Der Goldpreis sei im vergangenen Jahr deutlich gestiegen, erklärt Dujano Schmitt, Geschäftsführer der Schmitt Fine Art UG im Kaufhaus Karl: „Wir sind mit der Nachfrage gar nicht hinterhergekommen.“ Kostete ein Gramm Feingold Anfang des Jahres noch unter 90 Euro, habe jemand im Oktober teilweise bis zu 120 Euro pro Gramm bezahlt: „Das ist sehr heftig.“ Der Experte für Schmuck und Edelmetalle spricht von einem Zuwachs bis zu 33 Prozent im genannten Zeitraum. Auf der Internetseite seines Geschäfts präsentiert er den aktuellen Kurs, für wie viel das teure Edelmetall gehandelt wird. Eines sei klar: „Wer vor vier oder fünf Jahren Gold gekauft hat, hat richtig Plus gemacht.“
Zu der Kundschaft von Schmitt gehören unter anderem Menschen, die alten Schmuck schätzen lassen und veräußern wollen. Vielen sei der hohe Goldpreis gar nicht bewusst: „Das überrascht die Leute täglich. Die denken, der Schmuck sei nicht viel wert.“ Während der Gespräche komme es auch häufiger vor, dass die Kundinnen und Kunden Freudentränen vergießen würden, wenn das Äquivalent eines Neuwagens auf dem Tisch liege. Er ergänzt: „Die Nachfrage zum Kauf von Gold ist auch sehr groß.“ Wie sich der Markt in den kommenden Monaten weiterentwickele, kann Schmitt nicht sicher sagen. Er unterstütze die Kundinnen und Kunden gerne mit einer umfassenden Beratung beim Verkauf. Im Frühjahr werde der Gold-Experte zudem ein neues Geschäft eröffnen, in dem verschiedene hochwertige Vintage-Produkte, Schmuck und Uhren zum Verkauf ausgestellt werden. Geplant sein unter anderem Live-Auktionen.
Sparkasse Fulda: Spürbares Interesse an Gold als Anlage
Neben Privatkäuferinnen und -käufern beobachten auch die Banken in Deutschland natürlich die Entwicklung beim Goldpreis. Wie Richard Hartwig, Vorstandsstab der Sparkasse Fulda angibt, lag dieser vor der jüngsten Korrektur um über 60 Prozent bei 4400 US-Dollar pro Feinunze. Dies habe verschiedene Ursachen gehabt, unter anderem die Zweifel an der US-Staatsverschuldung, Zoll- und Handelskonflikte sowie die Goldankäufe der Notenbanken. „Die Kursrallye zog zudem immer mehr spekulative Anleger an, die auf weiter steigende Kurse setzten“, stellt Hartwig fest. Die Kooperationspartner der Sparkasse Fulda sehen den Goldpreis auf Sicht von zwölf Monaten bei etwa 4000 Dollar pro Feinunze, ergänzt er. Das entspreche in etwa dem aktuellen Niveau.
Bereits 2024 sei ein gutes Jahr für Gold gewesen, merkt Hartwig an: „Nach vergleichsweise starken Umsätzen in diesem Frühjahr verhielten sich goldinteressierte Kundinnen und Kunden in der darauffolgenden Zeit allerdings vorsichtiger.“ Im vergangenen halben Jahr, das heißt von März bis September, hätten die Kundinnen und Kunden Goldbarren und -münzen für durchschnittlich circa 800.000 Euro pro Monat erworben. Der Vorstandsstab macht jedoch deutlich: „Im Vergleich zu dem, was Kunden jeden Monat bei unserer Sparkasse insgesamt neu in Wertpapieren und Sparkassenprodukten anlegen (Geldvermögensbildung), ist das ein Betrag von untergeordneter Bedeutung.“ Bei denen, die sich für Gold als Anlage interessieren, seien neben physischen Produkten auch Derivate im Kurs. Hartwig fügt an: „Grundsätzlich raten wir zu einer langfristigen, ganzheitlichen, auf ihre persönlichen Einkommens- und Vermögenssituation zugeschnittenen Kapitalanlage.“
VR Bank Fulda: Beratungin der VR Goldmine
Der Handel mit Gold und Edelmetall gehöre seit jeder zum Bankgeschäft, erläutert Patrick Harnier, Bereichsleiter Servicebank der VR Bank Fulda. Der aktuelle Goldpreis lasse zwei Verhaltensmuster erkennen: „Diejenigen, die noch kein Gold besitzen, fragen aktiv nach und bei denjenigen, die Gold seit vielen Jahren im Bestand haben, lässt sich eine gewisse Entspanntheit beziehungsweise Freude über die Wertentwicklung erkennen.“ Ein Blick auf den Gesamtmarkt zeige eine deutlich gesteigerte Nachfrage, was teilweise zu ersten Lieferengpässen führe: „Um Lieferfähigkeit zu jeder Zeit zu gewährleisten, arbeiten wir mit leistungsfähigen Partnern. Derzeit haben wir alle gängigen Formen des sogenannten Anlagegoldes vorrätig.“ Neben Münzen und Barren in gegossener und geprägter Form seien dies auch Tafelbarren. Diese bestehen aus einzelnen Ein-Gramm-Stücken, ähnlich einer Tafel Schokolade, so Harnier: „die für Notfälle aus dem Barren herausgebrochen werden können.“
Ein ausgewogener Goldanteil gehöre in fast jedes Portfolio, gibt der Bereichsleiter an: „In unserer VR GoldMine, einem speziellen Beratungsraum, in dem die Kunden echtes Gold/Silber/Platin live anfassen können, führen wir täglich Gespräche rund um das begehrte Edelmetall.“ Im Beratungsraum erfahren die Kundinnen und Kunden viel über die Gewinnung und Herstellung des Goldes, die Funktionsweise speziell in Bezug auf Inflationsschutz, den Kauf- und Verkaufsprozess sowie die sichere Lagerung. „Gold hat über Jahrtausende nachweislich bewiesen, dass es als ein hervorragender Inflationsschutz funktioniert und Risiken in einem Portfolio reduzieren kann“, stellt Harnier fest. Er halte es daher in der aktuellen Jahreszeit mit der Aussage: „Wer streut – rutscht nicht“.
Die aktuellen Kurse erleichtern ebenfalls Betrügern den Vertrieb von sogenanntem Katzengold (Falsches Gold), erklärt der Bereichsleiter. Nicht unwesentlich sei auch die Qualität der angebotenen Ware: „Oft werden Kunden mit falschen Versprechen angelockt, um dann erst nach Zahlung der Ware festzustellen, dass nur ein Teil der Ware zum günstigen Preis verfügbar ist und der noch ausstehende Teil der Lieferung erst später zu dann wesentlich höheren Kursen nachgeliefert werden kann.“ Örtliche Banken unterliegen einer strengen Aufsicht, so Harnier. Sie könnten daher qualitativ hochwertige Ware mit dem Nachweis der Lieferketten vom Hersteller bis zum Endkunden anbieten: „Nicht selten entpuppt sich das günstige Schnäppchen zum Zeitpunkt des meist viel späteren Verkaufes als Fälschung.“
