Fußball 02.11.2025

Vom Dorfplatz auf die große Bühne: Janika Balzer vor Bundesliga-Debüt

Blankenau (sim) – Ein ganz besonderer Moment für Janika Balzer: Am Montag wird die 24-jährige Schiedsrichterin der SG Blankenau erstmals in der Frauenfußball-Bundesliga im Einsatz sein. Beim Spiel SC Freiburg gegen RB Leipzig im Dreisamstadion wird sie als zweite Assistentin auflaufen – der Höhepunkt einer beeindruckenden Laufbahn, die auf dem kleinen Kunstrasenplatz in Haimbach begann.

Janika Balzer (Mitte, gelbes Trikot) vergangene Woche beim U23-Frauen-Länderspiel in Fulda. Foto: Christine Görlich

„Eigentlich ist die Geschichte, wie alles anfing, ganz witzig“, erinnert sich Balzer. Ihr Opa war Schiedsrichter, und sie begleitete ihn oft auf den Sportplatz. „Er ist der wichtigste Mensch für mich. Alleine für ihn wollte ich es machen.“ Ein kleiner Schubs vom Großonkel – dem Bruder ihres Opas – brachte schließlich den entscheidenden Impuls: Er meldete sie einfach an. „Ich war ihm nie böse, im Gegenteil – ich habe es dann einfach durchgezogen.“ Ihr erstes Spiel leitete sie in der D-Jugend auf einem kleinen Kunstrasenplatz in Haimbach. „Ich war nie schüchtern, aber ich merkte schnell: Das ist genau das Richtige für mich. Jedes einzelne Spiel hat mich geprägt und zu der Person gemacht, die ich heute bin.“

Die ersten zwei Jahre leitete Balzer Spiele in allen Jugendklassen von der D- bis zur B-Jugend. „Die Spieler waren oft in meinem Alter – und nicht immer einfach. Man muss sich ein dickes Fell zulegen, gerade gegenüber Eltern, die nicht immer fair reagieren. Ich habe oft gezweifelt, ob ich das durchhalte. Aber es hat mich stärker gemacht.“ Bald zog es sie in den Herrenbereich, wo sie auf neue Herausforderungen stieß. „Diese Herausforderung hat mich beansprucht – das hat mich wirklich hinterfragen lassen. Ich habe aber gelernt: Ich kann das schaffen, ich muss nur die Zähne zusammenbeißen.“ Unterstützung erhielt sie dabei vor allem von ihrem Opa, der jedes Spiel, bis sie 18 war, mit ihr erlebte und sie „coachte“.

2020 ging es für Balzer sportlich weiter: Sie erhielt Einsätze in der Frauen-Regionalliga und ist seitdem als Assistentin in der zweiten Frauen-Bundesliga aktiv – mittlerweile in ihrer fünften Saison. Im Herrenbereich stieg sie bis in die Gruppenliga auf und sammelte parallel in der Hessenliga Erfahrungen als Schiedsrichterassistentin bei Herren-Spielen. 2024 stand Balzer schließlich vor einer wegweisenden Entscheidung: die Spezialisierung auf die Assistentenrolle. „Ich habe viel abgewogen, weil mir beide Bereiche Spaß machen. Letztlich war die Spezialisierung der richtige Schritt, und ich bereue es nicht.“

Zahlreiche besondere Momente haben Balzers bisherige Laufbahn geprägt. Ein Höhepunkt steht nun bevor: ihr Bundesliga-Debüt. „Ich freue mich unfassbar darauf, im Dreisamstadion aufzulaufen. Die Aufmerksamkeit und die Qualität in der Frauen-Bundesliga nehmen stetig zu, und es spielen bekannte Namen – das ist einfach cool“, sagt sie über diesen bevorstehenden Einsatz. Besonders für sie persönlich: Das Spiel wird im Free-TV auf Sport1 ausgestrahlt. „Freiburg ist nicht ganz um die Ecke, so kann es dann trotzdem jeder sehen“ sagt Balzer.

Ihr Weg wäre ohne die Förderung durch erfahrene Kollegen und den Zusammenhalt im Schiedsrichterkreis kaum denkbar gewesen. „Dennis Meinhardt und Markus Klimek haben mich auf meinem Weg Richtung Gruppenliga unterstützt, Klaus Holz und Timo Wlodarczak bei den Schritten in der Hessenliga. Mein Opa hat mich immer begleitet – ohne ihn wäre ich nicht hier.“

Neben der Schiedsrichtertätigkeit arbeitet Balzer als Notfallsanitäterin beim DRK. Durch flexible Schichtplanung und die Unterstützung ihrer Kollegen ist es ihr möglich, sich intensiv auf die Spiele vorzubereiten und diese auch wahrzunehmen. „Das klappt nur durch das Team dahinter“, sagt sie.

Der erste große Einsatz vor heimischem Publikum war bereits ein Vorgeschmack: Beim Frauen-U23-Länderspiel Deutschland gegen England am 23. Oktober standen über 3000 Zuschauer im Stadion. „Das war etwas ganz Besonderes. Viele Bekannte waren wegen mir da, und es hat riesigen Spaß gemacht.“

Mit dem Bundesliga-Debüt reiht sich Balzer in eine kleine, aber feine Reihe ein: Sie ist die dritte Schiedsrichterin aus dem Kreis Fulda, die den Aufstieg in den DFB-Bereich geschafft hat – neben Martina Storch-Schäfer, jahrelange Bundesliga-Schiedsrichterin und FIFA-Assistentin, und Sabine Stadler aus der 2. Bundesliga.

„Allen kann ich nur mitgeben: Dran bleiben lohnt sich. Sucht euch jemanden im Schiedsrichterkreis, mit dem ihr Spiele besprecht, euch austauscht, das Positive mitnehmt und aus Fehlern lernt. Und vor allem: Glaubt an euch selbst“, sagt Balzer. Ihr Weg zeigt, dass Leidenschaft, Durchhaltevermögen und die richtige Förderung Türen öffnen – vom kleinen Dorfplatz in Haimbach bis auf die große Bundesliga-Bühne.