Schon vor der offiziellen Eröffnung füllten sich die Straßen mit Familien, Kindern und Besuchern aus nah und fern. Beim Lampionumzug ging es von Farben-Börner durch die Altstadt – begleitet vom Fanfarenzug Barbarossa Gelnhausen. Kinderaugen strahlten mit den bunten Laternen um die Wette: Drachen, Schweinchen, recycelte Flaschen – so vielfältig wie der Markt selbst. Der Weg führte durch die Burg, vorbei an den ersten Ständen, wo bereits Menschen klatschten, winkten und warteten. Auf dem Kumpen sorgte der Musikverein Germania Steinau mit einem Platzkonzert für Gänsehaut – der perfekte Übergang zur Eröffnung.
Steffi Herz rührt mit Ehrlichkeit und Herz
Steffi Herz, die 50. Katharinenmarktmeisterin, eröffnete das Fest mit einer Rede, die ehrlicher und emotionaler kaum hätte sein können. „Jetzt schauen sie alle auf mich. Hui!“, sagte sie lachend – kurz bevor ihr Tränen in die Augen stiegen. Die selbstständige Keramikerin sprach über ihren Weg nach Steinau, das Alleinsein im Alltag – und das Geschenk, hier, im Mittelpunkt zu stehen: „Ich bin gerade total überwältigt. So im Mittelpunkt zu stehen – das ist nicht so einfach für jemanden, der sonst allein in der Werkstatt arbeitet.“
Seit über elf Jahren lebt sie in Steinau, ihre Werkstatt liegt mitten in der Altstadt. Ihr Handwerk, die Töpferei, reicht in der Stadt bis 1391 zurück und zählt heute zum UNESCO-Weltkulturerbe. In Herz‘ Händen wird daraus mehr als Tradition: „Soll die Scheibe richtig laufen, muss der Töpfer einen saufen“, sagte sie augenzwinkernd – doch ihr Anliegen war ernst. Ihre Rede war nicht nur für das Publikum, sondern vor allem für ihre Enkelin gedacht: „Ich wollte, dass sie eine Erinnerung hat an ihre Oma.“ Nach dem Auftritt: ein tiefes Durchatmen. Die nächsten Tage, so versprach sie, gehören ganz Steinau.
Bürgermeister Zimmermann zwischen Rückblick und Aufbruch
Bürgermeister Christian Zimmermann blickte in seiner Rede auf ein ereignisreiches Jahr zurück – und auf eine Stadt, die sich wandelt und dennoch ihre Wurzeln bewahrt. Der Katharinenmarkt sei für ihn der schönste Moment im Jahr: „Weil man von dem berichten kann, was man gemacht hat.“ Er sprach von Investitionen wie dem neuen Kindergarten „Märchenwald“, dem Feuerwehrgerätehaus und laufenden Projekten im Industriegebiet. Doch betonte er: Fortschritt braucht Gemeinschaft. Feuerwehr, DRK, THW, Polizei und Bauhof seien das Rückgrat eines Festes wie diesem. „Nicht eine Verwaltung bringt Leben in eine Stadt, sondern Bürger, denen sie Raum für ihre Ideen gibt.“
In einem ruhigen Moment nach der Eröffnung wurde Zimmermann persönlich: „Ich wohne seit 1992 hier, und damals war der Markt schon sehr lebendig. Wir hatten früher viele Gaststätten.“ Ein Flair, das nicht zurückkommt – aber vielleicht wieder auflebt: „Mein Traum ist schon, das werden wir nie wieder so schaffen, aber so ein bisschen den Hauch von dem, was früher mal war.“ Mit dem neuen Stadtmotto „Gemeinsam für unsere Heimat“ beendete er seine Ansprache – und eröffnete den Markt 2025 offiziell.
Eine Märchenkönigin für Steinau
Ein besonders feierlicher Moment war die Wahl der ersten Steinauer Märchenkönigin. Laura Fuchs übernimmt ein Amt, das es entlang der Deutschen Märchenstraße bislang nicht gab – nun aber perfekt zu Steinau passt. Ausstrahlung, Selbstbewusstsein und Interesse an Geschichte gaben den Ausschlag. Mit ihr bekommt die Stadt ein neues Gesicht, das künftig das kulturelle Erbe nach außen tragen wird – märchenhaft und zeitgemäß zugleich.
Gemeinschaft, die trägt
Im Festzelt auf der Mauerwiese wurde der Markt schließlich endgültig eröffnet – mit dem Fassanstich durch Bürgermeister Zimmermann. Nur ein Schlag – das Bier floss. Im Vorjahr waren es noch 23. Es war der Auftakt für ein langes Festwochenende mit mehr Ständen, neuen Attraktionen und einem vollen Unterhaltungsprogramm. Möglich gemacht durch Hunderte helfende Hände: Als kurz vor der Eröffnung ein Stromausfall drohte, packten THW, Firmen, Bauhof und Energieversorger gemeinsam an – und retteten den Start.
Junge Generation, große Geste
Auch die Schulen der Stadt zeigten, was Zusammenhalt bedeutet. Die Abschlussklassen der Kinzig-Schule und des Ulrich-von-Hutten-Gymnasiums halfen tatkräftig mit – und brachten frischen Wind und Begeisterung mit. Der Katharinenmarkt 2025 ist mehr als ein Fest: ein Zeichen dafür, dass Steinau nicht nur Geschichte hat – sondern eine Zukunft. Und dass man sie am besten gemeinsam gestaltet.
