Campus 07.11.2025

Demokratie stärken – Gremmels diskutiert mit Forschenden

Fulda (gü/pm) – Im Rahmen der dritten Veranstaltung der Gesprächsreihe „Demokratieforschung im Dialog“ war der hessische Wissenschaftsminister Timon Gremmls am Donnerstag zu Gast an der Hochschule Fulda. Bei der Podiumsdiskussion, zu der rund 90 Hochschulangehörige und Bürger gekommen waren, wurde der Frage nachgegangen, wie Demokratieforschung die Zukunft der Demokratie stärken kann.

Von links: Prof. Dr. Jörg Kreiker, Prof. Dr. Martina Ritter, Prof. Dr. Karim Khakzar, Alexander Wiegel, Timon Gremmls, Prof. Dr. Benjamin Ewert, Prof. Dr. Eva Gerharz, Prof. Dr. Claudia Wiesner und Dr. Anke Günther. Foto: Jasha Günther.

„Hochschulen sind Orte, an denen Wissen entsteht, und zugleich Räume, in denen Demokratie gelebt wird. Die hessischen Hochschulen sind demokratisch selbstorganisiert und genießen ein hohes Maß an Autonomie. Alle Hochschulmitgliedern haben die Möglichkeit, die Zukunft und Entwicklung unserer Hochschule mitzugestalten. Das bedeutet allerdings auch Verantwortung zu übernehmen und für Werte einzustehen“, sagte Prof. Dr. Karim Khakzar. Präsident der Hochschule Fulda, in seinem Grußwort: „Als Bildungseinrichtung praktizieren wir dies natürlich nicht nur in der Selbstverwaltung, wir versuchen unsere Studierenden selbstverständlich auch im Rahmen des Studiums darin zu bestärken, Verantwortung für unsere Gesellschaft zu übernehmen und begleiten sie damit in ihrer Persönlichkeitsentwicklung. Selbst in den großen Forschungsvorhaben der Hochschule Fulda geht es um Themen wie soziale Gerechtigkeit, Teilhabe und Gestaltung durch Beteiligung – wichtige Fundamente unserer Demokratie. Die Hochschule Fulda will diesen Dialog fördern und zeigen, dass Wissenschaft vor Ort einen Unterschied machen kann.“

Gremmels sprach ebenfalls ein Grußwort, im dem er deutlich machte, dass die Sozialwissenschaften genauso wichtig seien, wie die technischen und naturwissenschaftlichen Bereiche. „Demokratieforschung denkt voraus, gerade in einer Situation, in der uns die Gefährdung und Brüchigkeit der Demokratie beunruhigen. Dieser weite Blick der Wissenschaft erlaubt uns, die großen Entwicklungen und Strömungen zu verstehen, über die Aufgeregtheit von Tagesmeldungen hinaus“, sagte Gremmels: „Wir leben in unruhigen Zeiten und die Demokratie ist bedroht. Es gibt leider auch in Deutschland zunehmend Kräfte, die die Bindung an Grundrechte nicht beachten, unsere verfassungsgemäßen Institutionen nicht würdigen und demokratisch-faire Regeln nicht befolgen. Wir alle sind aufgerufen, für unsere Demokratie einzutreten. Für diese wichtige Aufgabe bietet uns die Demokratieforschung eine sachliche, wissenschaftlich fundierte Basis.“

Prof. Dr. Claudia Wiesner leitete mit einem Impulsvortrag zum Thema „Demokratie erforschen – Zukunft verstehen“ die Diskussion ein. Sie blickte unter anderem darauf, warum die Unterstützung für liberale Demokratien weltweit sinke, warum Populismus nicht per se ein Problem sei, aber zu einem werde, wenn entsprechende Parteien an die Regierung kommen und die sich verändernden Rahmenbedingungen. Im Anschluss folgte die von Prof. Dr. Martina Ritter, Vizepräsidentin für Forschung und Transfer, moderierte Podiumsrunde. Neben Gremmels nahmen die Forschenden Prof. Dr. Eva Gerharz, Prof. Dr. Claudia Wiesner, Prof. Dr. Benjamin Ewert sowie Alexander Wiegel, der sich als Student über die Jahre in verschiedenen Gremien der Hochschule aktiv eingebracht hat und unter anderem Asta-Vorsitzender war. Es ging unter anderem um Fragen, wie „Welche Entwicklungen bedrohen und verändern demokratische Teilhabe?“. Nach einigen Fragen von Ritter, konnten auch die Gäste, unter denen auch Landtagsabgeordnete Tanja Hartdegen, sowie von der Hochschule Fulda Vizepräsident Prof. Dr. Jörg Kreiker und Kanzlerin Dr. Anke Günther waren, ihre Fragen stellen. Die Teilnehmenden der Veranstaltung sahen die Verantwortung der Wissenschaft darin, Rückhalt zu geben, in einer Zeit, in der Orientierung häufig bewusst durch irreführende und falsche Tatsachenbehauptungen erschwert werde. Demokratie verfüge über Rechtssicherheit und starke Institutionen. Um diese Staatsform in die Zukunft zu tragen, müsse sie krisenfest gemacht werden. Für eine breite Öffentlichkeit zugängliche und gleichzeitig wissenschaftsstärkende Formate wie die Gesprächsreihe „Demokratie im Dialog“ könnten dazu beitragen.

