Zeit hatte Schaaf genug, sich Gedanken zu machen, wie sein Abschied aussehen soll. Seit der Bekanntgabe im Januar, dass er seinen Vertrag nicht verlängert, sind fast vier Monate vergangen. Der Kapitän der SG Barockstadt aber stellt keine Anforderungen: „Ich habe mir da gar keine großen Gedanken gemacht, was wie wo passiert. Dafür sind andere zuständig. Ich weiß, dass im Hintergrund was läuft, aber da lasse ich mich überraschen“.
Der Super-GAU wurde abgewendet, die Klasse zeitig gesichert, sodass sich Schaaf mit dem Liga-Verbleib verabschieden darf: „Alles andere wäre natürlich doof gewesen, aber jetzt bin ich froh, dass wir es in trockenen Tüchern haben, und das ist auch hochverdient“.
An seiner Entscheidung hat sich derweil nichts geändert. Schaaf wird gegen Homburg sein letztes Regionalliga-Spiel bestreiten, nimmt Abschied vom harten, aktiven Viertliga-Geschäft. „Ich stehe dazu“, betont Schaaf offen und ehrlich, wie er seit 2012 beim TSV Lehnerz und später bei der SG Barockstadt schon immer war. „Das war eine Entscheidung, die nicht leichtsinnig getroffen wurde, sondern nach reiflicher Überlegung und Abwägung beider Seiten. Es war nicht leicht“.
Schaaf sollte in der Restrunde eigentlich die eine oder andere Pause bekommen, musste dann aber in so manchem Spiel doch wieder früher als geplant für verletzte Mitspieler ran. So oder so war aber der körperliche Aspekt auch einer, der zu seiner Entscheidung führte. „So eine Regionalliga-Saison geht in einem gewissen Alter nicht spurlos an einem vorbei. Dazu kommt, dass die Regenerationsphasen nicht lange sind, wenn man Familienvater ist, einen Job hat und ein Haus unterhalten muss“. Auch der mentale Aspekt sei dabei. Schaaf habe „enorm viel investiert“, und freut sich nun auf seinen Abschied.
Am Samstag in der Johannisau werden einige Weggefährten von „Schaafi“ im Stadion sein: „Von einigen weiß ich, bei anderen lasse ich mich überraschen“. Ansprüche hat er keine: „Ich bin mit allem zufrieden“. Auch einen „geschenkten Elfmeter“ wolle Schaaf zum Abschied nicht haben: „Ich habe früher mal geschossen, das war glaube ich noch zu Lehnerzer Zeiten. Ich übernehme gerne Verantwortung, aber dann gab es Stimmen, dass ich das lassen sollte. Der Linie bin ich treu geblieben. Auf ein Tor mehr oder weniger würde es jetzt auch nicht mehr ankommen“.
Mit einem Sieg gegen den Tabellennachbarn aus Homburg, der nach dem famosen Triumph über Saarbrücken nun wohl eher auf das Pokal-Endspiel im Saarland hin fiebert als auf das Gastspiel in Fulda, könnte die SGB den achten Platz in der Abschlusstabelle erreichen. Ein kleines Ziel, wenngleich Schaaf betont: „Egal wie es ausgeht, ich werde den Tag genießen“.
Es steht ihm zu nach knapp 13 Jahren: Bei der JSG Lautertal fing alles an, später kickte Schaaf für seinen Lieblingsverein aus Mönchengladbach im Nachwuchs. Über die kurzen Stationen Flieden und die Eintracht ging es nach Lehnerz. Dort wurde Schaaf heimisch, absolvierte für den TSV beziehungsweise die SG Barockstadt 375 gezählte Pflichtspiele, etliche Trainingsstunden und Testspiel-Einsätze kommen obendrauf. Über 33.000 Pflichtspiel-Minuten stehen in der Statistik, knapp 90 kommen am Samstag nochmal dazu.
Und was passiert danach? „Erstmal geht am Sonntagmorgen der Flieger“, schmunzelt Schaaf: Mit über 20 Teamkollegen geht für knapp drei Tage nach Mallorca. „Dann läuft alles eigentlich normal weiter. Die Arbeit geht weiter, die Familie ist zum Glück auch da. Die Sommerpause ist erstmal nichts Neues“. Erst wenn die Vorbereitung startet, dann ohne Schaaf, könne er wehmütig werden. Aber: Die Zeichen stehen gut, dass Schaaf dem Verein erhalten bleibt. Er bestätigt: „Ich bin in guten Gesprächen, dass es ab 1. Juli in irgendeiner Position nahtlos weitergeht“.
Ganz die Schuhe an den Nagel hängen will er aber auch nicht – und es kommt wohl, wie es kommen musste. Schaaf, in Lauterbach geboren und in Engelrod heimisch, will seinen Spielerpass bei der FSG Vogelsberg hinterlegen. „Das ist eigentlich kein Geheimnis, aber ich gehe da gar keine Verpflichtungen ein“. Er wolle sich im Training fithalten, so wie es zeitlich passt – diesen Anspruch hat er auch nach seinem Abschied in Fulda. Und er schaut mit einem Auge natürlich auf die Kreisoberliga Süd: „Ein Aufstieg wäre für alle Beteiligten bei der FSG ein riesengroßer Erfolg“.
Osthessen-Zeitung ist beim Saisonabschluss der SGB am Samstag natürlich live dabei: Der Live-Ticker zum Spiel startet gegen 13.45 Uhr. Wer noch Karten kaufen möchte, ist im Online-Ticketshop der SG Barockstadt richtig. Gestreamt wird das Spiel auch wieder auf Leagues.
