Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die finanzielle Situation des ÖPNV, der Fachkräftemangel im Verkehrssektor sowie die Umstellung auf Elektrobusse. RhönEnergie-Geschäftsführer Martin Heun, der Leiter der RhönEnergie-Verkehrsbetriebe Thomas Lang sowie der Geschäftsführer der Lokalen Nahverkehrsgesellschaft Fulda (LNG) Daniel Vollmann erläuterten der SPD-Abordnung die Aufgaben, den Umfang und die Finanzierung des Busangebotes.
Ein Ziel des Unternehmens sei es, den städtischen Linienverkehr Schritt für Schritt auf emissionsarme Elektrobusse umzustellen – auch im Hinblick auf die verschärften EU-Vorgaben zum Klimaschutz. „Wir wollen unseren Beitrag zur Verkehrswende leisten, stoßen aber auf erhebliche strukturelle und finanzielle Hürden“, sagte Heun. Die RhönEnergie sehe sich in dem Bereich jedoch als Vorreiter. „Im Jahr 2018 haben wir den ersten Elektrobus Hessen eingeführt“, berichtete Heun.
Die RhönEnergie könne alle bestehenden Buslinien sicher bedienen, während große kommunale Verkehrsunternehmen im Rhein-Main-Gebiet wegen Fahrermangels Linien streichen mussten. Aus osthessischer Sicht ebenfalls erfreulich, dass die 350 Busfahrer der Rhön-Energie im Schnitt auch deutlich jünger sind als im Bundesschnitt: Der Altersdurchschnitt bei der RhönEnergie liege bei 49,7 Jahre, der Bundesdurchschnitt bei 55 Jahren, führte RE-Verkehrsbetriebe-Geschäftsführer Thomas Lang aus. Dennoch sei auch für RhönEnergie die Versorgung mit qualifiziertem Fahrpersonal eine Herausforderung. Die Ausbildung neuer Busfahrerinnen und Busfahrer sei teuer und aufwendig. Hinzu komme, dass die IHK-Prüfung derzeit ausschließlich in deutscher Sprache möglich ist – eine Hürde für viele Bewerberinnen und Bewerber mit ausländischer Herkunft, die grundsätzlich großes Interesse an einer Tätigkeit im ÖPNV zeigen.
Diese Situation sei wohl schon länger bekannt, so die SPD-Mitglieder. Umso mehr sei man erstaunt, dass trotz dieser Kenntnis eine weitere Fortschreibung des Nahverkehrsplans in den städtischen Gremien beschlossen wurde und nun mit genau dieser Begründung vertagt wurde.
Auch wirtschaftlich stehe der Nahverkehr unter Druck, erklärte Daniel Vollmann, Geschäftsführer der LNG: Trotz steigender Nachfrage kann die hohe Kostenbelastung auf den Bussen im Landkreis nicht gesenkt werden. Das Deutschlandticket entlastet Nutzer hier finanziell enorm, während Verkehrsunternehmen und Aufgabenträger die gleichzeitig stark gestiegenen Betriebskosten zusätzlich schultern müssen. Die Finanzierung des Deutschlandtickets durch Bund und Land berücksichtigt lediglich die Einnahmeausfälle, nicht aber die gestiegenen Aufwendungen. Gleichzeitig erschwere das Deutschlandticket die Aufteilung der Einnahmen zwischen den einzelnen Verkehrsunternehmen. Zudem bereite die erhebliche Kostensteigerung für die kommenden Jahre erhebliche Sorgen, zumal die verlässliche Finanzierung durch Bund und Land noch nicht endgültig geklärt sei.
Stadt und Landkreis Fulda planen aktuell für 2029 einen gemeinsamen Nahverkehrsplan, um Stadt und Umland noch besser zu vernetzen. Dem ÖPNV als wichtigste Alternative zum Individualverkehr kommt dabei eine besonders große Bedeutung zu. Die SPD-Delegation betonte die Notwendigkeit gemeinsamer Lösungen. „Ein zuverlässiger, moderner und klimafreundlicher Nahverkehr ist Grundvoraussetzung für gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land“, sagte MdL Tanja Hartdegen „Dafür braucht es verlässliche Finanzierung, praxisnahe Ausbildungsbedingungen und Unterstützung für die Verkehrsbetriebe bei der Umsetzung europäischer Umweltstandards.“ Zudem könnten Innovative digitale Konzepte zu einer stärkeren Nutzung des ÖPNV führen, damit die Tickets für jeden erschwinglich bleiben.
Die Vertreterinnen und der Vertreter des SPD-Stadtverbands betonen, ihr Ziel sei, dass sich der öffentliche Nahverkehr als ernstzunehmende Alternative in der Stadt darstellen könne. Das bedeute, dass der Busverkehr mehr Nutzer brauche. „Ein attraktives Angebot mit bestmöglicher Anbindung aller Stadtteile, sowie ein für alle bezahlbare Ticketpreise, sind dafür die Voraussetzung“. So fordere man aktuell ein Kurzstreckenticket, ein Kombiticket für kulturelle Großveranstaltungen, mit dem der öffentliche Personennahverkehr kostenlos benutzt werden kann, und die Übernahme der Erhöhung der Ticketpreise durch die Stadt nach dem Beispiel Frankfurts.
Die SPD werde die gewonnenen Erkenntnisse in die politische Diskussion auf kommunaler und Landesebene einbringen, um die Rahmenbedingungen für den ÖPNV in der Region weiter zu verbessern, heißt es abschließend.
