„Wir kooperieren mit der Caritas in Iwano-Frankiwsk bereits seit 2009“, eröffnete Caritas-Fulda-Direktor Dr. Markus Juch den Abend: „Doch bis zum 24. Februar 2022 war es unvorstellbar für uns, was seitdem dort und in der gesamtem Ukraine passiert. Es war ein tiefer Schock. Die Ukraine steht nach wie vor vor enormen, humanitären Herausforderungen.“ Etwa 12,7 Millionen Menschen benötigen in der Ukraine derzeit humanitäre Hilfe, klärte Ann-Katrin Jehn, Fachbereichsleitung Marketing und Kommunikation bei der Caritas Fulda, auf. Doch wie gestaltet sich die aktuelle Situation vor Ort? „Allein in Iwano-Frankiwsk sind 120.000 Binnenflüchtlinge registriert“, erläuterte Volodymyr Chorniy: „Aber es kommen immer noch welche nach, vor allem, weil sich Russlands Offensive aktuell auf die Großstädte und deren Infrastruktur konzentriert.“ Diese zu versorgen, sei schwierig – vor allem, wenn es um Menschen gehe, die in der Mobilität eingeschränkt sind oder durch den Krieg schwerwiegende Verletzungen davongetragen haben.
Probleme bereite der Caritas vor Ort außerdem der anstehende Winter, der im Vergleich zu dem in Deutschland nochmal wesentlich härter ausfalle. „Wir haben da zwar Erfahrungen durch die vergangenen Jahre, die Situation ändert sich aber ständig. Auch dank der Unterstützung der der Caritas Fulda können wir zwar reagieren, aber der Krieg ist unberechenbar“, erklärte Natalija Kosakevych. Besonders Wärme- und Stromversorgung sei dahingehend ein Problem, „vor allem, wenn es darum geht, beeinträchtige oder verletzte Menschen zu betreuen. Sie benötigen nochmal eine spezifischere Pflege. Es gibt zwar auch Kooperationen auf Regierungsebene zwischen der Ukraine und Deutschland, aber das reicht bei weitem nicht aus.“
Nach den teilweise schockierenden Schilderungen über die Situation vor Ort nahmen sich die ukrainischen Gäste außerdem Zeit für die Fragen der Besucher – unter anderem von Weihbischof Prof. Dr. Karlheinz Diez, der sich nach den Todesfällen der ukrainischen Soldaten erkundigte. „Das ist kaum zu beantworten, da die Regierung keine offiziellen Zahlen bekanntgibt“, erläuterte Chorniy: „Aber ich kann sagen, dass nur bei uns in Iwano-Frankiwsk über 800 Soldaten beteiligt sind, 28 verstorben sind, zehn verschwunden und neun verstorben.“
Die abschließende Frage aus dem Publikum ging auch bei den ukrainischen Gästen unter die Haut: Gibt es noch Hoffnung auf Frieden und Freiheit in der Ukraine? Chorniy hatte darauf eine klare Antwort: „Man muss die Logik unserer und der russischen Soldaten nachvollziehen. Putin geht es nicht um das Territorium, er will vornehmlich das Volk ermorden. Die Ukrainer wollen einfach nur ihre Familie, ihre Kinder beschützen. Sie haben gar keine andere Wahl, als zu kämpfen. Sie müssen Widerstand leisten. Und genau das gibt ihnen Hoffnung.“
Im abschließenden Fazit bedankten sich Volodymyr Chorniy Natalija, Kosakevych und Roman Damokaj für das Interesse der deutschen Bevölkerung: „Und es sind nicht nur Worte, sondern auch Taten. Deswegen verneigen wir uns auch im Namen der Betroffenen in der Ukraine. Die Menschen spüren die Unterstützung“, betonte Chorniy. Weitere Unterstützung erhielten Chornyi, Kosakevych und Damokaj außerdem noch direkt vor Ort: Um auch in Zukunft die humanitäre Hilfe vor Ort gewährleisten zu können, übergaben das Bistum und die Caritas Fulda den ukrainischen Gästen einen Check in Höhe von 8.000 Euro.
