivs, betonte, wie essenziell das Motto der Veranstaltung für die Arbeit in Archiven sei. Dabei sei es besonders wichtig, zu bemerken, dass die Digitalisierung nie vollumfänglich abgeschlossen sei, sondern man stets an neuen und effizienteren Möglichkeiten arbeiten müsse, um auch in Zukunft „weiterhin möglichst viele Menschen am kulturellen Erbe teilhaben lassen zu können.“

Dr. Jozef Melis vom slowakischen Archivarverband sprach als Vertreter der ausländischen Archivtagsgäste von der Archivarbeit als „Arbeit, die für die Gesellschaft, ihr Gedächtnis und ihre Zukunft von unschätzbarem Wert ist.“ Dies sei besonders in Zeiten von Desinformationen von großer Bedeutung, wobei die Archivarbeit auch die ständige Arbeit mit der Gesellschaft zur Hilfe bei der korrekten Interpretation inkludiere.  Musikalisch wurde die Eröffnungsveranstaltung von den Darstellern des Spotlight Musicals „Robin Hood“ begleitet, die mit drei Liedern das Programm umrahmten und für ihre Darstellung von dem Publikum lauten Applaus ernteten.

92. Deutscher Archivtag eröffnet. Fotos: Paula Nöllenheidt