Ging Maraun in seiner Begrüßung auf das Datum ein und verwies angesichts der verfolgten und inhaftierten „SPD-Genossen“ klar drauf, dass „der 8. Mai für uns ein Tag der Befreiung war“, wechselte er dann schon n seiner Begrüßung schnell in die aktuelle Politik. Klar sprach er sich gegen die Begrenzung der Migration aus: „Wir brauchen hier junge Menschen und dürfen uns auch nicht wegducken, wenn Menschen hierher flüchten, weil sie es in ihrer Heimat aufgrund des hauptsächlich durch die Industrieländer verursachten Klimawandels nicht mehr aushalten.“
Auch wenn im Laufe des Abends alle bekannten, in der Mitgliederbefragung für den Koalitionsvertrag mit der CDU gestimmt zu haben, machte Maraun deutlich, dass dies nur aus „politischer Verantwortung“ geschehen sei, um das „Liebäugeln“ des Koalitionspartners mit „anderen Parteien zu verhindern, die bundesweit als rechtsextrem eingestuft werden“: „Wir sind die Partei des Lichts und werden den Kampf gegen die Finsternis nicht aufgeben.“ Womit er zur Diskussion überleitete zum Oberbegriff „Die SPD in Fulda - Gestern, Heute und Morgen?“. Nach vier verlorenen Wahlen in den letzten vier Jahren – als Letztes die Bundestagswahl mit 16 Prozent (in Fulda waren es weniger als 13 Prozent), seien alle Mitglieder gefragt, wenn es darum gehe, etwas zu verändern. Wichtige Bevölkerungsgruppen wie die Jugend oder das frühere Stammklientel, die Arbeiter, würden die SPD zumindest zurzeit nicht mehr wählen: „Wie kommen wir als Partei endlich wieder ins Gestalten, verwalten hilft uns nicht weiter. Es geht nicht, dass wir nach solch einer desaströsen Wahl als erstes fragen, welche Posten können wir kriegen.“
Engagiert diskutierten die Anwesenden dann. Robert Vey (Fulda) forderte, dass sich die SPD wieder mehr um das Soziale, sei es im Bereich des Gesundheitswesens oder des Wohnraummangels, kümmern müsse. Andreas Goerke bemängelte: „Wir sind eine Partei, die nicht die Arbeitnehmer, sondern nur noch die Akademiker vertritt. Dr. Szymon Mazur fragte, ob er als „weißer Mann und Akademiker“ ein Problem sei. Wenn er sich als etwas anderes ausgeben würde, würde man ihm „kulturelle Aneignung“ vorwerfen. Es müsse gefragt werden, warum die Arbeitnehmer zur AfD gingen: „Weil sie einfache Lösungen anbietet. Deshalb dürfen wir aber nicht anfangen ein solches Programm zu übernehmen. Das ist das, was Nancy Faeser teilweise gemacht hat. Wir dürfen aber unsere Grundwerte nicht aufgeben.“ Von einem anderen Anwesenden wurde dem zugestimmt: „Wir müssen unsere Positionen beibehalten und dürfen uns nicht kleiner machen, als wir schon sind.“ Julius Vogel verwies auf das grundsätzliche Problem bei der Bundestagswahl: „Die Wahl wurde mit den Themen Migration und Wirtschaft entschieden – und da wird uns nichts zugetraut.“
Jochen Hammerschick ging auf die Regierung ein: „16 Jahre Merkel waren genug. Gestalten statt nur verwalten. Sagt wir ihr leben wollt und danach müssen wir uns richten.“ Von Hans-Joachim Tritschler (Fulda) wurde das ähnlich gesehen: „Drei Wahlen in den Sand gesetzt. Wir haben uns von denen entfremdet, die uns wählen. Wir hatten die falschen Personen. Etwas, worauf wir bei den kommenden Kommunalwahlen im nächsten Jahr auch achten müssen.“ Sylvia Hillenbrand gab sich gegen Ende der Diskussion eher kritisch: „Was hier passiert, davon bin ich enttäuscht. Wir fangen an verschiedene Gruppen gegeneinander auszuspielen.“
Mit Volker Oertel (Fulda) hatte nur ein Delegierter die Ampel verteidigt: „Von ihren 400 geplanten Vorhaben hat die Ampel über 200 umgesetzt und mehrere standen kurz davor, bis die FDP die Koalition aufkündigte. Das ist mehr als alle Regierungen vor ihr.“ Umso kritischer ging er mit der hessischen SPD um: „Was in Wiesbaden passiert ist, dass die, welche die Wahl versemmelt haben die besten Posten bekommen - das kann nicht sein.“ Insgesamt war es eine angeregte Diskussion – wenn auch noch ohne echtes Ergebnis.
Einmütiger war dann der Applaus für Christine Fischer, der Andreas Maraun neben Dankesworten einen Blumenstrauß überreichte für ihren „engagierten Bundestagswahlkampf“.
