„Bitter trifft es am besten“, sagte OSC-Trainer Mario Deppe nach Abpfiff niedergeschlagen: „Wieder haben wir einen Haufen Torchancen, haben ein super Spiel gemacht, fragen uns: Wie viele Nackenschläge denn noch?“. Schon in der Vorwoche verlor Vellmar spät und knapp mit 1:2 gegen den Primus aus Kassel. Doch Deppe schaute der Wahrheit ins Gesicht: „Die Tabelle lügt auch nicht: Wir haben zwölf Punkte und sind Drittletzter“.
Eine der Geschichten des Spiels: Eiterfelds Steven Rakk, der in Lichtenau noch gefehlt hatte, war schon beim 4:1-Hinspielsieg der SGEL in Vellmar stark aufgelegt und drehte das Spiel mit drei Buden, unter anderem einem Elfmeter. Diesmal waren nicht nur die Temperaturen gänzlich andere, sondern auch die Torfolge: Mit der ersten Aktion des Spiels traf Simon Schilling zur Eiterfelder Führung nach Eckball, wurde allerdings von den Gästen sträflich freigelassen. Rolf Sattorov konnte zwar schnell ausgleichen, doch danach scheiterte der OSC vor dem Tor an sich selbst: „Wir haben vier, fünf 100-Prozentige, die wir nicht machen“, haderte Deppe. Stattdessen schlugen die bisher heimschwachen Gastgeber vor der Pause zweimal zu, gingen durch eine Einzelaktion von Kevin Preis wieder in Führung und bekamen dann noch einen aus Vellmarer Sicht strittigen Elfer, den Preis-Cousin Rakk verwandelte. SGEL-Torschütze Schilling gab entsprechend zu: „15-20 Minuten war es gut, aber danach haben wir uns etwas ausgeruht. Vellmar hätte genauso 3:1 führen können und wir hätten uns nicht beschweren dürfen“.
Doch weder nach dem 1:3, noch nach dem 1:4 per Lupfer durch jenen Ex-Kasseler Rakk gab sich Vellmar geschlagen: Lukas Geisler und Sami Reimsche brachten den OSC wieder ran und läuteten eine wilde Schlussphase ein, in der der Ausgleich in der Luft lag: Poradas Versuch schlitterte am Außenpfosten vorbei, Geisler hob die Kugel über das Tor. Bis in die Nachspielzeit drückte Vellmar. „Das Spiel darfst du niemals verlieren“, fasste Deppe zusammen, der erneut mit dem letzten Aufgebot arbeiten musste: „Fußballerisch kann ich den Jungs keinen Vorwurf machen, die Präsenz war da. Aber im Verteidigen sind wir teilweise körperlos und halt etwas unerfahren“.
Tabellarisch baute Eiterfeld/Leimbach den Vorsprung auf Vellmar bis auf elf Punkte aus und riss ein Loch zwischen sich und die potenziellen Abstiegsplätze – und das mit dem erst zweiten Heimsieg der laufenden Runde. Schilling freute sich: „Wir haben endlich mal zwei Standardtore gemacht, daran haben wir die Woche auch gearbeitet“. Auch für die Fans freute sich der Defensivmann: „Wir haben vor dem Spiel gesagt: Es kann nicht sein, dass der letzte Heimsieg über drei Monate her ist“. Einen Wermutstropfen gab es aber mit der frühen, verletzungsbedingten Auswechslung von Phil Kramer.
Der Kunstrasen in Eiterfeld war mittags durch die Sonne schön abgetaut, allerdings fror es im zweiten Durchgang schon wieder etwas an: Eine Seite lag fast komplett im Schatten.
Eiterfeld/L.: Budenz; Preis, Kurz, Rakk (90.+3 Salzer), R. Köller (88. Katzer), Petrich, Winter (79. Wohlfeil), Kramer (19. Hilpert), Schilling, Yildiz (85. Pfalzgraf), Wolf.
Vellmar: Walter; Aydin (90. Koch), Scherer, Sattorov, Agyekum, Grefenstein, Schade, Geisler, Porada, Reimsche, Sen (82. da Silva).
Schiedsrichter: Tim Rüppel (Balhorn)
Tore: 1:0 Simon Schilling (4.), 1:1 Rolf Sattorov (16.), 2:1 Kevin Preis (43.), 3:1 Steven Rakk (45., Foulelfmeter), 4:1 Steven Rakk (54.), 4:2 Lukas Geisler (72.), 4:1 Sami Reimsche (81.)
Zuschauer: 120
