Wobei Bürgermeister Wehner darauf hinwies, dass die Stadt höhere Kosten beim Mittagsessen teilweise selbst trägt: „Wir wollen nur die Mehrkosten weitergeben, die durch den Einkauf des Essens entstehen. Der Wert eines guten Essens sollte auch durch die Eltern anerkannt werden.“ Dem folgt der Ausschuss einstimmig bei Enthaltung der SPD. Marie-Louise Puls (Grüne): „Die Erhöhung schmerzt.“ Da es aber um gutes Essen gehe, stimme ihre Fraktion zu.
Schon in der Sitzung wurde ein Antrag der SPD als erledigt betrachtet. Robert Vey hatte gefordert, eine Studie zur fachärztlichen Versorgung in Fulda erstellen zu lassen: „Viele Bürgerinnen und Bürger erhalten trotz Überweisung durch den Hausarzt keinen Facharzttermin. Wenn es gelingt, einen Termin zu bekommen, haben diese häufig einen monatelangen Zeitverzug.“ Dies ungeachtet davon, dass die Kassenärztliche Vereinigung (KV) von einer Versorgung von über 100 Prozent in der Stadt ausgehe. Vey stellte die Frage im Antrag, ob es vielleicht im Sinne der Ärzte als Mitglieder der KV sei, dass es keine weiteren Arztsitze geben soll. Dag Wehner versprach einen Bericht noch in der Sitzung: „Gefühlt ist das Thema in jeder zweiten Stadtverordnetenversammlung Thema.“ In seinem Bericht bestätigte Wehner, die Versorgungszahlen entsprechen den Kriterien der KV mit bis zu 136 Prozent. Momentan sei im Stadtgebiet nur ein Sitz für einen Nervenarzt frei. Die von der SPD geforderte Studie soll von der Hochschule erstellt werden, wozu schon erste Abstimmungen erfolgt seien. Abschließend wies Wehner auf ein Problem hin: „Wir machen eine medizinische Versorgung, die weit über die Grenzen der Stadt hinausgeht. Das Einzugsgebiet der Stadt beträgt rund 150.000 Personen und das des Klinikums 500.000. Dabei machen wir weit mehr, als wir gesetzlich müssen.“ Gleichzeitig ermögliche da System der KV es aber nicht, freie Arztsitze aus dem Landkreis in die Stadt zu übertragen – wobei es auch im Landkreis bisher solche fast nicht gibt.
Von den rund 20 Haushaltsanträgen, welche in der Sitzung behandelt wurden, verursacht nur einer eine direkte Erhöhung eines Haushaltsansatzes. Für 5000 Euro soll auf Antrag der CDU am Aschenberg wieder eine Kinderschaukel aufgestellt werden. Diese war bei der Neugestaltung entfallen, was von den Eltern dort kritisiert wurde.
Abgelehnt wurde ein Antrag der SPD, Senioren probeweise für Zeitraum von drei Jahren auf Antrag die Kosten eines Jahrestickets für den ÖPNV zu erstatten, „wenn sie auf ihren Führerschein verzichten“. Stefan Euler (CDU) hatte dazu errechnet, dass dies die Stadt bis zu 150.000 Euro kosten könnte. Ausschussvorsitzende Dorothee Hauck-Hiersch ergänzte: „Nicht alles, was schön ist, können wir uns auch leisten.“ Einzig die Grünen stimmten neben der SPD zu, auch wenn Marie-Louise Puls die Sozialkomponente im Antrag fehlte, „für Menschen, die sich vorher kein Auto leisten konnten“. SPD und Grüne waren wiederum die einzigen, die dem SPD-Antrag zustimmten, die Stadt solle sich darum bemühen, dass am Klinikum Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt werden können. Dr. Sebastian Koch (FDP) wies darauf hin, dass der Antrag falsch adressiert sei: „Sie müssen sich erst einmal ans Klinikum wenden.“ Puls hatte dies getan und keine Antwort erhalten. Sie hielt den Antrag für wichtig, da Frauen für einen Schwangerschaftsabbruch aktuell bis Frankfurt oder Kassel fahren müssten.
Fulda wird die Bewerbung um den Titel „Europäische Jugendhauptstadt 2030“ auf Antrag der FDP prüfen, um „ihr Engagement für junge Menschen, Partizipation und nachhaltige Stadtentwicklung auf europäischer Ebene zu stärken und sichtbar zu machen“. Sebastian Koch wünschte dies auch, weil bisher keine deutsche Stadt diesen Titel trug: „Wir haben als Stadt bewiesen, dass wir auch größere Veranstaltungen durchführen können.“ Der Antrag fand einstimmige Zustimmung. Nur Volker Büchel (Grüne) fand nicht nur lobende Worte: „Wieder so etwas, wo Erwachsene sich überlegen, was für Jugendliche gut ist. Die Jugend sollte von Anfang an mit eingebunden werden.“
Nicht einmal die Zustimmung der von der Partei entsandten Abgeordneten Dr. Bettina Licht (gewählt für die Linke), die sich als enthielt, fand der einzige AfD-Antrag an dem Abend. Für das Projekt „Jugend trifft Stadtverordnetenversammlung“ sollten Mittel bereitgestellt werden, um nach der Kommunalwahl im nächsten Frühjahr in einer Veranstaltung im Schlosshof den Fraktionen die Möglichkeit zu geben, mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. Die AfD in ihrer Begründung: „Das Vorhaben dient der politischen Bildung, der Nachwuchsförderung und der Stärkung des Demokratiebewusstseins.“ Puls fand den Antrag „grottig“: „Das hört sich für mich danach an, als ob die AfD dort ihren Wahlkampf fortsetzen will.“ Bettina Licht fand es „schön, wenn da ein Austausch stattfinden kann“ und Stefan Euler meinte: „Es braucht so eine Veranstaltung nicht“.