 

Hintergrund

Die Gesprächsreihe des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur (HMWK) bringt Wissenschaft und Politik mit Bürgerinnen und Bürgern zusammen, um auch mit diesem Austausch ein Zeichen für den demokratischen freien Meinungsaustausch zu setzen, den Bürgerinnen und Bürgern Wissenschaft zu vermitteln und die vielfältige Landschaft der Demokratieforschung in Hessen zu zeigen. Die Gespräche sind Teil des Programms „Stärkung der Demokratieforschung Hessen“ des hessischen Wissenschaftsministeriums. In sechs Förderlinien stärkt das Programm die Vernetzung hessischer Akteure sowie starke Demokratieforschung mit großem Transferpotenzial. Es beinhaltet auch einen Promotionspreis, eine regelmäßige Tagung sowie die Paulskirchen Professur für Demokratieforschung.

Wie Demokratieforschung dazu beiträgt, eine demokratische Zukunft zu gestalten, wird auch an den zwei Projekten deutlich, mit denen die Hochschule Fulda am Programm „Stärkung der Demokratieforschung Hessen” beteiligt ist und damit Strategien für ein friedliches, inklusives und demokratisches Zusammenleben in der Zukunft entwickelt: Am Hessischen Wissensnetzwerk „Inklusive und barrierefreie Demokratie" ist die Hochschule Fulda über den Fachbereich Sozialwesen, Fachgebiet Rehabilitation und Teilhabe im Sozialraumbezug, aktiv. Ebenso wirkt die Hochschule Fulda an der Entwicklung des Hessen-Monitors „Demokratische Zustände in Hessen“ mit und trägt so zu einer systematischen Erfassung der politischen Einstellungen der hessischen Bürgerinnen und Bürgern bei.

 

Informationen zu den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Diskussionsrunde:

Prof. Dr. Martina Ritter ist Vizepräsidentin für Forschung und Transfer der Hochschule Fulda, Professorin für Soziologie, Politische Soziologie und Sozialraumforschung am Fachbereich Sozialwesen der Hochschule Fulda.

Prof. Dr. Eva Gerharz ist Professorin für Soziologie mit dem Schwerpunkt Globalisierung an der Hochschule Fulda, leitet das „Fulda Graduate Centre of Social Sciences (FGCSS)“, ein Promotionszentrum mit Fokus Sozialwissenschaften, Globalisierung, Europäische Integration und Interkulturalität und ist Sprecherin des DFG-FIP „Shaping Future Society – The Mutual Constitution of Future Oriented Practices and Communtiy” (SaFe).

Prof. Dr. Claudia Wiesner ist Professorin für Politikwissenschaft an der Hochschule Fulda und Mitglied des Direktoriums des „Point Alpha Research Institute“. Sie leitet das Jean Monnet Centre of Excellence „Europe in the World“. Sie ist in der Förderline Hessen-Monitor am Projekt „Demokratische Zustände in Hessen“ beteiligt.

Prof. Dr. Benjamin Ewert ist Professor für Politik für Gesundheitsberufe, Fachbereich Pflege und Gesundheit, Hochschule Fulda und vertrat den Forschungsverbund „E-Partizipation für Transformierung nutzbar machen: Erkunden von Anwendungsfeldern, Einflussfaktoren und Wirkungen“.

Alexander Wiegel ist Masterstudent im Fachbereich Angewandte Informatik und arbeitete in den vergangenen Jahren in diversen Hochschulgremien mit. Unter anderem war er Asta-Vorsitzender.

Demokratieforschung im Dialog. Fotos: Jasha Günther