Lokales HEF 08.10.2025

60 Tage im Amt – Klinikum-Geschäftsführer Mock zieht erste Bilanz

Bad Hersfeld – Von Janosch Hensel – Sebastian Mock ist seit dem 1. August als Geschäftsführer des Klinikums Bad Hersfeld im Amt. Nach etwas mehr als zwei Monaten hat der 34-Jährige nun eine erste Bilanz gezogen – und ist mit den Entwicklungen rund um das wirtschaftlich angeschlagene Klinikum zufrieden, wie der Geschäftsführer in einem Pressegespräch am Dienstagmittag vor Ort verkünden konnte.

Sebastian Mock, Geschäftsführer des Klinikums Bad Hersfeld, zog nach 60 Tagen im Amt eine erste Bilanz. Fotos: Janosch Hensel

Sebastian Mock, Geschäftsführer des Klinikums Bad Hersfeld, zog nach 60 Tagen im Amt eine erste Bilanz. Fotos: Janosch Hensel

Etwas über 60 Tage ist es her, als Sebastian Mock die Geschicke von der Sanierungsgeschäftsführerin Katja Bittner übernommen hatte. Bittner hatte das Klinikum mit ersten Maßnahmen bereits in ruhigeres Fahrwasser geführt, Mock behielt den eingeschlagenen Kurs in den vergangenen zwei Monaten bei – und will das auch zukünftig tun: „Es ist ein erstes Resümee“, betonte Mock zu Beginn des Pressegesprächs: „Daher sind die getroffenen Maßnahmen natürlich noch vage, allerdings konnte ich mir bereits einen guten Eindruck verschaffen.“ Beispielsweise in Sachen Transparenz habe der Geschäftsführer Defizite erkannt, die nun nach und nach angegangen werden sollen: „Es ist wichtig, dass alle Beteiligten einen Überblick haben und Zugang zu allen relevanten Informationen. Bislang stehen diese Infos nicht immer allen zur Verfügung.“

Zu diesem Fazit kam Mock unter anderem, als er in zahlreichen Abteilungen des Klinikums hospitierte – unangekündigt, und teilweise sogar, ohne erkannt zu werden. „So konnte ich einen ehrlichen Einblick in die Fachabteilungen werfen und mit den Mitarbeitern direkt vor Ort ins Gespräch kommen. Das ist aus meiner Sicht das Wichtigste: Der Austausch untereinander, um die Kernkompetenz unseres Klinikums, die direkte Patientenversorgung, auf dem allerhöchsten Niveau halten zu können.“ Daher strebt Mock an, das standortübergreifende Arbeiten der zum Konzern gehörenden Kliniken zu verbessern: „Es wird standortübergreifend Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen geben. Jeden Monat wird eine Fachabteilung über einen Fall berichten“, verdeutlichte Mock. Bei den sogenannten „M&M-Konferenzen“ werden unerwünschte Ereignisse, potenziell aufgetretene Fehler und Todesfälle rückblickend betrachtet, um die notwendigen Schlussfolgerungen ziehen zu können.

Darüber hinaus kam der Geschäftsführer auch auf die wirtschaftliche Situation des Klinikums zu sprechen – und konnte auch dahingehend bereits erste Maßnahmen verkünden: „Wir sind guter Dinge, den vom Aufsichtsrat abgesegneten Wirtschaftsplan auch zu erreichen. Allerdings ist hier zu beachten, dass das noch der Datenstand von August ist und es weitere Prognosen entsprechend erst noch geben wird.“ Weiterhin soll es durch den „Flexpool“, bei dem Pflegekräfte je nach Mitarbeiterbedarf flexibel in verschiedenen Fachabteilungen eingesetzt werden können, gelingen, nicht mehr auf Leiharbeitskräfte angewiesen zu sein. „Sie sind deutlich teurer und auch die Identifikation mit unserem Haus ist da nachvollziehbarerweise weniger vorhanden“, betonte Mock und fügte an: „Der Flexpool hat sich etabliert und funktioniert extrem gut. Ein Beispiel ist die Notaufnahme, wo wir durch das gezielte Nutzen bereits Anfang 2026 keine Leiharbeitskräfte mehr beschäftigen müssen.“

Natürlich sei das nur ein kleiner Teil an finanziellen Einsparungen, dessen ist sich der Geschäftsführer bewusst – dennoch müssen die festangestellten Mitarbeiter nicht um ihren Job bangen: „Das ist mir ganz wichtig. Nach aktuellem Stand wird es keine betriebsbedingten Kündigungen geben und es ist dahingehend auch nichts geplant. Die Mitarbeiter wollen einen sicheren Arbeitsplatz – und wir sind ein sicherer Arbeitgeber und können auch langfristig eine Perspektive bieten.“

Auch bezüglich der logistischen Herausforderungen äußerte sich Sebastian Mock. So sei das Klinikum bezüglich der Zusammenlegung der zwei Intensivstationen auf einem extrem guten Weg: „Da geht es auch darum, Prozesse zu vereinheitlichen. Ich habe aber auch dort auf Station gesehen, dass die Mitarbeiter extrem engagiert bei der Sache sind.“ Die Stationsleitung der Intensiv werden zukünftig Nicole Bartholmai und Sarah Scholz gemeinsam innehaben, auch das konnte der Geschäftsführer bestätigen – ebenso wie den positiven Verlauf des Umzugs der Orthopädie vom Standort Kurpark in den Seilerweg. „Natürlich läuft so etwas nicht immer reibungslos ab, aber insgesamt haben wir das gut gestaltet. Die Orthopädie hat sich hier am Standort etabliert.“ Etwa 50 Prozent der neuen Station sei bereits fertiggestellt, die andere Hälfte folge nun noch im Oktober. „Das war aber von Anfang an auch so geplant. Spätestens im November sollen dann alle Behandlungsressourcen zur Verfügung stehen.“ Patienten seien aufgrund des Umzugs außerdem keine abgelehnt worden, wie Mock betonte: „Wir lehnen keinen ab, nur weil die Räumlichkeiten vielleicht noch nicht vollumfänglich zur Verfügung stehen.“

Abschließend kam Mock zu einem positiven Fazit: „Wir brauchen diese Klinik hier. Und natürlich müssen wir dafür auch unsere Hausaufgaben machen, gerade was die wirtschaftliche Lage betrifft. Aber den gemeinsamen Gesprächen, nicht nur mit den Mitarbeitern, sondern auch mit den Gremien wie dem Aufsichtsrat oder der Gesellschafterversammlung, verliefen extrem positiv. Wir ziehen alle an einem Strang: Die Klinik wirtschaftlich wieder auf gesunde Füße zu stellen.“