Akademiedirektor Gunter Geiger betonte zu Beginn: "Wir wollen nicht nur über die Seilbahn sprechen." Im Anschluss an einen Impulsvortrag von Professor Follmann diskutierten drei Vertreter aus Wirtschaft und Politik auf einem Podium: Michael Konow, Hauptgeschäftsführer der IHK Fulda, Dr. Arnt Meyer, Geschäftsführer der Rhönenergie Fulda, und Mario Klotzsche, FDP-Kreisvorsitzender sowie Referent für Energiepolitik im Hessischen Landtag unter der Moderation des Radiojournalisten Werner Schlierike.
Zahlen, die zum Umdenken anregen
Professor Follmann, Mobilitätsexperte und Dozent an der Hochschule Darmstadt, präsentierte erschreckende Zahlen für Fulda: Für Distanzen von drei bis fünf Kilometern wird fast die Hälfte der Wege mit dem Auto zurückgelegt. Der öffentliche Nahverkehr spielt mit nur sechs Prozent eine untergeordnete Rolle, und das Fahrrad ist mit nur zehn Prozent ebenfalls wenig gefragt. Die Situation des Radnetzes in Fulda kam ebenfalls nicht gut weg. Er zeigte eine Karte des bestehenden Radhauptnetzes und stellte fest, dass in Städten wie Darmstadt Fahrradstraßen häufig die ganze Fahrspur für Autos ersetzen. Auch in Fulda sollten neue Mobilitätskonzepte ausprobiert werden, die anderswo bereits erfolgreich umgesetzt sind.
Visionen für den öffentlichen Nahverkehr
Doch nicht nur die Seilbahn stößt auf Interesse. Follmann skizzierte auch eine mögliche „City-Bahn“ auf den bestehenden Bahngleisen. Diese könnte von Großenlüder/Bimbach über Horas und den Hauptbahnhof bis nach Bronnzell und Eichenzell verlaufen.
Zur Seilbahn erklärte Follmann, dass er sich mit Studierenden zusammengesetzt habe, um potenzielle Strecken zu untersuchen und dabei auch mögliche Hindernisse wie Stromtrassen zu berücksichtigen. In einer kurzen Präsentation stellten die Studierenden ihre Ergebnisse vor. Das Motto: „Die Zukunft des Nahverkehrs hebt ab.“
Eine Seilbahn könnte laut Follmann bis zu 5000 Personen pro Stunde in beide Richtungen transportieren – zum Vergleich: Die S-Bahn im Rhein-Main-Gebiet befördert 6000 Fahrgäste. Ein weiterer Vorteil: Die Seilbahn ist ein autonomes Verkehrsmittel, was Personalkosten spart. Zudem gibt es keine Staus oder Bahnübergänge, die die Pünktlichkeit beeinträchtigen könnten. Die Seilbahn wäre nicht nur für den ÖPNV nutzbar, sondern auch für Logistikzwecke, wie das Beispiel Koblenz zeigt: Dort transportierten Studierende Pakete per Seilbahn über den Rhein.
ÖPNV und Individualverkehr im Vergleich
Dr. Arnt Meyer von der RhönEnergie wies darauf hin, dass das bestehende Busangebot auch in den ländlichen Regionen Fuldas gut ausgebaut sei. Doch das Problem sei, dass der öffentliche Nahverkehr vor allem zu Stoßzeiten genutzt werde. In den Zwischenzeiten blieben die Busse häufig leer. Zudem sei das Auto für viele noch die attraktivere Alternative. Meyer betonte, dass bei der Nutzung des Autos oft die Gesamtkosten – einschließlich Anschaffung, Versicherung und Steuern – nicht ausreichend berücksichtigt werden. „Diese fallen beim ÖPNV natürlich nicht an.“
Herausforderungen und mögliche Lösungen
Die Podiumsteilnehmer waren sich einig, dass die Region Fulda stark vom Individualverkehr geprägt sei – ein Zustand, der nicht von heute auf morgen geändert werden könne. Mario Klotzsche verwies darauf, dass 92 Prozent der Bevölkerung den ÖPNV nicht nutzen, was sogar den Schülerverkehr mit einschließt. Der aus Flieden stammende Politiker zeigte sich jedoch offen für alternative Modelle wie den On-Demand-Verkehr – insbesondere in ländlichen Gebieten wie Neuhof oder Flieden, die gut an die Bahnstrecke Fulda-Frankfurt angebunden sind.
Michael Konow von der IHK erinnerte daran, wie wichtig eine gute Anbindung des Industriegebiets West an den öffentlichen Nahverkehr sei, um den Pendelverkehr für die zahlreichen Betriebe und deren Mitarbeiter zu erleichtern. Besonders für Schichtarbeiter müsse es flexible Lösungen geben. Gleichzeitig betonte er, dass die Akzeptanz der Bevölkerung für alle neuen Maßnahmen im ÖPNV entscheidend sei. Das Beispiel Hamburg zeige, wie schnell ein Projekt kippen könne: Der Plan, eine Seilbahn über die Elbe zu bauen, wurde nach einem Bürgerentscheid gestoppt.
Innovative Ideen für die Zukunft
Der Abend bot eine spannende Diskussion über die Chancen und Herausforderungen, die mit der Weiterentwicklung des Nahverkehrs in Fulda und Osthessen verbunden sind. Prof. Follmann regte an, mutige Schritte zu gehen, um die Mobilität der Zukunft zu gestalten – etwa durch eine Flexibilisierung des ÖPNV, den Ausbau von Umgehungsstraßen wie dem Westring in Fulda, die Einführung einer City-Bahn oder die Förderung von E-Mobilität.
Die urbane Seilbahn ist nur ein Beispiel für visionäre Projekte, die die Zukunft prägen könnten. Sie könnte in der Diskussion um eine moderne, nachhaltige Infrastruktur in Fulda jedoch das i-Tüpfelchen sein, das den Weg für eine neue Ära des Nahverkehrs ebnet.
