„Ich habe die Kontrolle verloren und nur noch Schwarz gesehen“, erklärte der 27-Jährige im vollbesetzen Gerichtssaal. Am Tattag gerieten der Angeklagte und das 23-jährige Opfer, die erst wenige Tage den Job in der Spielhalle hatte, in einen lautstarken Streit. In seiner Einlassung erläuterte er, dass er seine Ex-Partnerin wieder zurückgewinnen und gemeinsam mit den beiden Kindern nach Frankreich zurückkehren wollte. Die 23-jährige lehnte dies allerdings ab, woraufhin der Angeklagte ein Klappmesser aus seiner Bauchtasche zog und sie angriff. „Ich hätte es nicht tun müssen“, gestand er. Im Anschluss setzte an den tödlichen Angriff habe er sich auf einen Stuhl gesetzt und realisiert, was er getan hatte. „Dann habe ich das Messer wieder eingesteckt, damit die Leute keine Angst bekommen – und habe gesagt, sie sollen die Polizei und einen Krankenwagen rufen“, so der Angeklagte, der im Gericht Reue zeigte. „Auch wenn die Mutter nicht mehr da ist, bin ich sehr dankbar, der Vater einer Tochter und eines Sohnes zu sein – ich möchte niemanden beschuldigen, nur ich bin schuldig“.
In seiner Einlassung schilderte der Angeklagte seine schwere Kindheit und frühere Lebensverhältnisse. Gemeinsam mit fünf weiteren Geschwistern wurde er in Rumänien geboren und wuchs in sehr ärmlichen Verhältnissen auf. Sein Vater verstarb, als er sechs Jahre war. Zwischen 2009 und 2010 zogen seine Mutter und der älteste Sohn nach Frankreich, „wir jüngeren Geschwister sind zurückgeblieben“, erklärte er. Kindergarten oder Schule habe der Angeklagte während seiner Zeit in Rumänien nicht besucht. „Dafür hatten wir einfach kein Geld“. Im Alter von zehn Jahren versuchte er sich selbst zu versorgen und verkaufte gelegentlich Alteisen. Dabei beobachtete der Angeklagte die Menschen, die im Restaurant aßen und ordentliche Klamotten trugen. „Ich wollte das auch haben“. Mit 13 Jahren zog er zu seiner Mutter nach Frankreich. „Ich dachte, ich wäre im Paradies“, schilderte der 27-Hährige seinen ersten Eindruck von damals. Dort habe er eine Schule besucht, Französisch gelernt und einen Diplomabschluss im Gebiet der Grünflächen erreicht. 2018 gründete er seine erste eigene Werkstatt. In dieser Zeit lernte er über Facebook das Opfer kennen. Da die Frau mit 15 Jahren damals noch minderjährig war, erhielt der Angeklagte von ihren Eltern eine Vollmacht und kümmerte sich um sie. Er meldete sie in der Schule an, ließ sie versichern und bot ihr einen Job in seiner Firma an. 2020 kam das erste Kind der beiden auf die Welt. „Die Familie war sehr stolz“, erläuterte er.
In den nächsten Jahren verschwand die Frau dann öfters zu ihrer Mutter nach Hessen. Während der Angeklagte anfangs kein Problem mit den Ausflügen seiner damaligen Partnerin hatte, habe dies für ihn im Laufe der Jahre überhand angenommen. 2021 wurde die Frau erneut schwanger, allerdings nicht vom Angeklagten, so seine Aussage. „Wir haben mehrere Monate nichts miteinander gehabt“, erklärte er. Das Kind wurde abgetrieben, ehe ein Jahr später der gemeinsame Sohn zu Welt kam. Im März dieses Jahres verschwand die 23-Jährige endgültig mit den beiden Kindern zu ihrer Mutter nach Fulda. Dies habe der Angeklagte nicht gut verkraftet. „Gott hat mir das Schönste der Welt geschenkt. Als sie mir die Kinder weggenommen hat, war ich zerstört“, gestand der 27-Jährige unter Tränen. In Fulda wurde der Angeklagte von seiner Ex-Partnerin angezeigt und durfte sich ihr nicht weiter als bis auf 250 Meter nähern. Erst Mitte April reiste der Angeklagte auch nach Fulda und wollte sie mit einem Blumenstrauß und Ehering überraschen. „Ich wollte um ihre Hand anhalten“, erläuterte er. Anfangs habe sie sich gefreut, blockte aber dann doch wieder jeglichen Kontakt ab. Dabei soll die Mutter des Opfers den Rumänen immer wieder bedroht haben, „dass ich in die Fäuste weinen würde“, so der Angeklagte. Dass die Ex-Partnerin in der Spielhalle eine Arbeitsstelle annahm, passte dem Angeklagten nicht. „Das ist eine Schande für die Familie“, schilderte er. Doch ließ sie sich davon nicht beeindrucken.
In Zukunft möchte er im Gefängnis eine Ausbildung absolvieren und Deutsch lernen, um irgendwann wieder seine Kinder sehen zu können beziehungsweise zu dürfen. Abschließend sagte er noch mit Blick auf die Familie des Opfers und die Kinder: „Ich bete jeden Abend zu Gott, dass er ihnen Kraft gibt. Ich weiß, dass ich ein Sünder bin und einen Fehler gemacht habe. Ich hoffe, dass die Kinder es mir irgendwann verzeihen können“. Am 2. Dezember soll der Prozess fortgesetzt werden, dann mit weiteren Zeugenvernehmungen.
Brutaler Mord in Spielhalle: 27-Jähriger vor Gericht – 43 Stiche
