Lokales FD 20.11.2025

Brücke Eselswasser in Flieden – Gärtner: „Nehmen Sorgen sehr ernst“

Flieden (pm/pf) – Die Brücke über das Eselswasser sei für viele Menschen in Flieden mehr als nur eine einfache Querung. „Sie ist ein vertrauter Weg, ein Stück Alltagsgeschichte, ein Ort, mit dem Erinnerungen verbunden sind. Dass die Diskussion darüber nun viele bewegt, ist für uns sehr nachvollziehbar“, beginnt Bürgermeister Christopher Gärtner seine Stellungnahme zum aktuellen Thema.

Bürgermeister Christopher Gärtner. Archivfoto: Görlich Media

In den vergangenen Tagen sind bei der Gemeindeverwaltung zahlreiche Anrufe, E-Mails, persönliche Gespräche eingegangen, Unterschriften werden gesammelt und eine Online-Petition ist im Umlauf. Jede einzelne dieser Rückmeldungen wurde aufmerksam wahrgenommen und sorgfältig gelesen.

Bürgermeister Christopher Gärtner betont: „Ich verstehe gut, warum dieses Thema die Menschen so berührt. Niemand – weder der Gemeindevorstand noch ich persönlich – möchte diese Brücke einfach verschwinden sehen. Es ist uns wichtig, dass die Bürgerinnen und Bürger wissen: Wir hören ihnen zu.“

Trotz der emotionalen Bedeutung der Brücke müsse die Gemeinde bestimmte gesetzliche Vorgaben beachten. Dazu gehöre vor allem die Verantwortung für die Sicherheit und Haftung rund um die Brücke sowie der verpflichtende Schutz von Natur und Gewässer, insbesondere im FFH- und Natura-2000-Bereich des Eselswassers. Diese rechtlichen Rahmenbedingungen würden klare Grenzen vorgeben, die nicht ignoriert werden dürfen: „Ich nehme alle Sorgen und Hinweise sehr ernst – und ich nehme sie mir auch zu Herzen“, sagt Bürgermeister Gärtner. „Viele Gespräche haben mich persönlich erreicht, und ich möchte, dass die Menschen wissen: Wir sind in dieser Frage nicht stur oder unnachgiebig. Wir versuchen, eine Lösung zu finden, die das Gemeinwohl im Blick behält und gleichzeitig den berechtigten Wünschen der Bevölkerung Raum gibt.“

Aus diesem Grund werden der Gemeindevorstand und die Fraktionsvorsitzenden der Gemeindevertretung noch am Donnerstag gemeinsam mit dem zuständigen Fachdienst des Landkreises Fulda beraten. „Dabei werden wir alles auf den Prüfstand stellen, jede Möglichkeit sorgfältig abwägen und noch einmal genau hinhören, welche Spielräume bestehen“. Bürgermeister Gärtner stellt klar: „Solange wir noch nach Lösungen suchen, wird nichts abgerissen. Dieses Versprechen gebe ich den Menschen in Flieden.“ Die Gemeinde möchte in dieser sensiblen Situation Zuversicht geben: „Wir sehen die Sorgen. Wir verstehen die Emotionen. Und wir arbeiten verantwortungsvoll daran, eine gute Lösung zu finden – mit Ruhe, Respekt und Augenmaß“.

 

SPD forderte Kurswechsel beim Thema Eselswasser-Brücke

Bereits Anfang der Woche hatten sich der SPD-Ortsverein und die SPD-Fraktion in der Fliedener

Gemeindevertretung geäußert und sich klar für den Erhalt bzw. eine Erneuerung der

Fußgängerbrücke ausgesprochen: Die jüngsten Recherchen sowie ein direktes Gespräch von Fraktionsvorsitzendem Dirk Leitschuh mit dem Fachdienst Wasser und Bodenschutz (untere Wasserbehörde) hätten für die SPD Fraktion zu einer Neubewertung geführt. Die untere Wasserbehörde sehe keine wasserrechtlichen Gründe, die gegen eine Brücke an dieser Stelle sprechen, so die SPD, die darüber hinaus angab, dass Abriss der bestehenden Brücke vom Landkreis nicht angestrebt werde. Ein Neubau sei möglich, sofern die konkrete Planung mit der Behörde abgestimmt werde. „Die hohen Planungskosten, wie sie vom Bürgermeister genannt wurden, sind aus Sicht der SPD-Fraktion nicht zwingend erforderlich – insbesondere dann nicht, wenn ein großer Teil der Planung für dieses nicht allzu komplexe Vorhaben durch das Bauamt erfolgen würde“, schrieb die SPD.

In der öffentlichen Diskussion sei Teils der Eindruck erweckt worden, die Brücke sei formell nicht genehmigungsfähig und ein Neubau an dieser Stelle nahezu ausgeschlossen. Diese Darstellung sei nach aktueller Sachlage nicht haltbar. Gleichzeitig zeige die starke Beteiligung in einer Online-Petition, wie wichtig das Bauwerk für viele Bürgerinnen und Bürger ist. „Die SPD-Fraktion unterstützt die Petition ausdrücklich. Die für 2026 eingeplanten Haushaltsmittel für die Brücke sollen vollständig erhalten bleiben. Geprüft werden soll sowohl eine Instandsetzung als auch ein möglicher Neubau. Sollte das Budget nicht ausreichen, rechnet die SPD mit der Unterstützung der Bevölkerung – etwa durch Spenden oder ein gemeinsames Benefizfest“, heißt es weiter.

„Wir geben offen zu: Auch wir haben uns zunächst auf die Aussagen des Bürgermeisters verlassen und unsere ursprüngliche Haltung danach ausgerichtet“, erklärt Dirk Leitschuh. „Aufgrund den neuen Erkenntnissen konnten wir aber nicht anders als unsere Position zu korrigieren – besser spät als nie.“ Alle anderen Fraktionen in der Gemeindevertretung fordert die SPD auf, sich der aktualisierten Faktenlage anzuschließen und gemeinsam eine Lösung im Sinne der Bürgerinnen und Bürger zu finden. „Die Brücke ist mehr als ein Steg – sie ist ein wichtiges Stück gewachsene Ortsidentität - ein Stück Heimat“.