Ganz glücklich war KSV-Trainer Danny Overkamp nach dem Sieg dennoch nicht – angesichts der Tatsache, dass das Spiel unbedingt auf dem Rasen durchgebracht werden sollte und Verletzungsgefahr bot. Silas Hagemann verletzte sich dann tatsächlich an der Leiste, nach einem Wegrutschen machte er fast einen Spagat. Bei Steinbach traf es vor der Pause schon Jannis Kehl, der offenbar ebenfalls keinen Stand hatte. „Ich weiß nicht, ob sie sich damit einen Gefallen getan haben. Steinbach ist auch eine Mannschaft, die Fußball spielen will“, so Overkamp: „Den Platz muss man heute mal ansprechen. Ich habe selten so einen schlechten Rasen gesehen“. Allerdings war der KSV-Coach auch sportlich fair und ließ das Spiel Revue passieren: „Hintenraus wäre sogar ein Unentschieden verdient gewesen. Steinbach war mit Bad Soden schon der beste Gegner in den letzten Wochen“.
Der KSV ging nach zehn Minuten bereits mit dem ersten gefährlichen Schuss in Führung, Hagemann traf aus etwas über 20 Metern bei glitschigen Platzverhältnissen. Danach kam aber Steinbach etwas stärker auf, versuchte es hier und da ebenfalls mit Fernschüssen, aber ohne Erfolg. Mitten in diese Phase hinein schlug Kassel wieder zu, nach einer abgewehrten Ecke verwertete Bader Boukhatem den Flankenball. Der SVS gab sich aber noch nicht geschlagen und kam abermals druckvoll aus der Kabine. Ein Aktivposten war Homan Halimi nach seiner Einwechslung, der dann das Spiel mit dem Anschlusstreffer eine Viertelstunde vor Ende nochmal scharf machte. Doch danach hielt Kassel die Gastgeber vom eignen Tor weg, Keeper Finn Sauer parierte die zwei, drei Bälle, die aufs Tor kamen, sicher.
„Es war eigentlich ein typisches Unentschieden-Spiel“, sagte Steinbachs Trainer Petr Paliatka nach der Partie, war aber alles andere als geknickt: „Natürlich ist das Ergebnis nicht das, was wir uns gewünscht haben. Aber es war auf so einem Platz Werbung für den Fußball. Wie beide gekämpft haben, 90 Minuten ging es hoch und runter. Keiner von den Zuschauern soll das bereuen, auch bei dem Wetter heute. Natürlich willst du lieber gewinnen, aber es fühlt sich gar nicht so sehr wie eine Niederlage an“. Bei Kehl gab Paliatka vorsichtige Entwarnung: Er habe sich gezerrt, „aber nichts Schlimmeres“, so der Trainer, der zugab, „dass das auch von draußen heute Spaß gemacht hat. Die Gegentore ärgern mich natürlich ein bisschen, aber die Jungs wissen selbst, dass sie ein super Spiel gemacht haben“.
Overkamp wiederum freute sich über jetzt fünf Punkte Vorsprung an der Spitze: „Das ist… wow: Wir hatten wieder eine sehr junge Mannschaft mit einigen 18-Jährigen auf dem Platz, die ja fast nur noch Kunstrasen kennen. Mittwochsabends hier in Steinbach zu bestehen, das zeigt Charakter“.
Steinbach: Pino Puig; Reichmann, T. Wiegand (46. Hildenbrand), F. Wiegand, Kehl (45. Hennighausen), Wittke (60. Ay), Koch (46. Halimi), M. Wiegand, Yanez (82. Kovac), Herbig, Reith.
Kassel II: Sauer; Kersting, Wagner, Karademir (65. Di Giglio), Eckhardt (65. Kanat), Schmeer, Hofert (90. Kniep), Boukhatem (77. Pagna), Stegmann, Schlüsselburg, Hagemann (70. Ljatifi).
Schiedsrichter: Philipp Keith (Arnstadt)
Tore: 0:1 Silas Hagemann (10.), 0:2 Bader Boukhatem (42.), 1:2 Homan Halimi (73.)
Zuschauer: 180
