Lokales FD 23.10.2025

„52 – ein Jahrgang, zwei Leben“: Talkrunde mit Wolfgang Bosbach

Neuhof (pn) – Ein Geburtsjahr, völlig unterschiedliche Lebenswege und trotzdem haben sie zusammengefunden: Bei einer Mischung aus Lesung und Talkshow zu dem Buch „52 – ein Jahrgang, zwei Leben“ mit Politiker und Autor Wolfgang Bosbach und Herausgeber Hans-Jürgen van der Gieth konnten die zahlreichen Zuschauenden im Neuhofer Gemeindezentrum spannende Einblicke in Bosbachs Leben und seine Einordnung gesellschaftspolitischer Themen gewinnen.

Von links: Wolfgang Bosbach, Neuhofs Bürgermeister Heiko Stolz und Hans-Jürgen van der Gieth. Foto: Paula Nöllenheidt

Ursprünglich war die Talkshow mit dem weiteren Autor des Buchs, Moderator und Sportjournalisten Ulli Potofski, geplant. Aufgrund seines Todes im August diesen Jahres übernahm Hans-Jürgen van der Gieth seinen Part. Direkt zu Beginn der Veranstaltung erinnerte er in Form einer Bildersammlung aus Potofskis Leben und zahlreichen passenden Anekdoten zu den Bildern an den beliebten Moderator. Zudem las er die letzten schriftlichen Emails vor, die ihm Potofski aus dem Krankenhaus zukommen ließ. Auch Bosbach berichtete von zahlreichen witzigen Geschichten, die ihm Ulli Potofski berichtete und konnte damit das Publikum zum Schmunzeln bringen. Auch Bürgermeister Heiko Stolz erinnerte sich wehmütig an Potofski: „Für mich hat er als Teenager mit ‚Anpfiff‘ die Fußballberichterstattung revolutioniert.“ Gleichzeitig freute er sich, die „Ikone des Deutschen Bundestags“, Wolfgang Bosbach, begrüßen zu dürfen: „Ich habe ihre Ausführungen immer sehr geschätzt, da sie immer konkret, klar, transparent und authentisch waren“, lobte Stolz.  

In der ersten Phase der Talkrunde bewertete Bosbach durch Fragen van der Gieths die aktuelle politische Lage. Unter anderem die Aussage von Friedrich Merz, Deutschland hätte „im Stadtbild natürlich immer noch dieses Problem“, bewertete Bosbach als inhaltlich richtig: „Die Politik versagt, wenn sie nicht mehr in der Lage ist, Sachen klar zu benennen“, resümierte er. Auch auf die Abnahme des parteipolitischen Engagements, die „gesellschaftliche Stigmatisierung“ in Bezug auf freie Meinungsäußerung und die klare Positionierung von Merz gegen eine Zusammenarbeit mit der AfD ging er ein. „Ich lehne eine Zusammenarbeit nicht ab, obwohl ich konservativ bin, sondern, weil ich konservativ bin“, betonte er.

Im Anschluss blickten Bosbach und van der Gieth unterhaltsam und reflektierend auf persönliche Erzählungen sowie gesellschaftliche Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte zurück und konnten damit durch lustige Geschichten das Publikum zum Lachen, aber auch zum Nachdenken bringen.  

Talkrunde mit Wolfgang Bosbach in Neuhof. Fotos: Paula Nöllenheidt