„2025 schließt eigentlich an 2024 an“, eröffnete Landrat Dr. Jens Mischak (CDU) den Abend und verkündete direkt zu Beginn: „Die finanzielle Situationen im Vogelsberg ist alles andere als zufriedenstellend. Auch wenn wir mit dem Kopf noch oberhalb der Wasseroberfläche schwimmen – andere Kreise brauchen bereits den Schnorchel. Das ist keine gesunde Entwicklung.“ Glücklicherweise existieren nach wie vor finanzielle Rücklagen, betonte Mischak, „die gleichen den Haushalt zwar nicht aus, aber decken die laufenden Ausgaben.“ Das wird beim Blick auf den Haushaltsentwurf des Vogelsbergkreises für das Jahr 2026 deutlich: Daraus ergibt sich für das kommende Jahr ein Fehlbetrag von knapp 5,5 Millionen Euro, die verbleibenden Rücklagen zum 31. Dezember 2026 belaufen sich auf etwas mehr als 6,1 Millionen Euro. „Für das kommende Jahr existieren die Rücklagen also noch, 2027 sieht das aber schon anders aus. Dann sind sie aufgebraucht“, verdeutlichte der Landrat und führte unter anderem die Kosten im Sozialbereich an, die einen erheblichen Anteil an den Gesamtaufwendungen darstellen: Im Vergleich zum Vorjahr steigen die Sozialaufwendungen um 13,4 Prozent.
„Die Mittel vom Bund reichen da einfach nicht aus. Das ist ein Problem, was wir selbst nicht lösen können. Wenn nichts passiert, geraten auch wir mit dem Kopf unter Wasser“, wurde Mischak deutlich und nahm die Verantwortlichen in Berlin in die Pflicht: „Die Entwicklungen der letzten Jahre haben gezeigt, das kann so nicht weitergehen – und das zieht sich ja weit über Partei- oder Landkreisgrenzen hinweg. Die großen Brocken liegen in Berlin. Ich hoffe, dass dort die Kraft aufgebracht wird, die notwendigen Entscheidungen zu treffen.“ Umso wichtiger sei das vom Bund bereitgestellte Sondervermögen von 100 Milliarden Euro, wobei auf den Vogelsbergkreis etwas mehr als 27 Millionen Euro entfallen: „Auch wenn das natürlich ein warmer, aber längst nicht ausreichender Geldregen ist.“
Darüber hinaus sprach der Landrat das Thema Digitalisierung an – insbesondere den Glasfaserausbau im Kreis. Dabei sei der Vogelsbergkreis ein Vorreiter in Hessen, immerhin 70 Prozent der Haushalte hätten bei Interesse die Möglichkeit, sich für eine Glasfaseranbindung zu entscheiden. „Es existieren aber weiterhin Lücken in der Versorgung, beispielsweise in Feldatal. Die Politik dort ist bemüht, aber bislang hat sich noch kein Anbieter gefunden, für den das auch wirtschaftlich von Interesse ist.“ Auch hier nahm Mischak die Bundespolitik in die Pflicht.
Nach Dr. Jens Mischak hatte Erster Kreisbeigeordneter Patrick Krug das Wort und sprach die zukünftigen Investitionen an: „Denn wir investieren trotz knapper Kassen“, verdeutlichte Krug: „Und zwar da, wo es auch notwendig ist.“ Dazu gehören laut Krug beispielsweise Schulen und der Bereich Sport: „In 2026 werden wir vier Millionen Euro in die Sanierung und den Neubau von Schulen stecken, bis 2029 insgesamt mindestens 21 Millionen Euro“, erklärte Krug und führte unter anderem die Oberwaldschule in Grebenhain und die Cornelia-Funke-Grundschule in Brauerschwend an, in die investiert wird.
„Außerdem gibt es weitere Handlungsfelder, dazu gehören beispielsweise die Kunstrasenplätze im Kreis“, verdeutlichte Krug und nannte auch hier eine konkrete Maßnahme: Der Adolf-Spiess-Platz in Lauterbach soll saniert und um einen Kunstrasenplatz erweitert werden: „Da werden wir einen Förderantrag einreichen. Der Bund würde dann im Rahmen des Programms „Sportmilliarde“ 45 Prozent der Kosten übernehmen, der Landkreis entsprechend 55 Prozent.“ Im Folgenden sprach auch Patrick Krug noch einmal das Sondervermögen vom Bund an: „Das Sondervermögen hilft, wichtige Baustellen zukunftssicher zu machen und es gilt, dieses Geld sinnvoll, effektiv und nachhaltig zu verwenden.“
Zum Abschluss des offiziellen Teils der Jahrespressekonferenz hatten Ulrich Schwind, Leiter des Haupt- und Personalamtes des Vogelsbergkreises und Kreisbrandinspektor Marcell Büttner das Wort. Schwind erläuterte, dass es neben der Stabsstelle Katastrophenschutz künftig auch eine Stabsstelle Verwaltung geben wird, die die administrativ-organisatorische Komponente übernehmen soll, „während der Katastrophenschutz den operativ-taktischen Bereich abdeckt“, wie Marcell Büttner erklärte. „Der Verwaltungsstab soll die Maßnahmen zu geplanten Entscheidungen im Krisenfall vorbereiten und diese Maßnahmen dann auch einleiten und im Nachgang auch kontrollieren.“ Zusätzliches Personal werde dafür nicht benötigt, schließlich setze sich der Stab aus Angestellten des Kreises zusammen, zusätzlich zu deren Hauptaufgaben. Bevor der Abend in geselliger Runde ausklang, ergriff Kreisbrandinspektor Marcell Büttner nochmal das Wort und appellierte: „Wir stehen vor kritischen Herausforderungen in Notlagensituationen. Es ist wichtig, dass wir die Gefahr in die Köpfe der Menschen bekommen, und das schon von klein auf. Beispielsweise indem wir den Kindern erklären, was eigentlich Sirenengeräusche sind, was diese bedeuten und wie man sich in welchem Fall zu verhalten hat.“
