Lokales FD 18.11.2025

Region Fulda zeigt Kraft von Netzwerken - Hessische Grüne auf Tour

Fulda – Von Silas Messing – Hessen steckt voller Ideen – und ein großer Teil dieser Innovationskraft entfaltet sich abseits der Metropolregionen. Das wurde am Montagnachmittag besonders deutlich, als die Startup-Tour der hessischen Grünen in Fulda Halt machte. Der Fraktionsvorsitzende im Landtag Mathias Wagner und die wirtschaftspolitische Sprecherin Kaya Kinkel informierten sich bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Region Fulda über die lebendige Gründerszene in Osthessen und darüber, welche Bedingungen junge Unternehmen hier vorfinden.

Foto: Silas Messing.

Mit dabei waren unter anderem Martin Räth (IHK Fulda), Dr. Kerstin Wingenfeld von den Fuldaer Grünen, sowie Christoph Burkard, Pia Groß, Florian Albinger und Katharina Most, die das regionale Netzwerk seit Jahren prägen und an der Weiterentwicklung der lokalen Startup-Szene arbeiten. Die Region Fulda präsentierte sich dabei selbstbewusst und gut vernetzt – und vor allem als eigenständige Kraft innerhalb des Landes. „Wir sind Osthessen. Und so fühlen wir uns auch und so agieren wir auch“, brachte es Region Fulda-Geschäftsführer Christoph Burkard auf den Punkt: „Wir gehören zwar formal zu Nordhessen, aber wirtschaftsförderungstechnisch machen wir unser eigenes Ding.“

 

Eigenständige Strukturen und engagierte Netzwerke

Bereits seit Jahren arbeitet die Region Fulda auf einem Niveau, das vergleichbar ist mit größeren Regionalmanagements in Nord- und Mittelhessen. Mit insgesamt 15 Mitarbeitenden deckt sie nahezu alle Bereiche der Wirtschaftsförderung ab – mit einer Ausnahme: „Wir machen hier alles außer Tourismus“, sagte Burkard mit einem Schmunzeln. Stadt Fulda, Landkreis Fulda und die IHK sind zu gleichen Teilen Gesellschafter. Dieses Zusammenspiel funktioniere, wie Burkard betonte: „Alle drei ziehen an einem Strang. Das ist eine wichtige Voraussetzung – sonst würde es nicht funktionieren.“ Für Wagner und Kinkel war es ein Einblick in eine Region, die ihre wirtschaftliche Entwicklung aktiv gestaltet und zugleich eng mit Unternehmen, Verbänden und der Hochschule zusammenarbeitet. „Wir wollen erfahren, was die Gründerinnen und Gründer brauchen und wo wir politisch ansetzen können“, erklärte Wagner: „Fulda zeigt eindrucksvoll, wie viel Kraft in regionalen Netzwerken steckt.“

 

Gründungsgeist mit Herzblut: Green Food Cluster, Gründerstammtisch und mehr

Besondere Aufmerksamkeit galt beim Besuch dem Green Food Cluster, einem hessischen Netzwerk für die Lebensmittelwirtschaft, das in Fulda entstanden ist. Albinger und Most stellten vor, wie das Cluster Startups und Mittelständler entlang der gesamten Wertschöpfungskette verbindet – „vom Feld bis auf den Teller“ ist das Motto. Regelmäßige Infoveranstaltungen, Pilotprojekte wie Testlistungen in Tegut-Filialen sowie eine enge Kooperation mit der Hochschule Fulda sorgen dafür, dass neue Ideen schnell umgesetzt werden können. Aktuell zählt das Netzwerk rund 30 Mitglieder, weitere sollen dazukommen.

Auch andere Formate stoßen auf große Resonanz: Gründerstammtisch – monatlich an wechselnden Orten, oft mit über 50 Teilnehmenden. Mentorenprogramm – unkomplizierter Austausch zwischen erfahrenen Unternehmerinnen und jungen Gründerinnen. Readiness-Workshops, Hackathon Fulda, Female-Founder-Veranstaltungen, sowie der Creative Business Cup, der Fulda sogar internationale Gründungskontakte beschert. „Wir sind froh, auch mal aus dem Landtag rauszukommen und das wahre Leben zu sehen“, sagte Wagner mit Blick auf das große Angebot.

 

Regionale Wurzeln, kurze Wege – Fulda nutzt seine Stärke

Ein weiterer Punkt, der im Gespräch deutlich wurde: Die meisten, die hier Gründungsarbeit leisten, sind in der Region verwurzelt. „Wir sind alle Fuldaer – und wir sind gern hier“, sagte Groß, die seit sechs Jahren in der Kultur- und Kreativwirtschaft tätig ist. Die Vorteile der Region sieht sie in der Nähe der Menschen zueinander: Man kenne sich aus Schule, Vereinen, Studium oder Elternbeirat. Das erleichtere Informationswege, Kooperationen – und Entscheidungen. Gleichzeitig wurde auch klar, wo Herausforderungen liegen: zu wenige Gründer, hoher Nachfolgebedarf in Betrieben, teils komplizierte Strukturen an der Hochschule. Viele wünschten sich mehr Ansprechstellen, mehr Raum für Inkubator-Angebote und mehr Mut zur Flexibilität.

 

Fulda sendet ein starkes Signal

Für die Gäste aus Wiesbaden war der Besuch ein zentraler Baustein der landesweiten Startup-Woche. Kinkel, die seit Jahren im Landtag die Themen Wirtschaft und Energie begleitet und selbst aus dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg stammt, nutzte die Gelegenheit für ein klares Statement: „Wir reden viel über Transformation – aber ohne neue Ideen und Gründungen schaffen wir sie nicht. Regionale Initiativen wie hier in Fulda sind dafür unglaublich wertvoll.“ Am Ende stand die Erkenntnis: Fulda braucht den Vergleich mit größeren Regionen nicht zu scheuen. Die Szene ist aktiv, vernetzt – und wird mit viel Herzblut getragen.

Startup-Tour macht Station in Fulda. Fotos: Silas Messing.