Tischtennis 09.11.2025

WTT Champions Frankfurt – 17-jähriger Überflieger stoppt Ovtcharov

Frankfurt (pm/pf) – Heimvorteil genutzt: Zum ersten Mal überhaupt erreicht mit Dang Qiu bei einem WTT Champions Frankfurt ein Deutscher das Halbfinale. Es war ein kleiner Clásico am Samstagabend in der Süwag Energie ARENA. Achtmal waren sich Dang Qiu und sein schwedischer Kontrahent Anton Källberg bereits auf der Bühne von World Table Tennis begegnet, gemeinsam schlagen sie seit Jahren im Bundesliga-Team vom Borussia Düsseldorf auf. Es war also alles angerichtet für einen Kracher vor vollen Rängen.

Dimitrij Ovtcharov vom TTC Maberzell. Foto: Christine Görlich

Und die Fans wurden nicht enttäuscht: Die Partie war ein Match auf Augenhöhe. Das beweist allein der vierte Satz, der an Spannung kaum zu überbieten war. Källberg war zunächst mit 9:1 in Führung gegangen, bevor dem 29-jährigen Penholder-Crack die Aufholjagd gelang. Qiu wehrte vier Satzbälle ab, vergab aber auch vier, schließlich ging der Durchgang mit 19:17 an den gebürtigen Nürtinger. Ein Ergebnis, dass am Tag des 100. Jubiläums des Deutschen Tischtennis-Bundes an alte Zählzeiten erinnert.

Qiu wurde von diesem engen Satz beflügelt, sicherte sich den Folgedurchgang mit 11:5 und damit den Einzug in die Vorschlussrunde. „Es ist eine große Ehre, der erste Deutsche zu sein, dem das gelungen ist. Ich denke, es wurde aber auch mal Zeit“, erklärte der Weltranglisten-Zwölfte. Angesprochen auf den knappen vierten Satz, resümierte er: „Für uns beide war der Satz eine absolute Achterbahnfahrt und purer Horror.“

Qius Halbfinalgegner am Sonntagnachmittag ist der Südkoreaner Lee Sang Su, der im Viertelfinale gegen Frankreichs Simon Gauzy die Oberhand behielt. Qiu könnte derjenige sein, der Lee in Rente schickt. Nach diesem Turnier beendet der achtfache WM-Medaillengewinner seine Profikarriere. 

17-jähriger Überflieger stoppt Ovtcharov

Am Samstag in der Runde der besten Acht ausgeschieden sind Dimitrij Ovtcharov und Ying Han. Nach seinem beeindruckenden Achtelfinaltriumph über Japans Nummer vier der Welt, Tomokazu Harimoto, am Freitag war im Viertelfinale gegen den 17-jährige Shooting-Star Sora Matsushima nach vier Sätzen Schluss. „Ich habe selten gegen jemanden gespielt, der so viel Selbstvertrauen ausstrahlt wie Sora Matsushima heute“, befand der ehemalige Weltranglisten-Erste. Der junge Japaner hatte sich in der vergangenen Woche ins Finale des WTT Champions Montpellier gespielt, unterlag dort dem Schweden Truls Möregardh. „Er spielt unglaublich unangenehmes Tischtennis als Linkshänder, hat sehr gute Auf- und Rückschläge und einen für mich sehr unangenehmen Rhythmus. Er ist ein Spieler, der sehr Großes erreichen kann“, ist Ovtcharov überzeugt.

Han unterliegt Ito / Alle deutschen Damen ausgeschieden

Ying Han blieb in ihrer Viertelfinalpartie gegen Mima Ito chancenlos. Die Japanerin ließ die beste Abwehrspielerin der Welt nicht ins Spiel kommen, siegte schließlich ohne Satzverlust. „Mima Ito hat Noppen auf der Rückhand und spielt gut gegen Abwehr. Meine Abwehr ist nicht sehr flach. Das kann sie nutzen und direkt schießen“, erklärte Han. Bei den Damen ist nun keine deutsche Akteurin mehr im Wettbewerb vertreten.

Einen außergewöhnlichen Lauf hat derzeit der Däne Anders Lind. In der ersten Runde hatte er erwartbar den Australier Hwan Bae aus dem Turnier befördert, danach besiegte er Japans Doppel-Weltmeister Shunsuke Togami. Und weil das nicht reichte, schickte er Samstag im Viertelfinale den nächsten Top-Star nach Hause: Lind dominierte stellenweise die Partie gegen Frankreichs Félix Lebrun, ging mit 3:0 in Führung. Zwar verkürzte Frankreichs Olympia-Held von Paris noch einmal auf 3:2, im sechsten Satz machte Lind dann aber Schluss. Der TTBL-Spieler von Borussia Dortmund hat den geteilten dritten Platz damit sicher. Am Sonntag wartet Ovtcharov-Bezwinger Matsushima auf den Dänen.