Tanzen 23.11.2025

Hannah Rützel wird WM-Sechste: „Unbeschreibliches Gefühl“

Castellanza (pm/pf) – Nachdem sich die Künzellerin Hannah Rützel Anfang Oktober auf der Deutschen Meisterschaft in Döbeln den Vizemeistertitel im Akrobatik-Tanz und somit die Qualifikation zur Weltmeisterschaft sichern konnte, nahm sie diese Woche mit ihren Eltern, Trainern und Patenkind Lia auf den Weg nach Italien gemacht: In Castellanza haben sich die besten Tänzerinnen und Tänzer der Welt getroffen und in verschiedenen Disziplinen gemessen. Aus Kanada, United Kingdom, Kroatien, Finnland, Südafrika und vielen anderen weitentfernten Ländern kamen sie her, um den Titel World Champion wieder mit nach Hause zu nehmen. „Es war einfach überwältigend und ich war ein Teil von diesem Ganzen“, erzählt die 17-Jährige aus Künzell stolz. Und ihr Ergebnis war phänomenal: Rützel gehört zu den sechs besten Akrobatik-Solistinnen weltweit.

Hannah Rützel mit ihren Trainern. Foto: privat

Am Mittwochmorgen kam Rützel mit ihrem Tross an: Einen sanften Einstieg wollten sie schaffen, haben sich die Halle angeschaut, Wettkampfluft geschnuppert und Team Deutschland angefeuert. Am Mittwoch waren unter anderem die Show Solo Male Junioren und Adults an der Reihe. Deutschland holte hier eine Silber- und eine Bronzemedaille. Des Weiteren nutzte die Gruppe um Hannah Rützel den Tag, um sich Mailand anzuschauen. Hier entstand in der Galleria Vittorio Emanuelle II ein tolles Kurzvideo, das bei der TSG Künzell auf Instagram zu sehen ist.

Frisch ausgeschlafen und gestärkt ging es dann am Donnerstag mit den Vorbereitungen schon im Hotel los. „Haare und Make-Up müssen perfekt sitzen, und wenn es gut läuft für ganze drei Durchgänge des Tanzes halten“, erklärte Rützels Trainerin Franziska Meder. Die Frisuren sind in dieser Disziplin sogar im Regelwerk vorgegeben: Sie müssen in einem Dutt komplett geschlossen sein. Auf der Fahrt in die Halle stieg dann langsam die Aufregung.

Wo muss sie wann bereitstehen? Wo muss sie sich anmelden? Wo kann sie nochmal ihren Tanz üben? Oder sich aufwärmen? In dem ganzen Trubel und den neuen Eindrücken konnte Rützel nicht eine Sekunde an Nervosität denken. Dann ging es auch schon los. Mit Startnummer 33 von 38 Tänzerinnen aus aller Welt ging sie das erste Mal auf die Bühne und zeigte dem Publikum und vor allem den Wertungsrichtern mit ihrem Thema „Performing Act“, was sie kann. Besonders aufregend war dann die Wartezeit, bis das Ergebnis bekanntgegeben wurde, wer in die nächste Runde weiterkam. Mit zwei weiteren Tänzerinnen aus Team Deutschland, Sofia Cserep und Jolina Hasselbach, ging es für Rützel ins Halbfinale. Schon nach einer kleinen Verschnaufpause ging es damit weiter. Der Ehrgeiz war geweckt nochmal mehr zu geben. André Meder, ebenfalls ihr Trainer, war zuversichtlich: „Hannah ist nun ‚warm getanzt‘. Die Bühne kennt sie jetzt, die Beschaffenheiten des Tanzbodens kann sie besser einschätzen. Das wird gut“, sagte er. Und so war es dann auch: Dieses Mal wurden die sechs Finalistinnen vom Moderator der Veranstaltung laut vorgelesen. Als der Name Hannah Rützel fiel, konnte keiner mehr an sich halten: Pure Freude und Stolz war in den Gesichtern aller zu lesen und zu hören. Im Nachhinein gesteht Rützel, dass dies der schönste und bewegendste Moment dieser Weltmeisterschaft war.

Erstmal hieß es aber, alle letzten Kräfte nochmal zu sammeln für den dritten und letzten Start. Hier zeigte sich die Ausdauer und das Durchhaltevermögen der Finalistinnen, da es mittlerweile auf die 22 Uhr zuging. Es war hart und wirklich anstrengend. Es zerrte an den Kräften. Daran war zu sehen, wie unglaublich und beeindruckend es ist, was die Teilnehmer für eine Leistung auf die Bühne gebracht hatten.

Auch wenn es am Ende nicht für ein Treppchen-Platz gereicht hat, wurden alle Erwartungen der kleinen Truppe aus Fulda übertroffen: Die sechstbeste Akrobatik-Solistin auf dieser Welt, wer kann sowas schon von sich sagen? „Bei der ersten Teilnahme so weit zu kommen und als beste Tänzerin Deutschlands aus dem Wettkampf zu gehen, ist ein unbeschreibliches Gefühl“, erzählte Hannah Rützel: „Ich habe so viel mitgenommen aus diesen Tagen und möchte diese gewonnen Erfahrungen nicht mehr missen“. Es war sicher nicht das letzte Mal, dass der Name Hannah Rützel international erklang. Danach wurde aber erstmal in Castellanza gefeiert und am nächsten Tag die Heimreise angetreten.

Hannah Rützel bei der WM in Italien. Fotos: privat