In jedem Fall dürfte Trainer Daniyel Cimen, der erkrankt zuhause bleiben musste, ein Stein vom Herzen gefallen sein: Ende August hatte die SGB zum ersten und bisher einzigen Mal in dieser Regionalliga-Saison zu null gespielt (3:0 gegen Bahlingen), nun gelang das ausgerechnet auf der Waldau, im ältesten, noch regelmäßig bespielten Fußballstadion der Nation. „Nach dem Elfer hatte ich für mich das Gefühl, dass es für Stuttgart sehr schwer wird, ein Tor zu schießen“, gab SGB-Co-Trainer Marcel Niesner nach der Partie zu – und sollte Recht behalten. Die Fuldaer drehten das 0:1 aus dem Hinspiel um und feierten einen eminent wichtigen Sieg zum Rückrundenstart. „Wir wussten, dass hier eine extreme Wucht auf uns wartet und es ein Kampf wird, aber wir haben uns in alle Bälle reingeworfen“, war Niesner auf der Pressekonferenz stolz.
Anders war die Stimmungslage natürlich auf der Gegenseite: Kickers-Trainer Marco Wildersinn verlor mit seiner Mannschaft drei von vier Spielen im November. „Wir hatten Möglichkeiten, den Konter zu unterbinden“, sprach er das entscheidende Tor durch Moritz Dittmann an, das übrigens mitten in eine stille Phase hinein fiel, weil die Fans der Blauen den bundesweiten Protest aufgriffen, sogar die SGB-Anhänger machten mit. „Das macht viel mit dem Kopf, wir sind dann aber gut damit umgegangen und konnten ausgleichen. Da müssen wir uns vorwerfen, dass wir das Tor nicht gemacht haben“, so Wildersinn.
Marcel Niesner wiederum, der die Gegneranalyse intensiv betrieben hatte, stellte fest, dass die Kickers gegen Fulda mit sieben U23-Spielern aufgelaufen waren. Der SGB-Co-Trainer outete sich als „Freund davon“ und sagte: „Das ist beneidenswert. Fußball wird auch mit dem Kopf gespielt, aber man sieht trotzdem die Qualität“. Auch die 1:3-Pleite der Stuttgarter zuvor in Aspach habe „nicht viel“ mit dem Endergebnis zu tun gehabt, so Niesner, der sich für seine Mannschaft wiederum freuen durfte: „In der Saison war es uns nicht so oft vergönnt, in guten Phasen zu treffen. Wir lagen oft 0:1 hinten, diesmal hat uns das Tor nochmal Kraft und Glauben verliehen“. Am Ende sei es ein „dreckiger Sieg“ gewesen.
Währenddessen erlebte Fuldas Torhüter Samuel Zapico ein gänzlich anderes Spiel auf der Waldau als noch vor rund einem Jahr beim 2:2: Damals sah er nach Abpfiff Gelb-Rot, weil er zum Beten in Richtung Kickers-Fans auf die Knie fiel, was der Schiri ahndete. Ein Einspruch der SGB gegen die Sperre wurde abgewiesen. Nun beorderte ihn das Trainerteam kürzlich zur Nummer eins bis zur Winterpause, Zapico hielt einen Elfer und sein Team mit weiteren Paraden im Spiel.
Apropos Einspruch: Es gab eine Gelbe Karte gegen Moritz Dittmann (die fünfte der Saison), die aber für Fragezeichen sorgte. „Auf den Bildern war klar ersichtlich, dass Basti Schmitt das Foul gezogen hat“, sagt Trainer Daniyel Cimen. Die SGB ging nun offiziell dagegen vor und hofft, Dittmann vor einer Sperre bewahren zu können. Cimen selbst war übrigens über die 90 Minuten mit Co-Trainer Yasin Kocatepe im Ohr verbunden, verfolgte das Spiel im Stream. „Es war etwas schwierig, weil er 40, 50 Sekunden im Voraus war“, schmunzelt der wiedergenesene Chefcoach: „Aber wir sind natürlich super froh, dass wir diesen Sieg endlich eingefahren haben, nachdem es zuvor wenige Spiele gab, wo wir wirklich ein verdienter Verlierer waren“.
