Lokales FD 26.11.2025

„Glück“ in der Schule lernen – Konzept bei BU Dr. Jordan vorgestellt

Fulda – Von Silas Messing – Wie können Schulen Kinder stärken, damit sie ihr Leben selbstbewusst, resilient und zufrieden gestalten? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Informationsabends am Dienstag im Bildungsunternehmen Dr. Jordan in der Fuldaer Rabanusstraße. Unter dem Titel „Brauchen wir ein Schulfach ‚Glück‘?“ stellten der Begründer des Konzepts, Dr. Ernst Fritz-Schubert, sowie Tobias Rohde, Direktor des Fritz-Schubert-Instituts für Persönlichkeitsentwicklung, und Tamara Jacobi, Lehrerin am Domgymnasium Fulda, ihre Ansätze vor.

Tobias Rohde. Foto: Silas Messing.

„Kinder erleben Glück meist außerhalb der Schule“

Dr. Ernst Fritz-Schubert, heute 77 Jahre alt und ehemaliger Schulleiter, führte in das Thema ein – und machte deutlich, wie seine Idee entstand. Schon früh bemerkte er, dass für viele Kinder Schule kein Ort des Wohlbefindens ist. Glücksmomente passierten meist „nach Schulschluss“. 2007 wagte er deshalb den Schritt und führte an seiner Heidelberger Schule das Fach „Glück“ ein – mit dem Ziel, Schülern Räume für Selbstkenntnis, Orientierung und Lebensfreude zu geben. Dankbar zeigte er sich darüber, dass inzwischen viele Lehrkräfte auf das Konzept aufmerksam geworden sind und die Weiterbildung besuchen: „Was ich damals begonnen habe, wird heute an zahlreichen Schulen weitergetragen.“

Persönlichkeitsentwicklung als Kern schulischer Bildung

Tobias Rohde nahm in seinem Vortrag die aktuelle schulische Realität unter die Lupe. Rohde arbeitet seit über zehn Jahren eng mit Fritz-Schubert zusammen. Ein zentraler Punkt seiner Botschaft: Persönlichkeitsentwicklung sei laut Bildungsgesetz ein ebenso wichtiges Ziel wie die fachliche Vermittlung. Viele Herausforderungen der heutigen Schüler – von Motivationsproblemen bis zu psychischen Belastungen – wurzelten nicht in mangelnder Intelligenz, sondern in der schwierigen Beziehung zwischen Lehrkraft und Lernenden: „Fachkompetenz reicht nicht. Gute Bildung beginnt mit echter Verbindung.“ Rohde stellte das didaktische Fundament des Fachs vor: ein komplexes Tetraeder-Modell, das Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft als Dimensionen der Persönlichkeitsentwicklung miteinander verknüpft. Über narrative Elemente – etwa die metaphorische „Piratenreise“ – sollen Kinder lernen, sich als aktive Gestalter ihrer eigenen Lebensgeschichte zu begreifen.

Praxisberichte: Mehr Motivation, weniger Konflikte

Besonders eindrücklich waren die Erfahrungen, die sowohl Rohde als auch Jacobi schilderten. Schüler berichteten, dass die Beschäftigung mit sich selbst im schulischen Rahmen zu spürbar mehr Motivation, besserer Stimmung und größerer Bereitschaft führe, Leistung zu zeigen. Auch Lehrkräfte profitierten: Klassen würden konfliktfähiger, konzentrierter und insgesamt stabiler im sozialen Miteinander. Persönlichkeitsentwicklung wirke dabei wie eine „Grundkompetenz für das Leben“ – vergleichbar mit dem Lesen und Schreiben, aber bislang häufig unstrukturiert vermittelt.

„Schule muss Ort ganzheitlicher Entwicklung werden“

Tamara Jacobi zeigte schließlich, wie das Fach im Alltag einer Oberstufenklasse aussehen kann. Sie übersetze die theoretischen Konzepte in praktikable Unterrichtsformen – mit dem Ziel, Jugendlichen Räume für Reflexion, Orientierung und Selbstwirksamkeit zu geben. Alle drei Referenten betonten, dass Schule heute mehr leisten müsse, als fachliches Wissen zu vermitteln. Die Fähigkeit, sich selbst zu regulieren, Beziehungen zu gestalten, Konflikte zu lösen und Hilfe zu suchen, werde zunehmend zur Schlüsselkompetenz einer komplexer werdenden Welt. Der Abend endete mit einem klaren Plädoyer: Persönlichkeitsentwicklung dürfe kein Zufallsprodukt bleiben. Sie brauche feste Strukturen, Zeit und geschulte Lehrkräfte. Die Integration des Glückskonzepts biete eine Möglichkeit, Schule neu zu denken – als Ort, an dem junge Menschen nicht nur lernen, sondern wachsen. Die Veranstaltung richtete sich an Lehrkräfte, Eltern und alle Interessierten – und ließ viele von ihnen mit dem Eindruck zurück, dass die Frage „Brauchen wir ein Schulfach Glück?“ längst nicht mehr rhetorisch ist.

Vortrag zum Schulfach „Glück" im BU Jordan. Fotos: Silas Messing.