osthessen-lady.de 06.11.2025

Frauenpower im Klostergespräch am Frauenberg in Fulda

Fulda – Von Silas Messing – Hoch oben über der Stadt fand am Mittwochabend das sechste Frauenberger Klostergespräch statt. Unter dem Titel „Frauenpower am Frauenberg – Wie mutige Frauen Zukunft gestalten“ luden die Franziskaner vom Frauenberg gemeinsam mit den Freunden des Frauenbergs zu einem Abend ein, der Frauen in den Mittelpunkt stellte – Frauen, die in Geschichte und Gegenwart Gesellschaft bewegen, Verantwortung übernehmen und Zukunft gestalten.

Foto: Silas Messing

„Wir Franziskaner gemeinsam mit den Freunden des Frauenbergs dürfen sie herzlich Begrüßen – in so einer großen Runde hier zu stehen, fantastisch, das gibt ein großes Gespräch“, sagte Pater Cornelius Bohl zu Beginn. Damit war die Richtung des Abends vorgegeben: Austausch, Inspiration und das Sichtbarmachen weiblicher Lebensleistungen. Der Frauenberg selbst bietet dafür einen passenden Rahmen, denn wie Pater Bohl erläuterte, geht die Bezeichnung nicht auf ein Frauenkloster zurück, sondern auf die marianische Tradition des Ortes. Bereits im neunten Jahrhundert wurde hier die erste Kirche Maria, der Mutter Jesu, geweiht – ein Ort weiblicher Symbolkraft also, der nun erneut Frauenstimmen Raum gibt. Natürlich führte auch eine Frau durch das interessante Programm: Sabine Steinbeck von den Freunden des Frauenbergs übernahm souverän die Rolle der Moderatorin.

Besonders eindrucksvoll war der Beitrag von Silke Grabowitsch, die an die Fuldaer Sozialpionierin Maria Rang (1840–1908) erinnerte. Sie gründete Ende des 19. Jahrhunderts das „Lioba-Krankenhaus“ und später das „Antoniusheim“, die als Keimzellen heutiger inklusiver Arbeit gelten. „Ohne Frau Rang gäbe es Antonius nicht“, betonte Grabowitsch und würdigte die Visionärin als Wegbereiterin für Bildung, Teilhabe und soziale Verantwortung. Frauke Goldbach, Mitgründerin vom Kollektiv Feminista, schlug den Bogen zur Gegenwart. In ihrem Impuls sprach sie über Gleichberechtigung, feministische Initiativen und den langen Weg hin zu mehr Sichtbarkeit von Frauen in Politik und Gesellschaft. „Frauen machen Zukunft“, sagte sie, „aber sie müssen dafür auch gesehen werden.“ Noch immer seien Frauen in vielen Entscheidungspositionen unterrepräsentiert, und gerade deshalb brauche es Abende wie diesen, um Erfahrungen zu teilen und Netzwerke zu stärken.

Einen besonders emotionalen Akzent setzte Alja Epp-Naliwaiko von der Initiative „Omas gegen Rechts.“ Sie berichtete über die rund 40.000 Frauen, die sich bundesweit für Demokratie, Menschenwürde und gegen Rechtsextremismus engagieren. „Alle Menschen sind gleichwertig – das ist das Wichtigste für uns“, sagte sie und erinnerte an Zeitzeuginnen, die während der NS-Zeit Mut bewiesen und Verfolgte schützten. „Die Zeitzeugen sterben, aber ihre Geschichten dürfen nicht verloren gehen“, mahnte sie und erhielt dafür großen Applaus.

Zum Abschluss stellte Gudrun Jonas das Fuldaer Projekt „Blaue Bänke“ vor, mit dem Frauen aus Geschichte und Gegenwart geehrt werden. An markanten Orten wie dem Schlossgarten, der Innenstadt oder dem Frauenberg erinnern blaue Sitzbänke an Persönlichkeiten wie die heilige Lioba, Maria Ward oder Erna Hosemann. „Wir wollen Frauen ehren, die ihrer Zeit voraus waren und auf besondere Weise Gesellschaft gestaltet haben“, erklärte Jonas. Das Projekt mache weibliche Lebensleistungen im öffentlichen Raum sichtbar und lade zum Verweilen und Nachdenken ein.

Im Anschluss an die Vorträge fand eine ausgeprägte Podiumsdiskussion statt. Nach diesem regen Austausch kamen Gäste und Referentinnen bei kühlen Getränken und Häppchen miteinander ins Gespräch. Dazu gehörten unter anderem Christa Kripper, die über Frauen in der Politik und über ihre Arbeit als Kreistagsabgeordnete berichtete, oder Eva-Maria Helfrich von den „Soroptimistinnen“, als Präsidentin des SI Clubs Fulda. In vielen Begegnungen wurde deutlich, wie viel Kraft und Inspiration von weiblichem Engagement ausgehen kann – damals wie heute. Das Fazit des Abends fiel einhellig aus: Starke Frauen haben Geschichte geschrieben – und schreiben sie weiter.

Klostergespräch am Frauenberg in Fulda. Fotos: Silas Messing.