Lokales VB 15.11.2025

„Herzensprojekt“: Mietvertrag für Hospiz im Vogelsberg unterzeichnet

Alsfeld (pm/sim) – Lange Zeit war der Vogelsberg ein weißer Fleck in der stationären Versorgung unheilbar kranker Menschen, deren Leben zu Ende geht. Nun wurde der erste Meilenstein in Richtung stationäres Hospiz im Vogelsberg gesetzt: Vor wenigen Tagen unterschrieben im Amtszimmer von Landrat Dr. Jens Mischak Investoren und Träger den Mietvertrag für das „Haus Lichtermeer – Unser AWO-Hospiz im Vogelsberg“.

Tanja Bohn (Mitte) und Projektleiterin Linda Sator (rechts) präsentierten gemeinsam mit Ralf Bohn, Hans-Jürgen Herbst, Stefan Strack, Landrat Dr. Jens Mischak, Karsten Schmidt, Susanne Botthof-Schlitt, Dr. Norbert Sehn, Ulrich Bauch und Dr. Sigrid Stahl (von links) die Pläne des stationären Hospizes, das in Alsfeld gebaut wird. Fotos: Sabine Galle-Schäfer/Vogelsbergkreis

Im Vogelsberg kann ein stationäres Hospiz auf den Weg gebracht werden: Im Dienstzimmer von Landrat Dr. Jens Mischak unterzeichneten Investor Ralf Bohn (rechts) mit Ehefrau Tanja und Ulrich Bauch (links), Geschäftsführer der AWO-Hessen-Süd, den Mietvertrag für das „Haus Lichtermeer – Unser AWO-Hospiz im Vogelsberg“.

„Was lange währt, wird endlich gut“, sagte der Landrat zu der hocherfreuten Runde beim formellen Auftakt einer neuen Ära in der Palliativversorgung des Kreises. Neben dem Investor Ralf Bohn von der Carus Holding GmbH und den Vertretern der AWO Hessen-Süd Ulrich Bauch (Geschäftsführer), Hans-Jürgen Herbst (Bezirksvorstand und Kreisverband Vogelsberg) sowie Linda Sartor (Projektleiterin) waren auch die Architekten Stefan Strack und Karsten Schmidt anwesend. Dr. Norbert Sehn, Vogelsberger Palliativmediziner, sowie Dr. Sigrid Stahl und Susanne Botthof-Schlitt von der Fachstelle Gesundheitliche Versorgung im Vogelsbergkreis vertraten den gesundheitlichen Bereich. Sie alle waren, ebenso wie Tanja Bohn von der Lichtermeerstiftung, intensiv in die Vorplanungen für ein stationäres Hospiz eingebunden.

Der Landrat ließ in seiner Begrüßung die Stationen bis zu diesem Tag Revue passieren und dankte seinem Vorgänger Manfred Görig für dessen Engagement. Bereits 2015 hatte das Thema begonnen: Von einem ersten Arbeitskreis über die Bildung eines Fachausschusses bis zur Einsetzung einer Palliativkoordinatorin und der Gründung des Hospiz- und Palliativnetzwerks berichtete Mischak. Parallel dazu starteten bereits 2017 erste Versuche, einen Investor, einen Träger und einen Standort zu finden. 2021 begann die Konzepterstellung, zeitgleich wurde mit der Gründung der Vogelsberger Hospiz- und Palliativstiftung Lichtermeer ein engagierter Akteur hinzugezogen, dessen Ziel von Anfang an die Errichtung eines stationären Hospizes im Vogelsberg war, wie Stiftungsratsvorsitzende Tanja Bohn betonte. Seit 2022 wurden die Aktivitäten von Kreis, Stiftung, Investoren und Architekturbüro Schmidt & Strack konkreter. Mit der AWO Hessen-Süd konnte ein Träger gewonnen werden. Am 10. November konnte der offizielle Start bekanntgegeben werden: „Die wohnortnahe Hospizversorgung ist eine gute Nachricht für die Menschen im Vogelsberg“, sagte Landrat Mischak, „ein großer Schritt in der Pflege- und Versorgungslandschaft.“

