Dass aus dieser spontanen Bewunderung einmal ein eigener Weg werden würde, beginnt eigentlich weit früher. „Ich komme ursprünglich aus der Textilbranche, ich habe Mode- und Textilmanagement studiert. Über meine Großeltern bin ich an die Kindermode gekommen – da war das schon immer Thema“, erzählt Keller-Kauffmann Beruflich führte es sie zunächst in eine ganz andere Richtung: Viele Jahre war sie im Vertrieb im Raum München tätig. Erst 2017 zog sie nach Fulda – und kam dort in Kontakt mit Bambolino.
Ein direktes Anklopfen bei Brigitte Remmy, der Geschäftsinhaberin, traute sie sich nie. „Das fand ich persönlich etwas plump“, sagt sie und lacht. Stattdessen hinterließ sie gelegentlich kleine Hinweise. „Ich habe immer mal wieder einen Zettel bei einer Mitarbeiterin abgegeben – und gesagt, dass sie sich gern melden dürfen, falls der Laden irgendwann abgegeben werden soll.“ Als schließlich der Anruf kam, habe es kaum Überlegung gebraucht, so die künftige Inhaberin: „Mir war recht schnell klar, dass ich das mache. Eigentlich wollte ich nie in den Einzelhandel, aber manchmal muss man eine Chance einfach ergreifen.“
Nun steht ihr der größte Schritt bevor: Der Laden wird komplett ausgeräumt, umgebaut und neu eingerichtet: „Ab dem 15. Januar geht einmal alles raus und dann wieder rein. Wir möchten ein modernes und gemütliches Einkaufserlebnis schaffen.“ Der Name bleibt, die Seele des Ladens auch – doch das Angebot wird erweitert. „Bei mir wird es in Zukunft Größen zwischen 50 und 164 geben“, sagt Keller-Kauffmann. Einen Teil habe sie bereits eingekauft: „Ich möchte vieles aus dem alten Sortiment beibehalten, aber auch eigene Akzente setzen. Dazu gehören Accessoires, Krabbelschuhe, Gummistiefel, Haargummis und Stofftiere – einfach alles, was man sich für Kinder vorstellen kann.“
Dabei denkt Keller-Kauffmann nicht nur an Eltern. „Ich möchte ein breites Publikum ansprechen – auch den Opa, die Tante oder jemanden, der ein Geschenk sucht. Es soll leicht sein, bei uns fündig zu werden.“ Die beiden bisherigen Mitarbeiterinnen bleiben ebenfalls im Team. „Vieles Alte bleibt bestehen – sogar die Mitarbeiterinnen“, betont sie.
Auch digital will die neue Inhaberin neue Wege gehen: „Wir werden mehr auf einen Instagram-Account setzen und künftig auch einen Online-Shop ausprobieren. Damit möchten wir die jüngere Generation erreichen.“ Gleichzeitig ist ihr wichtig, dass die Stammkundschaft sich wiederfindet: „Ich möchte die alten Kunden weiterhin glücklich machen – aber auch alle, die neu neugierig auf den Laden sind.“
Die Wiedereröffnung am 28. Februar soll ein kleines Fest werden. „Wahrscheinlich gibt es Luftballons, Popcorn – ein bisschen Programm für die Kinder“, sagt sie: „Es wird bestimmt ein schön chaotischer, aber fröhlicher Tag. Ein Tag, der zeigen soll: Kommt gern jederzeit wieder.“
Und warum heißt der Laden Bambolino weiterhin so? Ihre Antwort kommt ohne Zögern: „Der Name hat sich über Jahrzehnte einen Ruf gemacht. Den werde ich übernehmen, damit ich Brigittes Lebenswerk in Ehren halte.“ Für Keller-Kauffmann ist der Laden viel mehr als eine berufliche Entscheidung. Es ist ein Stück Herzenssache – und der Beginn eines neuen Kapitels in einer über 75-jährigen Fuldaer Geschäftsgeschichte.
„38 Jahre mein Herzblut“ – Remmy verabschiedet sich von Bambolino
