Bereits beim Get-Together im Foyer zeigte sich, was den Abend prägen sollte: Regionalität, bewusster Konsum und persönliches Engagement. Bei Säften und Sekt kamen Preisträger, Jury und Gäste miteinander ins Gespräch, bevor ein kurzer Film Einblicke in die Nachhaltigkeitsaktivitäten der RhönEnergie-Gruppe gab. Die Begrüßung übernahmen die Geschäftsführer Martin Heun und Dr. Arnt Meyer. Beide betonten die besondere Verantwortung von Unternehmen für eine nachhaltige Zukunft. „Der Schutz von Klima und Ressourcen beginnt vor Ort – und er braucht Menschen, die Mut haben, eigene Ideen umzusetzen“, sagte Heun.
„Nachhaltigkeit ist ein gesellschaftlicher Prozess“
Staatssekretär Michael Ruhl, Schirmherr des Preises, ging in seiner Ansprache auf die veränderten Rahmenbedingungen im Umwelt- und Klimaschutz ein. Die Diskussion habe sich in den vergangenen Monaten spürbar verschoben, erklärte er. Wirtschaftliche Erholung und Kostenfragen rücken stärker in den Fokus, während der Druck des Klimawandels unvermindert anhalte. „Die Spannung zwischen Klimaschutz und Bezahlbarkeit ist größer geworden“, so Ruhl.
Gerade deshalb brauche es Menschen, die kreative Wege finden, nachhaltiges Handeln in ihren Alltag und ihre Projekte zu integrieren. „Nachhaltigkeit ist kein Programm, das man verordnen kann. Sie lebt davon, dass viele sie mit Leben füllen“, fasste er zusammen. Jurymitglied Prof. Karim Khakzar würdigte anschließend die Vielzahl der Einreichungen. Die Projekte zeigen, dass Nachhaltigkeit in Osthessen längst praktischer Alltag sei. „Es beeindruckt, wie viel Expertise, Leidenschaft und Kreativität in unserer Region steckt“, sagte Khakzar. Die drei Preisträger seien Beispiele dafür, wie aus Herausforderungen Chancen werden können.
Die prämierten Initiativen
Erster Platz: Wald-AG der Albert-Schweitzer-Schule Alsfeld – gelebter Artenschutz
Der erste Preis ging an die Wald-AG der Albert-Schweitzer-Schule Alsfeld. In Zusammenarbeit mit HessenForst haben Schülerinnen und Schüler ein altes Steinbruchhäuschen zu einem Artenschutzhaus umgestaltet. Entstanden sind neue Lebensräume für Fledermäuse, Schleiereulen, Reptilien und Amphibien. Ein Film zeigte den Weg vom ersten Spatenstich bis zum fertigen Projekt.
Staatssekretär Ruhl lobte die Initiative als „vorbildliches Beispiel dafür, wie Bildung, Naturschutz und Gemeinschaft ineinandergreifen können“. Vertreter der Schule erklärten, dass sie mit dem Preisgeld einen Biotoptümpel anlegen möchten – ein weiterer Beitrag zur Artenvielfalt auf dem Schulgelände.
Zweiter Platz: Emmas Unverpackt Fulda – ein Laden für bewussten Konsum
Der zweite Preis ging an den komplett ehrenamtlich geführten Unverpackt-Laden „Emmas Unverpackt“. Der Verein bietet regionale Produkte ohne unnötige Verpackung an und reduziert Müll um bis zu 85 Prozent. Der Laden versteht sich nicht nur als Einkaufsort, sondern auch als Treffpunkt und Bildungsstätte für bewussten Konsum.
„Wir möchten zeigen, dass nachhaltiges Einkaufen niedrigschwellig und gemeinschaftlich funktionieren kann“, sagte Jörg Oelmann, erster Vorsitzender von Emmas Unverpackt Fulda. Das Preisgeld soll in die Weiterentwicklung des Sortiments und in einige Projekte fließen.
Dritter Platz: „Alles voller Blumen“ – Slowflowers aus Maberzell
Den dritten Preis erhielt Annika Hennemuth aus Fulda. Sie baut auf einem kleinen Feld ökologisch Slowflowers an, verzichtet vollständig auf Chemie und Torf und produziert regionale Schnittblumen als Alternative zu häufig importierter Ware. Ein Film zeigte, wie sie biologische Vielfalt fördert und kurze Lieferketten nutzt. Hennemuth erklärte, dass sie das Preisgeld für eine Tröpfchenbewässerung einsetzen wolle: „Damit kann ich noch ressourcenschonender arbeiten.“
Grußworte aus der Region
Vize-Landrat Frederik Schmitt hob hervor, wie wichtig ehrenamtliches Engagement und der Mut zum Anpacken seien. Nachhaltigkeit müsse aus der Gesellschaft heraus wachsen – mit Projekten wie diesen, die andere inspirieren. Bürgermeisterin Dana Hauke und Landrat Dr. Jens Mischak betonten, dass nachhaltiges Handeln nur gemeinsam gelingen könne. „Unsere Region lebt von Menschen, die Verantwortung übernehmen“, so Hauke.
Ein Abend des Austauschs – und ein Blick in die Zukunft
Nach dem offiziellen Teil stellten die Geschäftsführer der RhönEnergie das hauseigene Blühwiesen-Projekt vor, begleitet von einer kurzen Videoeinspielung. Ein gemeinsames Gruppenfoto aller Preisträger rundete den feierlichen Teil ab. Beim Verlassen des Saales erhielten die Gäste Honiggläser aus den firmeneigenen Blühwiesen – ein kleines Zeichen für die Bedeutung intakter Ökosysteme.
Der Abend endete mit einem gemeinsamen Essen im Bistro 52, wo ein regionales Drei-Gänge-Menü serviert wurde. In ungezwungener Atmosphäre tauschten sich Gäste, Jury und Preisträger über neue Ideen, Herausforderungen und zukünftige Projekte aus. Deutlich wurde: Nachhaltigkeit wächst dort, wo Menschen zusammenkommen, sich austauschen und gemeinsam handeln. Oder wie Staatssekretär Ruhl es formulierte: „Nachhaltigkeit gelingt dort am besten, wo Menschen ins Gespräch kommen – und ins Tun.“