Investor Ralf Bohn zeigte sich ebenfalls sehr erfreut. Eigene Erfahrungen hätten ihn dazu bewegt, sich in der Hospizversorgung zu engagieren. Die Investition in ein Hospiz sei für ihn erstmals ein Projekt ohne Gewinnerzielungsabsicht, ein reines Herzensprojekt, das eine Lücke für die Menschen in der Region schließt. Ein langer Atem und Vertrauen in das Projekt und die beteiligten Akteure seien notwendig gewesen. Besonders lobte Bohn die Hartnäckigkeit seiner Frau Tanja, die das Projekt im Rahmen ihrer Stiftungsarbeit vorangetrieben habe. Tanja Bohn ergänzte: „Ein solches Projekt braucht viele Menschen, die es gemeinsam wollen, die – neben der Finanzierung – die Idee mittragen und mit Herzblut dabei sind.“

Für die AWO im Vogelsberg sprach Hans-Jürgen Herbst. Er dankte den Akteuren, insbesondere den Investoren und der Stiftung, sowie der AWO Hessen-Süd, die mit der Trägerschaft die Errichtung eines stationären Hospizes erst möglich mache. Nach Zeiten der Krise habe sich der Verband als zuverlässiger und solventer Arbeitgeber positioniert und gehe mit dem Hospiz – nach dem AWO-Sozialzentrum in Lauterbach – nun die zweite Verpflichtung im Vogelsberg ein. Das Hospiz biete schwerkranken Menschen am Ende ihres Lebens und deren Angehörigen einen Ort der Geborgenheit, Würde und Nähe sowie fachliche Begleitung. Das Projekt sei ein Beispiel für gelungene Zusammenarbeit verschiedener Mitwirkender, die ein gemeinsames Ziel haben, und zeige, dass sich bürgerschaftliches Engagement lohne.

Ulrich Bauch betonte, dass es wichtig sei, in der Region gerade mit einem Projekt wie einem Hospiz präsent zu sein. Dieses Gefühl habe er von Anfang an verspürt und die Trägerschaft der AWO auch gegen erste Bedenken vorangebracht. Die Kontakte zu den Investoren hätten ihn überzeugt, dass das Hospiz gewollt sei. Auch das Konzept, die Patienten im Haus Lichtermeer als Gäste zu behandeln und ihnen „die Regie über ihr Leben zurückzugeben“, sei ein sehr guter Ansatz. Sein Lob galt auch den Architekten: Sie hätten den Gedanken eines Hospizes gut umgesetzt. Bauch freute sich, dass es gelinge, ein großzügigeres Haus zu bauen als üblich. Mit Blick auf die Refinanzierung betonte er, dass ein Hospiz, das per Gesetz fünf Prozent seines Bedarfs durch Spenden einspielen müsse, für den Träger ein größeres Risiko darstelle. „Dieses Risiko können wir hier guten Gewissens eingehen“, sagte der AWO-Geschäftsführer.

„Dies ist ein großer Tag, ein Meilenstein“, sagte Dr. Norbert Sehn. Die Frage nach einem stationären Hospiz in der Region habe sich erstmals 2007 gestellt. „Der ländliche Raum muss versorgungssicher bleiben – mit diesem Hospiz gehen wir einen bedeutenden Schritt“, erklärte er. Für ihn sei es wichtig, in der letzten Lebensphase menschlich und medizinisch gut versorgt zu sein. Auch vertrauensvolle Kooperationen spielten eine große Rolle. Mit Blick auf die geplante Eröffnung Anfang bis Mitte 2027 prognostizierte er, dass man qualifiziertes und engagiertes Fachpersonal finden werde.

Zum Abschluss stellte Karsten Schmidt das Objekt vor, das in Alsfeld in der Straße Am Lieden entstehen soll: Die Räume für acht Gäste auf dem denkmalgeschützten Areal sollen Hotelcharakter haben, dazu Terrasse, Teich und Gemeinschaftsräume. Es sei an die Bedürfnisse von Menschen gedacht, die vom Bett aus ins Freie wollen, ebenso an die verkehrsgünstige Lage mit Blick auf den Bahnhof und den kurzen Weg zum Marktplatz. Schmidt zeigte sich zuversichtlich, dass die Formalitäten nun zügig erledigt würden, sodass schon „ab dem kommenden Frühjahr mit lebhafter Bautätigkeit am Lieden zu rechnen sein wird.“