Lokales FD 13.11.2025

Zwischen Geborgenheit und Abweisung – „Was bedeutet Heimat?“

Fulda (as) – Für manche ein sicherer Hafen, für andere eine andauernde Suche – Zum Begriff der „Heimat“ wurden am Mittwoch in Fulda ganz unterschiedliche Sichtweisen vorgetragen. Am Tresen der „heimat“-Kneipe am Buttermarkt tauschten sich Menschen über ihre Erfahrungen aus, was „Heimat“ heute und in Zukunft bedeute. Das Gespräch wurde im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Wandelbar Talks“ organisiert.

Die Teilnehmenden des Talks sowie das Organisationsteam. Foto: Andreas Schellenberg

In lockerer Atmosphäre hatten sich einige Interessierte in der „heimat“ eingefunden. Durch den Abend führte Geraldine Mormin als Moderatorin. Sie begrüßte verschiedene Gäste am Tresen: Prof. Dr. Umut Akkus von der Hochschule Fulda, Soziologie und Professor für Jungend und Jugendarbeit, Ahmad Bayan, Vertreter von Welcome IN! Fulda und Studierender, Vera Dudyka, stellvertretende Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Fulda, Axel Elm, Fastnachtsexperte sowie Emily Charlotte Rödel, Studierende und Mitorganisatorin des Projekts „Akzeptanz & Vielfalt in Fulda und Region“. Im Gespräch gingen die Teilnehmenden auf den eigenen Begriff der Heimat ein, aus unterschiedlichsten Perspektiven.

Prof. Dr. Akkus etwa äußerte Schwierigkeiten, Heimat genau definieren zu können. Er beschrieb es als ein Gefühl von „Angekommen sein“ und „verwurzelt sein“, wobei dies auch in mehreren Gruppen möglich sei. Dudyka verband mit dem Begriff eine Sammlung an vertrauten Wahrnehmungen, von Geräuschen über Gerüche bis zu Bildern. Sie merkte an, dass im Laufe des Lebens neue Perspektiven dazukommen: „Nicht jeder hat den gleichen Heimatbegriff.“ Rödel erläuterte, dass sie den „Heimatbegriff ziemlich reaktionär“ betrachte. Es handele sich um eine Sehnsucht in ein vermeintlich heiles Bild, dass gleichzeitig häufig für Abgrenzung und Spaltung genutzt werde: „Es löst unsere Probleme nach Geborgenheit nicht.“ Bayan erinnerte sich zurück, wie er vor zehn Jahren mit seinem Bruder aus Syrien nach Deutschland gekommen sei: „In die neue Heimat.“ Er berichtete, dass es sich aber lange nicht wie Heimat angefühlt habe, weil der Bezug zu bekannten Menschen gefehlt habe. Elm beschrieb Heimat ebenfalls als ein Grundgefühl der Geborgenheit: „Weil es mir gut ging.“ Der gebürtige Neuenberger erzählte von dem Aufwachsen in der Region und seiner eigenen Familiengeschichte, in der ebenfalls die Vertreibung nach dem zweiten Weltkrieg eine große Rolle gespielt habe.

Im Gespräch stellten die Gäste fest, dass „Heimat“ sowohl positiv als auch negativ betrachtet werden könne. Das Publikum hatte ebenfalls die Möglichkeit, eigene Perspektiven mit einzubringen oder Rückfragen zu stellen. Diskutiert wurde, was Heimat in Zukunft bedeuten kann. Die Veranstaltung wird von der Hochschule Fulda, dem Zentrum für Wissenschaftliche Weiterbildung und der Volkshochschule der Stadt Fulda organisiert.

Heimat im Gespräch. Fotos: Andreas Schellenberg