„Ich habe den Laden mit Liebe geführt – und ich hätte niemanden Besseres finden können als die Nina Keller-Kaufmann“, führt die langjährige Inhaberin aus. Der Kindermodelladen hat eine lange Geschichte. „Das Geschäft ist mit mir in zweiter Hand und ich führe den Laden seit 38 Jahren. Der Laden selbst wurde 1945 von Frau Landmann aufgemacht, sie hat damals in Heimarbeit Sachen für Kunden genäht“, erinnert sich Remmy. Der Weg zu Bambolino sei für Remmy ein glücklicher Zufall gewesen: „Zu dem Laden bin ich damals tatsächlich so ein wenig über meinen Mann gekommen. Der hat mit Hermann Landmann, dem Sohn der Ladenbesitzerin, zusammengearbeitet. Ich habe immer gesagt, irgendwann würde ich den gerne übernehmen – und dann kam der Kontakt zustande. Das war damals einfach ein Gefühl. Der Laden war nicht zu groß und sehr übersichtlich. Da habe ich sofort gewusst: Hier möchte ich den Kindermodeladen weiterführen.“
Remmy erweiterte das Sortiment, fuhr auf Messen, sprach mit Händlern und entwickelte Bambolino Schritt für Schritt weiter: „Ich habe damals dann bis auf die Größe 128 erweitert. Die Frau Landmann hatte nur Babyklamotten. Ab dann bin ich auf Messen gefahren, habe mit Händlern gesprochen und mich über vieles informiert. Es war immer klar: Wenn ich es mache, dann richtig.“ Gleichzeitig blieb für sie eines immer entscheidend: die persönliche Atmosphäre. „Ganz viele Kunden schätzten die Qualität in meinem Laden und die persönliche Komponente. Das hat sich durch die ganzen 38 Jahre durchgezogen“, erklärt Remmy.
Mit einem Lächeln erinnert sie sich an ihre Anfangszeit: „Die ersten drei Jahre hätte ich am liebsten jede Nacht in dem Laden übernachtet.“ Auch Kurioses blieb in Erinnerung. „Eine Kundin sagte einmal zu mir: ‚In Ihrem Laden wäre ich auch gerne mal eine Nacht eingeschlossen.‘ Sie wollte einfach in Ruhe alles durchstöbern.“
Über die vielen Jahre hinweg habe sich ein feines Gespür für die Kundschaft entwickelt. „Bei jedem Tag, den man länger im Laden gearbeitet hat, wusste man einfach mehr, was die Kunden wollen und erwarten“, sagt sie. Ihr Mann sei immer eine treibende Kraft an ihrer Seite gewesen. Nun, mit 73 Jahren, sei für sie der richtige Zeitpunkt gekommen, in Rente zu gehen. „Der Laden war am Ende 38 Jahre mein Herzblut“, schwärmt Remmy.
Der Entscheidungsprozess sei leichter geworden, als sich eine passende Nachfolgerin fand. „Eine junge Frau, die lange Kundin war, übernimmt den Laden. Sie hatte gefühlsmäßig das gleiche Gefühl wie ich damals. Dadurch war ich bereit, obwohl der Laden gut läuft, in meinen Ruhestand zu gehen – und zwar mit dem Wissen, dass es den einzigen Kindermodeladen in Fulda auch weiterhin geben wird.“ Die Reaktionen ihrer Kunden seien rührend gewesen: „Die waren total lieb. Viele waren treu über Jahrzehnte und haben mir nur das Beste gewünscht. Eine bessere Nachfolgerin hätte ich gar nicht finden können.“
Auch an schwere Zeiten denkt sie zurück, etwa an die Pandemie. „Ich kann mich erinnern: Während Corona stand ich einmal im Laden und war sehr traurig. Eine Stammkundin ging vorbei und hat das gemerkt. Sie hat mir später eine E-Mail geschickt und ihre Hilfe angeboten. Das war so schön und aufmerksam.“ Während des Lockdowns habe sie sogenannte Überraschungstüten angeboten – Kundinnen gaben Größe und Geschlecht an und holten die vorbereiteten Tüten kontaktlos ab.
Nun wird die Realität des Abschieds greifbar. „Jetzt wird einem langsam klar, dass es passiert“, sagt sie. Der Name Bambolino, der kurz nach dem Krieg entstand, werde weiter bestehen. Auch ihr Grundgedanke bleibe sichtbar: „Von Anfang an war mein Motto: Ich will nicht ganz hochpreisig sein – irgendwas zwischen Kaufhaus und ganz exklusiv, aber mit guter Qualität zu einem leistbaren Preis.“
Der Räumungsverkauf läuft bereits. Bis zum 15. Januar ist das Geschäft geöffnet, bevor der Laden für Umbau und Renovierung schließt. Am 28. Februar folgt die Neueröffnung unter der neuen Inhaberin Keller-Kaufmann. „Die ist mit so viel Herzblut dabei – sonst hätte ich es auch nicht gemacht“, sagt Remmy. Und es ist spürbar: Auch wenn sie sich nun verabschiedet, bleibt ein Teil von ihr immer zwischen den Regalen des Bambolino.
