Klaus Becker, Vorstand des Fördervereins, begrüßte die 200 Anwesenden in der Aula der Alten Universität zu der ausverkauften Veranstaltung und wünschte ihnen einen „interessanten Abend voller Austausch und Gespräche.“ Nach dem rund einstündigen Vortrag solle so auch die Möglichkeit gegeben sein, untereinander in Diskussionen zu kommen. Er selbst berichtete von seinen persönlichen Erfahrungen mit der „aggressiven Stimmung“ der politischen Diskussion in den USA: „Gilt Pluralismus nicht mehr uneingeschränkt als Grundlage der Demokratie?“, fragte Becker. So sei auch die Gastrednerin der Veranstaltung des Öfteren wegen ihrer teilweise von den gängigen Meinungen abweichenden Sichtweisen im Diskurs gewesen.
„Streiten Sie gerne?“ – Mit dieser Frage begann Gabriele Krone-Schmalz ihren Vortrag. Bei dem Begriff „Streit“ würden die meisten Personen jedoch nicht an die Definition einer Debatte oder Diskussion als „elementare Bestandteile unseres Systems“ denken. Die daraus hervorgehende Streitkultur sei dabei essenziell für den Erhalt unseres demokratischen Systems, welches nicht bei Kriegseinsätzen verteidigt werden würde, sondern innerhalb der deutschen Landesgrenzen. „Die Demokratie kann nur mit interessierten, gut informierten und kompromissfähigen Bürgern funktionieren“, stellte Krone-Schmalz fest. „Wir als Gesellschaft müssen alles dafür tun, die Streitkultur zu pflegen, sonst nutzt uns die theoretisch garantierte Meinungsfreiheit nichts“, appellierte sie und leitete in eine Bestandsaufnahem und Ursachenanalyse der Meinungsfreiheit in Deutschland über: „Die Gesellschaft hat sich in einem Maße radikalisiert, das ich nicht für möglich gehalten hätte. Sobald sich die Gesellschaft so radikalisiert, ist es vorbei mit der Streitkultur.“
