Fußball 13.11.2025

Spielklassenstrukturreform im HFV – Vereinsvertreter positiv gestimmt

Grünberg/Osthessen (pf/jah) – Geht es nun voran in Sachen Spielklassenreform? Hessens Verbandsfußballwart Matthias Schmelz stellte Anfang dieser Woche einige Ideen und Möglichkeiten der Umsetzung da, und zeigte auf, wie sich die Amateurfußball im Lande in den kommenden drei bis vier Jahren verändern könnte. Bei den Vereinsvertretern aus Osthessen kommen die Gedankengänge zumindest nicht schlecht an.

Wladimir Römmich (rechts) steht dem Vorschlag des Hessischen Fußballverbandes positiv gegenüber. Archivfoto: Christine Görlich

Das angedachte Pyramidensystem beinhaltet, dass zwischen Verbands- und Hessenliga eine zweigleisige Klasse eingeschoben wird, die nach Meinung vieler Landesliga heißen könnte. Unter der Hessenliga und beiden – möglicherweise – Landesligen soll es dann vier Verbandsligen und darunter acht Gruppenligen geben. Feste Staffelgrößen, zumindest unterhalb der Hessenliga, sollen für Planungssicherheit sorgen.

„Die Klassen, wie sie im Moment sind, haben sich bewährt. Aber was sich nicht bewährt hat, sind die Absteiger-Zahlen“, stellt Funktionär Berthold Helmke vom SV Steinbach fest. Die Steinbacher traf es in der Hessenliga regelmäßig: Es musste der „Rattenschwanz“ aus der dritten Liga runter im Auge behalten werden. „Das war kontraproduktiv. Teilweise stand am Saisonende für manche noch nicht fest, ob man die Klasse gehalten hat, oder nicht. Diese Regelung ist reformbedürftig“, findet Helmke.

In Sachen Einteilung soll es große Veränderungen geben, die ein Computer übernehmen soll: Nicht mehr stur nach Kreisen oder Regionen, sondern nach geographischen Gesichtspunkten, besser gesagt Entfernung und Fahrtstrecke beziehungsweise Fahrzeit. Auch hier das Beispiel Verbandsliga Nord: Fulda spielt seit Jahren mit Kassel in der Staffel. „In der Hessenliga sind wir überwiegend nach Süden gefahren, in der Verbandsliga jetzt nach Norden. Der Richtungswechsel war eklatant, aber von den Entfernungen her nehmen sich die Strecken nicht viel, ob nach Kassel oder Hanau – abgesehen von Ausnahmen wie Unter-Flockenbach oder Dietkirchen“.

Die Strecken, die beispielsweise der SC Willingen oder die SG Bad Soden in der Nord-Staffel nach Osthessen beziehungsweise Nordhessen regelmäßig absolvieren müssen, grenzen an Tagesaufgaben und stehen seit jeher zur Debatte. Das neue Pyramidensystem könnte die Strecken für die Vereine deutlich angenehmer machen – allerdings auf Kosten des ein oder anderen Derbys, beispielsweise für die Clubs, die in der zweigleisigen „Landesliga“ (der HFV nennt es „Ebene zwei“) spielen würden. Das wiederum würden, oder müssten, die Vereine in Kauf nehmen. „Insgesamt sind da gute Überlegungen dabei, vor denen wir unsere Arme nicht verschränken“, gibt auch Marius Sievers, sportlicher Leiter des SV Flieden an. Die Buchonia sehe selbst an ihrer zweiten Mannschaft, wie wichtig fixe Absteiger-Zahlen sein können: „Wenn man das im Vorhinein weiß, erleichtert das die Arbeit und wäre ein Riesen-Vorteil zum Beispiel für die Gespräche im Winter“, lobt Sievers den Ansatz der besseren Planbarkeit. Auch die Umsortierung nach geographischen Gesichtspunkten sei nicht verkehrt, und auch die Buchonia nennt das Beispiel Willingen: „Damit wollen wir keinem zu nahetreten. Aber bei solchen Auswärtsspielen ist gefühlt das ganze Wochenende weg. Andersrum gilt es ja für sie genauso“.

Ähnlich sieht das Wladimir Römmich, zweiter Vorsitzender der SG Bad Soden: „Es war schon immer etwas fragwürdig, dass beispielsweise Salmünster dem Raum Frankfurt zugeordnet wird und wir dem Norden.“ Nicht nur was die Fahrzeiten und Logistik anbelange, seien Reisen für die Sprudelkicker in den Norden des Bundeslandes kompliziert – und ebenso wie Marius Sievers spricht auch Wladimir Römmich Gastspiele beim SC Willingen an: „Es macht für uns auch einen großen Unterschied in Sachen Spielerakquise. Wir hatten in der Vergangenheit immer wieder Spieler, die sich für andere Vereine entschieden haben, weil für Auswärtsspiele wie in Willingen  ein kompletter Tag drauf geht.“ Letztlich hänge aber alles von der finalen Einteilung ab, wie der zweite Vorsitzende der Sodener betont: „Auch mit der Reform ist es ja keineswegs sicher, dass diese Themen dann vom Tisch sind. Deswegen lässt sich das final noch gar nicht bewerten. Aber grundsätzlich stehen wir dem ganzen positiv gegenüber. Es ist gut, dass sich Gedanken gemacht werden. Wir sind offen für Neues – auch wenn natürlich am Ende nie alle zufrieden sein werden.“ Den potenziellen Wegfall des ein oder anderen Derbys sieht Römmich dagegen nicht negativ: „Ich denke, dass das Thema Derby nie aussterben wird. Je nach Einteilung haben wir dann vielleicht Duelle mit Hanauer Vereinen, Erlensee oder Alzenau.“