„Ohne ihn würde es Ballmaier nicht mehr geben“, ist sich Dieter Friesen sicher und klärt auf: „Nachdem über die Baustelle berichtet wurde, hat es vielleicht zwei oder drei Stunden gedauert, bis sich der Oberbürgermeister bei uns gemeldet und ein Treffen in seinem Büro vorgeschlagen hat.“ Der Einladung folgten die beiden Eigentümer Othmar und Horst Ballmaier sowie Friesen selbst mitsamt Lebensgefährtin – ohne im Vorfeld jedoch die allergrößten Erwartungen gehabt zu haben: „Was dann aber passiert ist, da ist mir die Kinnlade runtergefallen“, so Friesen nach dem Gespräch mit Oberbürgermeister Wingenfeld: „Er hat sich voll für uns eingesetzt und gesagt, dass es ja ein Unding sei, wenn ein so erfolgreicher Handwerksbetrieb wegen einer Baustelle schließen müsse.“
Doch was war überhaupt passiert? Die Bäckerei Ballmaier existiert mittlerweile seit über 150 Jahren am Fuldaer Severiberg. An Karfreitag 2024 flatterte dann ein kleiner Zettel unter der Tür der Traditionsbäckerei hindurch: Ab Dienstag der Folgewoche, also vier Tage später, sollte bereits auf der Baustelle gearbeitet werden. Die Straße vor dem Laden wurde komplett aufgerissen, weder der Zugang zum Laden noch zur Backstube waren möglich. „Wir wussten, dass es diese Baustelle geben soll. Allerdings nicht wann. Die Kommunikation war mangelhaft, wir wussten dann auch nicht, wie lange das gehen soll. Ich war ziemlich erbost“, erinnert sich Friesen ungern zurück: „Wir mussten dann offiziell zumachen, haben also unter anderem auch den Pachtvertrag gekündigt.“
Dann folgte jedoch der Anruf des Oberbürgermeisters. Mit der Unterstützung von oberster Stelle aus der Fuldaer Politik stellte Friesen mit seinem Team nun einen Plan auf, wie es nun weitergehen kann. Für Friesen und sein Team, inklusive der Eigentümer Othmar und Horst Ballmaier war schnell klar: Es soll weitergehen. „Wir haben dem OB den Plan vorgelegt und er hat sich wirklich herausragend für uns eingesetzt“, betont Dieter Friesen nochmals: „Die notwendigen Genehmigungen von der Stadt waren im Anschluss auch schnell da.“ Aktuell schreiten die Sanierungsarbeiten voran, am 1. Juli sei dann die Wiedereröffnung geplant: „Das ist unser erklärtes Ziel, wir hoffen, dass das auch klappt. Aber ich bin happy, es geht vorwärts.“ Kostenpunkt der Umbaumaßnahmen werden circa 100.000 Euro sein.
Gebacken wird dann jedoch nicht mehr am Serveriberg, sondern fortan bei Riesen-Friesen in Lehnerz. Die Altstadtbäckerei wird künftig ein reiner Verkaufsladen sein, mit einem neuen, kleinen Café, welches aus dem alten Wohnzimmer der Eigentümer Ballmaier entsteht. „Wir haben dort praktisch kernsaniert, die Elektrik ist neu, die Theke auch. Wobei hier noch Elemente der alten Theke verblieben sind. Damit wollen wir sicherstellen, dass auch im sanierten Laden der Flair von Ballmaier nicht verloren geht“, erläutert Friesen abschließend.
