osthessen-lady.de 26.11.2025

Gewalt an Frauen: Rote Schuhe als stilles Mahnmal in Fulda – Fotos

Fulda – Von Silas Messing – Am Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen (25. November) hat Fulda ein deutliches Zeichen gesetzt: In der Marktstraße wurden am Dienstag 304 Paar rot gefärbter Frauenschuhe aufgestellt, die als stilles Mahnmal an Frauen erinnern sollen, die Gewalt erlebt oder durch Femizid ihr Leben verloren haben. Die Installation „Rote Schuhe“ wurde von der AG „Rote Schuhe“ in Kooperation mit dem Frauenbüro Fulda und dem Runden Tisch gegen häusliche und sexualisierte Gewalt organisiert und erstmals in der Region umgesetzt.

304 Paar rot gefärbter Frauenschuhe. Foto: Silas Messing.

Die Idee stammt von der mexikanischen Künstlerin Elina Chauvet, die 2009 in Ciudad Juárez mit ihrer Aktion „Zapatos Rojos“ auf das Verschwinden und Töten von Frauen aufmerksam machte und damit weltweit Beachtung fand. „Wir haben von dieser Aktion gehört, eben international, dass sie aus Mexiko stammt und in vielen großen Städten umgesetzt wurde, und da hatten wir gedacht: Das ist doch eigentlich eine tolle Aktion – und sie steht auch für sich“, erklärte Organisatorin Katharina Roßbach. Das Sammeln der über 300 Schuhpaare war bereits nach den Sommerferien gestartet worden. Die Resonanz war groß, die Schuhe wurden rot eingefärbt und schließlich in der Marktstraße präsentiert. Der Anblick sei erschütternd, sagt Roßbach: „Das sind alles Frauen, die irgendwie aus dem Leben gerissen wurden – und jede Einzelne ist schon eine zu viel.“

Begleitet wurde die Aktion von der Veröffentlichung des neuen Bundeslagebilds „Geschlechtsspezifisch gegen Frauen gerichtete Straftaten“, das erst am Freitag zuvor vom Bundeskriminalamt vorgestellt wurde. Die Zahlen für 2024 seien alarmierend, betonen die Organisatorinnen: Die Polizei registrierte 558 frauenfeindliche Straftaten im Bereich politisch motivierter Kriminalität – ein Anstieg um 73,3 Prozent zum Vorjahr. 53.451 weibliche Opfer von Sexualstraftaten wurden erfasst, 2,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Zudem wurden 187.128 weibliche Opfer häuslicher Gewalt gezählt, ein Plus von 3,5 Prozent. 593 Frauen waren Opfer von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung, 18.224 Frauen wurden Opfer digitaler Gewalt. Besonders bedrückend sind die 308 Tötungsdelikte an Frauen im Kontext von Partnerschaftsgewalt, bei denen 132 Frauen tödlich verletzt wurden. Schon 2023 wurden bundesweit 938 Mädchen und Frauen Opfer versuchter oder vollendeter Tötungsdelikte, 360 von ihnen überlebten die Tat nicht.

„Die Gewalt ist mitten unter uns – in Familien, am Arbeitsplatz, online. Und man darf nicht wegschauen. Man muss etwas ändern“, sagte Heike Kleemann, Magistratsmitglied der Stadt Fulda. Sie verwies darauf, dass nur rund fünf Prozent der Fälle angezeigt werden und daher 95 Prozent der Betroffenen im Verborgenen bleiben. Besonders kritisch sah Kleemann die juristische Einordnung vieler Femizide: „Man geht davon aus, dass die Männer ja auch gelitten haben und die Frauen das herausgefordert hätten. Das geht nicht. Das ist ganz einfach Mord.“

Dass Gewalt an Frauen kein entferntes Problem ist, zeigen auch Fälle aus Fulda: Etwa der junge Mann, der seine Freundin in einer Spielhalle tötete, oder die junge Ärztin, die auf dem Heimweg von ihrem Partner erstochen wurde. Die Organisatorinnen betonten deshalb, wie wichtig Prävention, Aufmerksamkeit und konsequente rechtliche Reaktionen seien.

Viele Passanten blieben während der Aktion stehen, informierten sich und sprachen miteinander. Genau das sei das Ziel, heißt es seitens des Frauenbüros. „Es ist auch ein Tag der Solidarität mit den Frauen, die den Mut bewiesen haben, sich gegen Gewalt aufzulehnen“, so Kleemann. Die gesammelten Schuhe werden eingelagert und sollen im kommenden Jahr erneut eingesetzt werden, um das Bewusstsein für häusliche und sexualisierte Gewalt weiter zu stärken. Gewalt an Frauen dürfe nicht hingenommen werden, lautet die Botschaft – jeder Schuh steht für ein Leben, das fehlt, und jede Zahl für einen Menschen, der nicht vergessen werden darf.

Hilfsangebote

Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt:

Telefon 0661.8394-14

interventionsstelle@skf-fulda.de

Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt:

Telefon 0661.8394-15

beratunggsg@skf-fulda.de

Beratungsstelle

Kinderschutz AKTIV:

Telefon 0661.8394-40

kinderschutz.aktiv@skf-fulda.de

Rote Schuhe gegen Gewalt an Frauen in Fulda. Fotos: Silas Messing