„Alle haben bestanden, herzlichen Glückwunsch“, gratulierte Wingenfeld den Studierenden, die Geschichte geschrieben hätten – für sich selbst und für die Stadt Fulda: „Ihr seid echte Pioniere.“ In seiner Ansprache blickte der Oberbürgermeister auf die Geschichte des Medizinstudiums in Fulda zurück, denn schon an der ehemaligen Universität wurde das Fach Humanmedizin angeboten. Zudem bat er die Studierenden, die sich getraut hätten, in Fulda Neuland zu betreten, um ein ehrliches Feedback, was schon gut gelaufen sei und was für künftige Jahrgänge vielleicht noch besser gemacht werden könnte. Auch Erster Kreisbeigeordneter und Gesundheitsdezernent Frederik Schmitt bezeichnete die Studierenden als Pioniere und Wegbereiter. Es sei ein historischer Fehler gewesen, die Universität damals zu schließen. „Wir sind dabei, den zu beheben“, meinte Schmitt. Für die Studierenden sprach Robert Janke. Das zunächst Unbekannte und Neue biete den Vorteil, es mitgestalten zu können und es habe keine Idee gegeben, die abgelehnt worden sei. „Die Zusammenarbeit zwischen der Studierendenschaft und dem Klinikum Fulda war besonders“, blickte er auf die vergangenen zwei Jahre und lobte, dass die Studierenden sich gut hätten einbringen können. Im Anschluss an den Empfang waren die Studierenden zu einer Führung durch das Stadtschloss mit Besteigung der neuen Plattform auf dem Schlossturm eingeladen. Musikalisch begleitet wurde der Empfang von Elischa und Jonathan Ortlieb.
Campus Fulda soll ärztliche Versorgung langfristig sichern
Über Praktika konnten Studierende der Universität Marburg schon länger Teile ihrer klinischen Ausbildung am Klinikum Fulda absolvieren. Mit der Schaffung des Campus Fulda – einem Gemeinschaftsprojekt der Philipps-Universität Marburg, des Klinikums Fulda und der Hochschule Fulda in Kooperation mit der Stadt – wurde die Zusammenarbeit ausgebaut, mit dem Ziel, zusätzliche Mediziner in Hessen auszubilden und so die ärztliche Versorgung in Mittel- und Osthessen langfristig zu sichern. Vor wenigen Wochen hat nun die erste Kohorte, die die sich über das siebte bis zehnte Semester erstreckenden klinischen Studienjahre komplett am Standort Fulda absolviert hat, die schriftliche Zweite Ärztliche Prüfung (M2) am Campus Fulda abgelegt. Für sie war es der zweite große Meilenstein im Studium nach dem Physikum nach dem vierten Semester und vor der Dritten Ärztlichen Prüfung, die am Ende des Praktischen Jahres steht.
Ob die M2-Prüfung tatsächlich in Fulda stattfinden darf, war nach Start des Pilotprojekts noch lange unklar. Ursprünglich war vorgesehen, dass die Studierenden in Marburg schreiben – mit entsprechendem organisatorischem und logistischem Mehraufwand. Das Dekanat der Universität Marburg hatte sich bereits frühzeitig dafür eingesetzt, eine Verlegung der Prüfung nach Fulda zu prüfen. Parallel dazu griff die Studierendenvertretung am Campus Fulda, federführend vertreten durch Robert Janke, das Thema erneut auf, um das Anliegen zu strukturieren und an verschiedenen Stellen zu platzieren – sowohl innerhalb der Universität als auch gegenüber externen Ansprechpartnern. Diese enge Zusammenarbeit und das Engagement zahlreicher Beteiligter führten schließlich dazu, dass das M2-Examen in Fulda genehmigt und erfolgreich umgesetzt werden konnte. Die Durchführung der Prüfung in Fulda erfolgte in einem neuartigen Organisationsmodell, das bislang einzigartig ist. Das zuständige Prüfungsamt delegierte die operative Organisation und Aufsicht an die Universität Marburg und das Campus-Team Fulda. Gemeinsam mit den Kohortenkoordinatorinnen, dem Studiendekanat sowie den Beschäftigten vor Ort wurde die vollständige Planung und Durchführung übernommen. Die Hochschule Fulda stellte hierfür die Räumlichkeiten zur Verfügung.
