Campus 05.11.2025

„Wo ist Eva Lehmann?“ – Vernissage in der Hochschulbibliothek

Fulda – Von Janosch Hensel – Wo ist Eva Lehmann?“ – Dieser Frage widmet sich eine Vernissage der Hochschul-, Landes- und Stadtbibliothek Fulda, die am Dienstagabend am Standort Campus eröffnet wurde. Sie erinnert an das viel zu kurze Leben der jüdischen Schülerin Eva Lehmann aus Fulda, die in der Zeit des Nationalsozialismus deportiert und ermordet wurde.

Foto: Janosch Hensel

Unter Anleitung der Berliner Comiczeichnerin Elke Renate Steiner setzten sich Schülerinnen und Schüler der damaligen Q1 der Rabanus-Maurus-Schule in einem mehrtägigen Workshop kreativ mit der Geschichte Lehmanns auseinander – eine Geschichte ähnlich der von Anne Frank, dem wohl bekanntesten Opfer des Holocausts: Ebenso wie Frank wurde Lehmann von den Nationalsozialisten verfolgt und deportiert, die Fuldaerin verstarb letztendlich im Konzentrationslager Stutthof östlich von Danzig.

Zum Workshop gehörte auch ein Stadtrundgang unter der Führung von Anja Listmann, der Beauftragten für jüdisches Leben der Stadt Fulda, der die Schülerinnen und Schüler zu verschiedenen Punkten aus Eva Lehmanns Leben in Fulda führte, darunter der ehemalige Wohnort in der Heinrichstraße 15. Entstanden sind bewegende Comic-Erzählungen, die das Unsagbare sichtbar machen und zum Nachdenken über Erinnerung, Menschlichkeit und Verantwortung anregen. „Die ehemalige Leiterin der Hochschulbibliothek, Dr. Jana Schütte, hatte damals die Idee, etwas zu Anne Frank zu machen, da sich ihr Todestag wieder einmal gejährt hätte“, erläuterte Constanze Schneider, Vorsitzende des Fördervereins der Hochschulbibliothek, zur Entstehung des Projekts: „Anja Listmann hat dann gesagt: Warum Anne Frank? Wir haben ja Eva Lehmann in Fulda, die die genau gleichen Lebensdaten hat wie Anne Frank und eine ähnliche Geschichte, die allerdings weitgehend unbekannt ist.“ Für die Umsetzung der Idee seien Schneider und Co. dann auf die Berliner Comiczeichnerin Elke Renate Steiner gestoßen, deren Idee es war, für das Projekt Schülerinnen und Schüler mit ins Boot zu holen. „Und da haben sich dann Andrea Trapp und Ulrich Hrasky von der Rabanus-Maurus-Schule bereit erklärt, die Idee mit ihren Grundkursen umzusetzen“, so Constanze Schneider.

Der Abend wurde passenderweise vom Musikensemble der Rabanus-Maurus-Schule eröffnet, das mit einer eindrucksvollen Interpretation des „Theme from Schindler’s List“ von John Williams eine eindringliche Atmosphäre schuf. Constanze Schneider führte anschließend in das Thema ein und dankte den beteiligten Schulen, Künstlerinnen und Unterstützern für ihr Engagement. Musikalisch umrahmte der Chor der Rabanus-Maurus-Schule die Veranstaltung mit den Liedern „What Was I Made For?” von Billie Eilish und „Human Heart“ von Chris Martin und Jacob Collier – beide sensibel arrangiert von Simon Kubisch. Die Lieder unterstrichen die emotionale Tiefe des Themas und sorgten für berührende Momente.

Der Abend endete mit einem gemeinsamen Rundgang durch die Ausstellung. Die Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit, zusammen mit den Schülerinnen und Schülern die vielschichtigen Bilder zu betrachten – Comics, die Empathie und Nachdenklichkeit ebenso ausdrücken wie die Hoffnung, Erinnerung lebendig zu halten.

Die Ausstellung „Wo ist Eva Lehmann?“ ist noch bis 20. Januar 2026 zu den regulären Öffnungszeiten der Bibliothek am Standort Campus zu sehen.

Vernissage „Wo ist Eva Lehmann?" in der Hochschulbibliothek. Fotos: Janosch Hensel