Fünf Dinge fielen bei dieser Listenaufstellung ins Auge. Ganz weit vorn auf der Liste stehen Kandidaten, die jünger als 40 Jahre sind (zwei sind sogar unter 30 Jahre). Gerade die jüngsten Kandidat:innen fuhren die besten Ergebnisse ein. Die gehaltenen Bewerbungsreden waren packend und auf den Punkt und akzentuierten ganz verschiedene Bereiche der Kommunalpolitik. Und: Die Liste versammelt sehr unterschiedliche Köpfe mit sehr unterschiedlichen Lebenserfahrungen. Es gab keine Kampfkandidaturen, alle Kandidat:innen wurden auf den jeweils angestrebten Listenplatz gewählt.
Listenplatz eins eroberte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Marie-Louise Puls. Dass sie Verantwortung übernehmen kann, zeigte sie schon als Kandidatin im Bundestagswahlkampf 2025. Sie hielt eine leidenschaftliche Rede, in deren Fokus die Frage stand, dass und wie Fulda fit für die Zukunft werden könne. Puls nannte dabei die Nutzung des Gummi-Areals, das für die Stadt eine historische Chance darstelle, den notwendigen Wandel in der städtischen Wasserpolitik und die Aufgabe, junge Menschen nach Fulda zu holen und dort auch zu halten. „Auszubildende bleiben hier oft unsichtbar. Dabei sind sie die größte Bildungsgruppe. Warum heißen wir sie nicht genauso willkommen wie Studenten?“, fragte sie. Puls rief dazu auf, Fulda gemeinsam weiterzudenken, denn die Stadt könne nicht nur barock und wirtschaftlich, sondern auch innovativ und grün.
Auf Listenplatz zwei wurde Jochen Kohlert gewählt, der derzeit für die Grünen im Magistrat sitzt. Ihn bewegte die Frage, wie Fulda in 20 Jahren aussehen werde, gerade auch wegen seiner Kinder. „Denn die wissenschaftlichen Erkenntnisse sind klar: Der Klimawandel ist längst da und wird uns weitaus stärker betreffen, als viele derzeit annehmen.“ Das werde Auswirkungen auf Gesundheit, Infrastruktur und Sicherheit in der Stadt haben. „Sich darauf einzustellen ist kommunale Pflicht“.
Junge Kandidaten für mehr Zukunft
Auf Listenplatz drei und vier wurden Emily Best und Carl Vogel gewählt. Beide hielten kluge und engagierte Reden. Trotz ihrer erst 26 Jahre beschäftigt Emily Best sich schon seit 10 Jahren mit dem Klimawandel und schrieb ihre Examensarbeit über die „Potentiale von Bürgerbeteiligungen für lokale Klimaschutz- und Anpassungsstrategien“ – zu einem Zeitpunkt, in dem es zu diesem Thema gerade mal zwei wissenschaftliche Publikationen gab. Die aktuelle Bertelsmann-Studie hat sich mit dem Zusammenhang von Einsamkeit und gesellschaftlichem Zusammenhalt befasst, ein Thema, das Emily Best sehr wichtig ist: „Fast die Hälfte der jungen Menschen in Deutschland fühlt sich einsam, damit steigt das Risiko für politische Entfremdung und Radikalisierung signifikant. Denn einsame Menschen fühlen sich wesentlich häufiger von der Politik übersehen und werden empfänglicher für Populismus.“ An der Lösung dieses Problems müsste v.a. auf kommunaler Ebene gearbeitet werden, indem mehr günstige Freizeit- und Kulturangebote und kostenlose ‚Dritte Orte‘ angeboten würden.
Carl Vogel ist mit 22 Jahren sogar noch jünger und wurde von der Grünen Jugend nominiert. Sein Abitur legte er am Domgymnasium ab, und seine Zukunft sieht er in Fulda. Vogel studiert in Frankfurt Geschichte, Wirtschaft und Politik fürs Lehramt. „Trotz meiner jungen Jahre habe ich schon in viele gesellschaftliche Gruppen und Bereiche Einblicke bekommen und weiß, wie man sehr unterschiedliche Menschen verbinden kann.“ Seine thematischen Schwerpunkte sind Bildung, Sport und Kultur – ein Herzensanliegen ist ihm das Ehrenamt: „Es ist unglaublich wichtig, ehrenamtliche Strukturen nicht nur in Vereinen, sondern in breiten Bereichen weiter zu stärken.“
Auf den ersten zehn Listenplätzen für die Kommunalwahl 2026 stehen für Bündnis 90/DIE GRÜNEN: Marie-Louise Puls, Jochen Kohlert, Emily Best, Carl Vogel, Jutta Hamberger, Knut Heiland, Beate Tillmann-Mohr, Ernst Sporer, Christa Joa-Sporer und Ralf Schneider. Die gesamte Liste – die selbstverständlich paritätisch aufgestellt ist – wurde einstimmig angenommen.
Zum guten Schluss
Von ihm selbst so gewünscht steht auf dem letzten Listenplatz Walter M. Rammler, einfach, weil es ‚seine‘ Grünen sind: „Ich bin froh, dass so viele junge Leute auf der Liste stehen, und an einigen bin ich sogar ein bisschen mit schuld“, freute er sich. Bei Fuldas Meisterfotografen weiß man ohnehin: Egal wo auf der Liste er steht, sein Herz schlägt immer laut und vernehmlich grün!
Und: Die originellste und in diesem Fall auch quasi unausweichliche Frage wurde Ernst Sporer, Gründungsmitglied und Urgestein der Fuldaer Grünen gestellt: Was er denn tun würde, wenn die Friedrichstraße tatsächlich einmal autofrei würde – ein Antrag, den die Grünen seit Anfang der 90er Jahre jährlich wiederholen und der jedes Mal aufs Neue von der Mehrheitsfraktion abgelehnt wird. Seine Antwort: „Dann fahre ich mit dem Skateboard durch die Friedrichstraße. Mit zwei Stöcken.“
